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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eudromias; Euemeros; Euepie; Euerdorf; Euergétes; Euganeische Hügel; Eugen

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Eudromias - Eugen.

nennt ihn um seiner Behandlung dieses Problems willen den Gottähnlichen. Meisterhaft in geometrischer Hinsicht ist auch sein kühnes astronomisches System der homozentrischen (konzentrischen) Sphären. Um nämlich die Bewegungen der Himmelskörper, insbesondere die oft merkwürdig verschlungenen Bahnen der Planeten, auf gleichförmige Kreisbewegungen zurückzuführen, nahm E. an, daß die Fixsterne auf der Innenseite einer Hohlkugel angebracht seien, die sich in 24 Stunden einmal in der Richtung von O. nach W. um ihre Achse (die Weltachse) dreht; ferner seien auch die Sonne, der Mond und jeder Planet auf dem Äquator je einer Sphäre angebracht, die um ihre Achse gleichförmig rotiert; aber diese Achsen seien nicht fest wie die Weltachse, sondern ihre Pole liegen wieder auf andern gleichförmig rotierenden Kugeln etc. Bei der Sonne und ebenso beim Mond genügten drei Sphären zur Darstellung der Beobachtungen, bei den fünf Planeten sah sich aber E. genötigt, je vier Sphären anzunehmen, so daß die Gesamtheit seiner Sphären 27 betrug. Über dieses System, das von Kalippos von Kyzikos und von Aristoteles noch weiter ausgebildet wurde, aber später den Epicykeln des Ptolemäos weichen mußte, vgl. Schiaparelli, Die homozentrischen Sphären etc. (Supplement zu Schlömilchs "Zeitschrift für Mathematik u. Physik", Bd. 22). Von seinen Schriften haben wir einige Citate bei alten Schriftstellern, besonders in Hipparchs "Exegesis Arati et Eudoxi phaenomena". Vgl. Ideler, Über E. ("Abhandlungen der Berliner Akademie" 1828, S. 189, und 1829, S. 49).

Eudromias, s. Regenpfeifer.

Euemeros (Euhemerus), griech. Philosoph der kyrenaischen Schule, um 300 v. Chr., verfaßte unter dem Titel: "Heilige Urkunde" ein Werk, in welchem er die ganze Mythologie aus der Vergöttlichung durch Klugheit und Tapferkeit verdienter Menschen erklärte; daher der Name Euhemerismus für Menschenvergötterung. Zur Begründung seiner Behauptung berief er sich auf die Darstellung der ganzen Urgeschichte der Welt von Uranos an auf einer goldenen Säule im Zeustempel einer Insel Panchäa, die er bei seiner im Auftrag des makedonischen Königs Kassandros unternommenen Umschiffung der Küsten Arabiens in der Nähe Indiens entdeckt habe. Diese Schrift, von der sich nur Bruchstücke erhalten haben (gesammelt von Wesseling in der Ausgabe des Diodoros von Sizilien, Bd. 2, Amsterd. 1747), fand auch in Rom Eingang, wo sie von Ennius (s. d.) übersetzt und bearbeitet wurde. Vgl. Ganß, Quaestiones Euhemereae (Kempen 1860); Sieroka, De Euhemero (Königsb. 1869); Block, Euhémère, son livre et sa doctrine (Mons 1876).

Euepie (griech.), Wohllaut, Wohlredenheit.

Euerdorf, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Hammelburg, an der Fränkischen Saale, mit Amtsgericht, kath. Kirche und (1880) 560 Einw.

Euergétes (Euerget, griech.), Wohlthäter.

Euganeische Hügel (Colli oder Monti Euganei), ein Höhenzug vulkanischen Ursprungs in Norditalien, südwestlich von Padua, nach dem alten Volk der Euganei, welches einst hier wohnte, benannt, erhebt sich mitten in der venezianischen Ebene, von N. nach S. gerichtet, zwischen dem Fluß Bacchiglione, den Kanälen von Battaglia und Este und dem Bisatto, und erreicht im Monte Venda 533 m Seehöhe. Die ganze Gruppe ist durch Trachyteruptionen entstanden, welche unterseeisch in der Jurazeit begannen und, erst in der Tertiärzeit oberseeisch geworden, dieses allmählich verlandete vulkanische Gebirge schufen. Der Bergzug ist trefflich bewaldet, gut angebaut und mit freundlichen Wohnhäusern und Villen besetzt. Unter letztern befindet sich das noch erhaltene, fünf Jahrhunderte alte Wohnhaus des Petrarca zu Arquà. An nutzbaren Mineralien liefern die Berge feinen Thon, Walkererde und schönen Marmor. Berühmt sind die heißen Schwefelquellen zu Abano, Battaglia u. a. Vgl. Reyer, Die Euganeen (geologisch, Wien 1877).

Eugen (griech. Eugenios, etwa s. v. w. Wohlgeborner, Edler), Name von vier Päpsten und einer Anzahl fürstlicher Personen.

1) E. I., Papst, gewählt 654 an Stelle des von Kaiser Constans entsetzten Martin I., aber erst nach dessen Tod (655) vom Klerus anerkannt, starb 657 und ward heilig gesprochen; Tag: 2. Juni.

2) E. II., Papst 824-827, erkannte in den Konstitutionen von 824 die Oberhoheit des Kaisers über den päpstlichen Stuhl und die kaiserliche Bestätigung der Papstwahl an, gab den ausgleichenden Beschlüssen des von Ludwig dem Frommen zu Paris abgehaltenen Konzils zur Entscheidung des Bilderstreits die Sanktion und erließ Dekrete zur Herstellung der Kirchenzucht, Beförderung der theologischen Gelehrsamkeit und Anlegung von Schulen und Domstiftern.

3) E. III., Papst 1145-53, aus Pisa gebürtig, ein eifriger Schüler des heil. Bernhard von Clairvaux, floh, durch einen Volksaufstand aus Rom vertrieben, nach Viterbo, von wo aus er den zweiten Kreuzzug predigen ließ, kehrte zwar infolge eines Vergleichs zurück, mußte aber, da Arnold von Brescia die altrömische Republik verkündigte, 1146 abermals entweichen und in Frankreich eine Zuflucht suchen. Durch die Waffen König Rogers von Sizilien nach Rom zurückgeführt, mußte er schon 1150 wieder vor dem Drängen der Republikaner weichen und lebte unstet in der römischen Campagna. Er starb in Tivoli. Es sind von E. noch 88 "Epistolae" vorhanden.

4) E. IV., Papst, geb. 1383 zu Venedig, hieß Gabriele Condolmiere, wurde 1408 Bischof von Siena und Kardinal, dann Legat zu Ancona und Bologna und 5. März 1431 Papst. Obwohl er bei seiner Wahl zum Papst geschworen hatte, auf dem bereits ausgeschriebenen Konzil zu Basel (s. Baseler Konzil) die Reformation der Kirche fördern zu wollen, so erließ er doch gegen das Konzil, das im Juli 1431 eröffnet war, eine Auflösungsbulle, ließ sich aber durch die entschiedene Haltung desselben, durch die Vermittelung des Kaisers Siegmund und besonders durch die Feindseligkeiten der Römer, die ihn aus Rom vertrieben, 1434 zur Anerkennung des Konzils bewegen. Aber die ernstlichen Reformbestrebungen des Konzils und seine Eingriffe in die höchste Regierung der Kirche führten bald zu neuem Zwiespalt. Das Konzil beschied (31. Juli 1437) den Papst zur Verantwortung vor, und als E. darauf mit der Auflösung des Konzils und Berufung eines neuen nach Ferrara antwortete, wurde er erst (24. Jan. 1438) suspendiert und dann (25. Juni 1439) abgesetzt und an seine Stelle der Herzog Amadeus VIII. von Savoyen unter dem Namen Felix V. zum Papst gewählt, welcher jedoch nur teilweise Anerkennung fand. Das von E. berufene Konzil war inzwischen in Florenz zusammengetreten und brachte 1439 eine Einigung mit der griechischen Kirche zu stande, welche allerdings von keiner praktischen Bedeutung war. Aber auch das Baseler Konzil erreichte nichts, und E. knüpfte bereits mit Kaiser Friedrich III. Verhandlungen über die Lossagung Deutschlands von demselben an. Vor Beendigung derselben starb er 23. Febr. 1447.