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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erzblume; Erzbrüderschaft; Erzengel; Erzerum; Erzgänge; Erzgebirge

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Erzblume - Erzgebirge.

Erzblume, s. v. w. Flußspat.

Erzbrüderschaft, eine Brüderschaft, welche andre ähnliche Vereine in sich begreift oder vor diesen einen Vorrang behauptet, z. B. die E. Unsrer Lieben Frau vom Berg Karmel, nach der Regel des dritten Ordens der Karmeliter, mit brauner Kutte und einer über den Kopf gezogenen Kapuze, die nur Sehlöcher für die Augen offen läßt; die E. der Wundmale des heiligen Franz, gestiftet 1593 von Friedrich Pizzi zu Rom für asketischen Wandel und Krankenpflege, Witwen- und Waisenversorgung, mit aschgrauer Sackkutte und Strickgürtel, neu organisiert 1673; sie rekrutiert sich aus verschiedenen Ständen, nur alle Arten von Wirten sind ausgeschlossen. Eine der wichtigsten Erzbrüderschaften unsrer Tage ist die "vom allerheiligsten und unbefleckten Herzen Mariä zur Bekehrung der Sünder", 1838 in Paris gegründet, zählt gegen 30 Mill. Mitglieder, deren jedes Anteil im Leben und nach dem Tod an sämtlichen guten Werken und Verdiensten aller übrigen besitzt.

Erzengel, s. Engel.

Erzerum (Erserum), Hauptstadt des gleichnamigen, einen großen Teil von Armenien umfassenden Wilajets in der asiatischen Türkei, welches 106,454 qkm (1933 QM.) Areal und etwa 450,000 (nach andern 1,170,000) Einw. hat und in die Sandschaks E., Ersindschan, Baiburt und Bajesid zerfällt. Die Stadt ist durch ihre Lage sowohl für den Handel als in militärischer Hinsicht von Wichtigkeit. Sie liegt nahe den Quellen des Euphrat (Karasu) in 1965 m Meereshöhe, am Südostrand der 30 km langen und 10-15 km breiten Hochebene von E. (Owa genannt), die im N. von den Gebirgen Ak Baba Dagh, Kara Kajalar, Dumlü Dagh und im S. vom Ejerlü, Karakaja und Palandöken Dagh begrenzt wird. Das Klima ist ein sehr kaltes, so daß man die Stadt das Sibirien Kleinasiens genannt hat. E. ist mit einer doppelten Steinmauer und mit tiefen Gräben umgeben und hat im S. eine Citadelle (Itsch Kalé), in welcher der Pascha wohnt. Jenseit der Mauer dehnen sich die Vorstädte aus, in welchen der größere Teil der Bevölkerung lebt. Die Straßen sind trotz des vielfach hindurchfließenden Wassers schlecht und unreinlich, die Häuser meist von Stein gebaut, oft halb unterirdisch, mit kleinen Fenstern und platten, rasenbedeckten Dächern, worauf Vieh weidet. Die Moscheen, 45 an der Zahl, deren größte, die Ulajama-Moschee, ehemals eine griechische Kirche zu St. Stephan war, bieten mit ihren schlanken Minarets von fern einen stattlichen Anblick, sind aber zum Teil sehr unansehnliche Bauwerke. Außerdem besitzt E. zahlreiche Karawanseraien, mehrere christliche Kirchen, Bäder, ein Zollhaus und ein altes Kloster, das, in die ersten christlichen Jahrhunderte hinaufreichend, den Türken zum Arsenal dient. Die Stadt ist Sitz des Generalgouverneurs, eines gregorianischen Erzbischofs, eines armenisch-katholischen und eines griechisch-orientalischen Bischofs, besitzt mehrere Medressen, eine Militärschule und andre Schulen der Mohammedaner. Die gregorianischen Armenier haben eine sehr gute Mittelschule, die andern Konfessionen gute Elementarschulen. Durch seine Lage am Handelsweg zwischen Trapezunt nach Tebriz (der alten "genuesischen Straße") ward E. ein Hauptstapel- und Rastplatz für die Karawanen und gelangte zu einem im Orient seltenen Zustand der Blüte. Durch die wiederholten Einverleibungen armenischen Gebiets in Rußland 1829, in welchem Jahr 6000 Familien aus E. auf russisches Gebiet übersiedelten, und 1878, sodann durch den Bau der Eisenbahn Poti- (dann Batum-) Tiflis-Baku hat der Handel Erzerums zwar arge Stöße erlitten; aber trotzdem nimmt es unter den Handelsplätzen Armeniens noch immer den ersten Rang ein. Die Handelsbewegung hat bisher im Durchschnitt (mit Einschluß des Transits, der vier Fünftel vom Ganzen ausmacht) etwa 66 Mill. Mk. betragen, wovon ca. 36 Mill. auf die Ausfuhr entfallen. Namentlich ist die Zufuhr von Getreide, Mehl und andern Lebensmitteln bedeutend. Früher hatte E. eine ansehnliche Metallindustrie; seine Eisen- (Hufeisen, Waffen) und Kupferwaren standen in großem Ruf. Die Zahl der Einwohner: welche man vor der Eroberung durch die Russen im 1827 auf 150,000 Seelen schätzte, beträgt gegenwärtig kaum 50,000, wovon 34,000 Türken, 14,612 gregorianische, 420 katholische und 300 protestantische Armenier und 618 Griechen. - E. entspricht der altarmenischen Stadt Karin, was die Griechen in Karana veränderten. Der byzantinische Kaiser Anastasius I. (491-518) befestigte sie und nannte sie Theodosiopolis. Im J. 502 geriet sie vorübergehend in den Besitz der Perser, ebenso gegen Ende des 6. Jahrh., wo ein großer Teil ihrer Einwohner nach Hamadan verpflanzt wurde. 647 eroberten sie die Araber, denen sie durch die Griechen wiederholt streitig gemacht wurde, aber bald nach 1000 doch verblieb. 1047 wurde die benachbarte altarmenische Stadt Ardzn von den Persern zerstört; ihre Einwohner flüchteten nach Karin, das seitdem Ardzn Rûm (das römische oder griechische Arzen) benannt wurde, woraus E. entstand. 1201 fiel E. in die Hände der Seldschukken, 1247 in die der Mongolen; 1472 kam es mit Großarmenien unter persische und 1522 unter türkische Herrschaft. Infolge des Siegs der Russen unter Paskewitsch über die Türken in der Ebene von E. (Juli 1829) kam das Paschalik nebst der Hauptstadt, dem Bollwerk der Türkei gegen Rußland und Persien, in russische Gewalt, ward aber im Frieden von Adrianopel (14. Sept. 1829) dem Sultan zurückgegeben. Von neuem besetzten es die Russen, welche 4. Nov. 1877 über die Türken in der Nähe von E. bei Dewe-Boyun siegten, im Februar 1878, räumten es aber nach dem Berliner Frieden wieder.

Erzgänge, s. Erzlagerstätten und Gang.

Erzgebirge (Sächsisches E.), das erzreiche Grenzgebirge Böhmens und Sachsens im SW. der Elbe (s. Karte "Sachsen"), erstreckt ich in einer Länge von 125 km von Dohna an der Elbe und vom Hohen Schneeberg über Tetschen bis zur Zwota, die bei Falkenau in die Eger mündet. Südwestlich von der Zwota vermittelt das Elstergebirge (s. d.), welches noch über 30 km weiter reicht, die Verbindung mit dem Fichtelgebirge. Von Böhmen aus, wohin das E. steil in die Niederungen der Biela und zwischen Kaden und Karlsbad, mit einer Unterbrechung durch das üb er 940 m ansteigende Basaltplateau von Duppau und Engelhaus, ins obere Egerthal abfällt, macht es ganz den Eindruck eines den nördlichen Horizont begrenzenden Gebirges; denn während Tetschen im Elbthal 180 m, Ossegg am Gebirgsfuß 290 m, Komotau 325 m und Franzensbad, im äußersten Südwesten, 435 m hoch liegen, sinkt der Gebirgsrücken vom 659 m hohen Nollendorfer Paß bis zur Elster nirgends unter 650 m, erhebt sich vielmehr auf lange Strecken selbst bis zu 800 und 1000 m und rückt dabei so nahe an den Südrand, daß die Entfernung der höchsten Rücken und Kuppen vom Gebirgsfuß meist nicht mehr als 7-8 km beträgt. Ganz anders ist das Nordgehänge des Erzgebirges; es ist dies ein breites, aber von zahlreichen tiefen, vielgewundenen Thälern durchschnittenes Hochland