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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erwitte; Erxl.; Erxleben; Erykine; Erymanthos; Eryngium; Eryon; Erysichthon; Erysipelas; Erysiphe

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Erwitte - Erysiphe.

E. starb 17. Jan. 1318. Im J. 1845 wurde ihm bei Steinbach in Baden ein Denkmal gesetzt. - Ein Sohn von ihm gleichen Namens und ein zweiter, Johannes Winlin (Erwinlein), setzten nach seinem Tode den Münsterbau fort; ein dritter Sohn, dessen Name unbekannt ist, baute die Kollegiatkirche zu Nieder-Haslach, wo er 1330 starb. Daß eine angebliche Tochter Erwins, Sabina, eine Bildhauerin gewesen und das Münster mit Skulpturen geschmückt haben soll, ist eine durch nichts beglaubigte Tradition.

Erwitte, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Lippstadt, an der Eisenbahn Warstein-Lippstadt, mit Amtsgericht, evangelischer und kath. Kirche, Zigarrenfabrikation und (1885) 1636 Einw. E. war im Mittelalter Sitz eines Adelsgeschlechts, welches im 12. und 13. Jahrh. meist die Vogtei über Köln und Soest besaß und 1322 ausstarb.

Erxl., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für J. Ch. ^[Johann Christian Polycarp] Erxleben (s. d.).

Erxleben, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Neuhaldensleben, mit Amtsgericht, evang. Kirche, 2 Rittergütern und (1880) 1830 Einw.

Erxleben, Johann Christian, Mediziner und Naturforscher, geb. 22. Juni 1744 zu Quedlinburg als Sohn von Dorothea Christine E., geborne Leporin (geb. 13. Nov. 1715 daselbst, gest. 13. Juni 1762), der ersten Frau in Deutschland, welche die medizinische Doktorwürde erlangte, studierte in Göttingen Medizin, dann Naturwissenschaft, wurde 1771 Professor der Physik daselbst und starb 19. Aug. 1777. Er schrieb: "Anfangsgründe der Naturgeschichte" (Götting. 1768, 2. Aufl. 1791); "Anfangsgründe der Naturlehre" (das. 1772, 6. Aufl. 1794); "Physikalisch-chymische Abhandlungen" (Leipz. 1776); "Systema regni animalis" (das. 1776).

Erykine (lat. Erycina), Beiname der Aphrodite vom Berg Eryx in Sizilien, wo sie als Urania verehrt ward. Ihr Kult drang auch in Rom ein, wo man ihr 217 v. Chr. einen prächtigen Tempel auf dem Kapitol, 181 einen zweiten vor der Porta Collina auf dem Quirinal weihte.

Erymanthos, im Altertum Name eines Gebirges auf der Grenze von Achaia, Elis und Arkadien im Peloponnes, Aufenthaltsort des erymanthischen Ebers (s. Herakles); jetzt Olenos, 2224 m hoch.

Eryngium L. (Mannstreu), Gattung aus der Familie der Umbelliferen, meist dornige, distelartige Kräuter, selten kleine Sträucher oder Bäume mit dornig gezahnten, gelappten oder zerschnittenen, selten ungeteilten Blättern, weißlichen oder bläulichen, von langen, dornigen Hüllblättern umgebenen, kopfigen oder ährigen, dichtblütigen Dolden und eiförmigen, spreuig geschuppten Früchtchen. Etwa 50 Arten, meist in Nordamerika und Südeuropa. E. campestre L. (Feldmannstreu, gemeine Brach-, Roll-, Kraus- oder Radendistel, Elend, Unruhe), 15-50 cm hohe, dornige, hell graugrüne Büsche mit starren, dornig gezahnten, fiederspaltigen Blättern und weißen oder grünen Blüten, auf dürren Stellen durch Süd- und Mitteleuropa. Die Wurzel (Stech-, Elend-, Braundistel-, Donnerdistel-, Tolldistel-, Brackendistel- und Ellaubwurzel, Elendkraut, Meer- oder Mordwurzel) riecht schwach, schmeckt süß schleimig, fast möhrenartig, später sehr schwach gewürzhaft und gehörte zu den sonst gepriesenen fünf kleinern eröffnenden Wurzeln; sie kann als Gemüse, die jungen Wurzelsprosse als Salat genossen werden. E. maritimum L. (Meerstrands-Mannstreu, Meerwurzel, Meerbrackdistel), 15-30 cm hoch, hat handförmig gelappte, steife, dornig gezahnte, blaugrüne Blätter, blaue Blüten und Hüllblätter und wächst an den nördlichen Küsten Europas. Die süßliche, etwas schleimige Wurzel wurde früher medizinisch angewendet, während man in Nordeuropa die jungen Sprosse wie Spargel ißt. Andre oft azurblau gefärbte Arten, wie E. amethystinum L., aus Südeuropa, werden in Gärten kultiviert.

Eryon, s. Krebse.

Erysichthon, 1) Sohn des thessal. Königs Triopas, ward, weil er eine der Demeter geheiligte Eiche gefällt, mit einem nie zu stillenden Hunger bestraft. Seine Tochter Mestra erhielt ihn eine Zeitlang dadurch, daß sie sich, von der ihr von Poseidon verliehenen Gabe der Verwandlung Gebrauch machend, unter verschiedenen Gestalten immer von neuem verkaufen ließ. Zuletzt verzehrte er seine eignen Glieder, soweit er sie erreichen konnte. Name ("Erdreißer") wie Sage deuten auf Sonnenglut, die den Boden ausdörrt. Vgl. O. Müller, Dorier (Bd. 1, S. 400 ff.).

2) Sohn des mythischen Königs von Attika, Kekrops, und der Agraulos.

Erysipelas (griech.), s. v. w. Rotlauf oder Rose (s. d.); erysipelatös, rosen- oder rotlaufartig, von der Rose (Rotlauf) befallen.

Erysiphe Wallr. (Erysibe, Meltaupilz), Pilzgattung aus der Unterordnung der Perisporiaceen und der Ordnung der Askomyceten, mikroskopisch kleine, auf höhern grünen Pflanzen schmarotzende Pilze, deren Mycelium nur die Oberfläche der Pflanzenteile überzieht. Sie bilden meistens auf grünen Blättern weiße, mehlartige Überzüge (Meltau). Das Mycelium breitet sich von einzelnen Punkten aus in Form von Flecken oder zusammenhängenden Lagen, die an ihrem Rand weiter wachsen, aus; es besteht aus freien, ästigen Fäden, welche der Oberhaut der Pflanze lose aufliegen und an gewissen Punkten unterseits kleine, scheibenförmige Anschwellungen tragen, die röhrenförmige Fortsätze durch die Wand der Oberhautzellen hindurchtreiben und innerhalb der letztern blasige Saugorgane erzeugen. Auf diesem Mycelium entstehen zweierlei Fortpflanzungsorgane, welche auf demselben Mycelium nacheinander erscheinen. Nicht selten bleibt die Entwickelung des Pilzes bei der Bildung von Konidien (s. Pilze) stehen; solche lediglich Konidien tragende Formen hat man früher als besondere Pilze in die Gattung Oidium Link eingereiht. So ist z. B. das Oidium Tuckeri Berk. auf Weintrauben nur die Konidienform einer Art von E., die sich aber nicht angeben läßt, da die zweite Form der Früchte noch nicht gefunden ist; es dient daher einstweilen die alte Benennung Oidium zur Bezeichnung des Pilzes. Das charakteristische Merkmal dieser Gattung und die Unterscheidung der Arten gründet sich nämlich auf die zweite Fruchtform, welche nach den Konidienträgern erscheint und durch einen Geschlechtsakt zwischen zwei sich kreuzenden Mycelfäden angelegt wird, von denen der eine das weibliche Organ (das Karpogon) als ovale Zelle, der andre das männliche Organ (oder das Pollinodium) als kurzen, gekrümmten Zellschlauch erzeugt. Aus dem Karpogon gehen die Perithecien hervor, den bloßen Augen als schwarze Pünktchen erscheinende kugelrunde, geschlossene, an ihrer Unterseite auf dem Mycelium festsitzende Behälter, welche durch unregelmäßiges Zerbrechen der Wand sich öffnen. In dem einfachen Hohlraum des Peritheciums befinden sich ein oder mehrere kurze Sporenschläuche mit je 2-8 einzelligen, ovalen Sporen. Die Außenseite der Peritheciumwand ist häufig mit langen, abstehenden oder aufrechten, am Ende verschiedenartig geteilten, faden-^[folgende Seite]