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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erythrophlaeum judiciale; Erythrophyll; Erythroskop; Erythroxyleen; Erythroxylon; Eryx

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Erythrophlaeum judiciale - Eryx.

dem Teeren sehr dauerhaft sein sollen; auch als Korksurrogat ist das sehr weiche Holz verwendbar. E. monosperma, s. Butea.

Erythrophlaeum judiciale Proct. (E. guineense Don., Sassybaum, Rotwasserbaum), ein großer Baum aus der Familie der Mimosaceen, mit ausgebreiteten Ästen, doppelt gefiederten Blättern, in ährenartigen Trauben stehenden Blüten und Hülsenfrüchten, wächst auf Kap Palmas und in Sierra Leone. Die Rinde wird von den Eingebornen zur Herbeiführung eines Gottesurteils in ihren Hexen- und Zaubererprozessen angewandt. Der intensiv rote Auszug wirkt brechenerregend und purgierend und besitzt auch einigen Einfluß auf die Gehirnfunktionen, in größern Dosen wirkt er tödlich. Nach andern Angaben wirkt das Extrakt brechenerregend, narkotisch und adstringierend, aber nicht purgierend. Die Rinde kommt als Cortex Sassy in den Handel und wird namentlich in Nordamerika bei Wechselfieber, Dysenterie und Diarrhöe angewandt.

Erythrophyll (griech.), s. Blattrot.

Erythroskop (griech., v. erythros, rot, und skopein, schauen), eine Kombination aus zwei aufeinander gelegten farbigen Gläsern, einem dunkelroten Kupferoxydulglas (Rubinglas) und einem blauen Kobaltglas. Ersteres läßt sämtliche rote und orangefarbige Strahlen durch sich hindurchgehen, letzteres nebst den blauen nur die am wenigsten brechbaren roten Strahlen, welche das äußerste Ende des Spektrums (vor der Fraunhoferschen Linie B) einnehmen. Durch beide Gläser zusammen dringt also nur dieses äußerste Rot, die einzige Farbe, für welche beide Gläser gleichzeitig durchsichtig sind. Betrachtet man durch das E. eine sonnenbeschienene, vegetationsreiche Landschaft, so sieht man alle Gegenstände rot; die Pflanzen erscheinen aber im Vergleich mit den übrigen Dingen außerordentlich hell. Eine Baumkrone zeigt sich ebenso hell wie eine Wolke; das Laubwerk, welches, mit bloßem Auge gesehen, dunkel vom klaren Himmel absticht, zeichnet sich jetzt hell auf dunklem Grund ab; der Rasen, welcher für das bloße Auge dunkler ist als der bekieste Weg, erscheint hell, der Kiesweg dunkel. Diese Wirkung beruht auf dem eigentümlichen optischen Verhalten des Blattgrüns oder Chlorophylls, welches die mittlern roten Strahlen (zwischen B und C) kräftig absorbiert, die äußersten roten Strahlen aber reichlich zurückstrahlt. In dem von den Pflanzenblättern zurückgeworfenen Licht, welches dem bloßen Auge grün erscheint, ist daher diejenige Strahlenart, welche von dem E. allein durchgelassen wird, in verhältnismäßig größerer Menge enthalten als in dem Licht, welches von den übrigen Körpern ausgeht, und die Pflanzen erscheinen daher heller als diese. Den umgekehrten Effekt erzielt man durch eine Brille, welche aus rotem und violettem Glas zusammengesetzt ist; diese Kombination läßt nur die mittlern roten Strahlen durch, welche in dem von den Pflanzen zurückgestrahlten Licht in weit geringerer Menge enthalten sind als in dem Licht, welches von andern Körpern zurückgeworfen wird. Eine durch eine solche Brille betrachtete Landschaft erscheint ebenfalls durchaus rot; die Pflanzen aber sind jetzt viel dunkler als die übrigen Gegenstände, beinahe schwarz, weswegen die Vorrichtung Melanoskop genannt worden ist. Das E. und das Melanoskop erläutern in instruktivster Weise das verschiedene Verhalten des Blattgrüns gegenüber den äußersten und mittlern roten Strahlen; da jedoch jeder dieser Apparate nur eine einzige Farbe durchläßt, so verschwindet der Farbenreichtum und damit der malerische Reiz der betrachteten Landschaft. Eine wahrhaft wunderbare Wirkung bringt aber das Erythrophytoskop hervor, welches man erhält, wenn man mit dem blauen Kobaltglas ein hellrotes Kupferoxydulglas vereinigt; da nämlich letzteres auch für die blauen Strahlen durchgängig ist, so erhält man eine Kombination, welche zwei Farben, nämlich das äußerste Rot und Blau, durchläßt. Durch diesen Apparat blickend, sieht man die Pflanzen prachtvoll rubinrot gefärbt, während der klare Himmel tief violettblau, die Wolken in zartem Purpur, das Erdreich und die Felsen violettgrau erscheinen.

Erythroxyleen (Rothölzer), dikotyle, etwa 50 Arten umfassende, besonders im wärmern Amerika einheimische Familie aus der Ordnung der Äskulinen unter den Choripetalen, Holzpflanzen mit zweizeiligen Laubblättern, achselständigen Nebenblättern, regelmäßigen, zwitterigen, fünfzähligen Blüten, einem doppelten Kreis von Staubgefäßen, die durch einen Diskus verwachsen sind, und einem drei- bis vierfächerigen Ovar, das zu einer einsamigen Steinfrucht heranwächst. Wichtigste Gattung: Erythroxylon L. Vgl. Martius, Beiträge zur Kenntnis der Gattung Erythroxylon, in den "Abhandlungen der Münchener Akademie", Bd. 3.

Erythroxylon L. (Rotholz), Gattung aus der Familie der Erythroxyleen, Sträucher und kleine Bäume in Brasilien, Guayana, West- und Ostindien und auf Madagaskar, mit rotem Holz, wechselständigen, einfachen, ganzen Blättern, achselständigen Blüten und einsamiger Steinbeere. E. Coca Lam. (Kokastrauch, s. Tafel "Genußmittelpflanzen"), 2 m hoher Strauch mit oblongen, länglich-eiförmigen oder länglich-lanzettlichen, 7 cm langen, ganzrandigen oder schwach geschweiften Blättern, zu 3-6 stehenden Blüten und kleinen, eiförmigen, scharlachroten Früchten. Der Strauch wächst in Peru und Bolivia und wird in großer Menge kultiviert. Man säet den Samen bei Beginn der Regenzeit zu Ende Dezember, verpflanzt die Sprößlinge auf die Abhänge der Hügel und sammelt nach 18 Monaten die ersten Blätter. Der Strauch bleibt 30-40 Jahre ertragsfähig. Die jährliche Produktion wird auf 98,000 Ztr. angegeben. Die Koka war eine heilige Pflanze der alten Peruaner, die bei keiner Festlichkeit und keinem Opfer fehlen durfte. Die Blätter schmecken angenehm bitterlich-zusammenziehend und riechen fein ätherisch. Die Eingebornen kauen die getrockneten Blätter: mit Asche oder Kalk vermischt, von morgens bis abends, und obwohl sie außerdem nur noch sehr wenig Maismehl und Kartoffeln und äußerst selten Fleisch genießen, so sind sie durch die Wirkung der Kokablätter doch im stande, große Anstrengungen mit Leichtigkeit zu überwinden. Diese von Tschudi, Pöppig u. a. bestätigten Thatsachen regten zu Versuchen an, die Kokablätter auch in Europa zu verwerten; man hat aber nur negative Erfolge erzielt und glaubt, daß die Wirkung überhaupt nicht an Europäern, sondern nur an den ohnehin schon an Strapazen und Hunger gewöhnten Indianern hervortrete. Die Kokablätter enthalten Kokain (s. d.) C17H21NO4 ^[C<sub>17</sub>H<sub>21</sub>NO<sub>4</sub>] und Kokagerbsäure.

Eryx, im Altertum Name eines 750 m hohen Bergs auf der Westseite Siziliens zwischen Drepanon und Panormos. Auf dem Gipfel stand ein berühmter, angeblich von Äneas gegründeter Tempel der Aphrodite Erykina; am östlichen Abhang lag die Stadt E., die, durch ihre feste Lage von hoher militärischer Bedeutung, erst im Besitz der Karthager war, dann 278 von Pyrrhos erobert und 261 von Hamilkar zerstört wurde. Während des ersten Punischen Kriegs war E. ein viel umkämpfter Platz, fiel aber im Frieden (241) an Rom