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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Europa

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Europa (Gebirge der Halbinseln und Inseln).

der Auvergne und im O. liegt ein ausgedehntes Gebiet vorhistorischer großartiger vulkanischer Thätigkeit. Hoch ragen über das granitische Plateau des Innern trachytische Dome empor, unter ihnen Innerfrankreichs höchster Gipfel, der 1886 m hohe Mont Dore. Das Plateau von Langres, wichtig durch seine Pässe aus dem Rhôneland nach Paris, verknüpft Zentralfrankreich mit dem oberrheinischen Gebirge.

Unter den Gebirgen der Halbinseln und Inseln Europas ist das den Westen und Norden der großen nordischen Halbinsel ihrer ganzen Länge nach durchziehende skandinavische das umfangreichste, 265,400 qkm (4820 QM.) umfassend; an Massenerhebung wird es nur von den Alpen übertroffen, an Gipfelhöhe aber selbst von den spanischen Gebirgen und von dem Ätna. Sein höchster Gipfel, der sich aber nur wenig über das allgemeine Niveau des Gebirgsplateaus erhebt, der Ymesfjeld oder Galdhöpig, erreicht nur 2560 m. Auf der Höhe eine wellenförmige, unwirtliche Hochebene (Fjelde), über die sich nur niedrige Kuppen und Rücken erheben, senkt es sich ostwärts allmählich gegen Schweden, durchschnitten von tiefen, zum Teil zu Felsschluchten verengerten Thälern, reich an langgestreckten Seen, voll wilder Szenerien, während es dagegen westwärts in steilen, wild zerrissenen Gehängen zur See abfällt. Tief greift zwischen den Felsrücken das Meer ein, ruhige, mehr Landseen als Meerbusen gleichende Fjorde bildend, während die Felsrücken selbst weit in die See hinausreichen und die Küste mit einer zahllosen Menge von kleinen Inseln und Felsklippen (Schären) umgürten. Massenerhebung und nördliche Lage sind Ursache der großen Ausdehnung des ewigen Schnees, der die höchsten Rücken bedeckt, und der zahlreichen großartigen Gletscherbildungen, die von ihnen ausgehen. Die Cimbrische Halbinsel, die dänischen und Ostseeinseln sowie die holländische Halbinsel sind als Fortsetzungen und abgerissene Teile der benachbarten Tiefländer anzusehen, obgleich einzelne, besonders der östlichern Inseln felsige Formen aufweisen. Großbritannien gleicht Skandinavien durch die zerrissenen, buchtenreichen, gebirgigen Westküsten und durch das Flachland an der Ostseite. Fast das ganze Schottland ist gebirgig, während in England, je weiter südlich, ein um so breiteres Flachland sich ausdehnt. Das gebirgige Großbritannien besteht aus mehreren durch schmälere oder breitere Niederungen getrennten Gebirgslandschaften, die, wenn auch der höchste Gipfel, der schottische Ben Nevis, nur 1343 m hoch ist, doch durch größere landschaftliche Reize das skandinavische Gebirge übertreffen. Ihre vorherrschende Richtung ist, wie in Skandinavien, aus SW. nach NO. Sie zerfallen in die nordschottischen Gebirge: die schottischen Hochlande und das Grampiangebirge, getrennt durch die Einsenkung, worin der große Loch Neß liegt, und das südschottische Grenzgebirge, von den Grampians durch eine von Meer zu Meer reichende Niederung geschieden; in England folgen dann von N. nach S. die seenreichen Cumbrian Mountains, das Walliser und das Cornishgebirge. In Irland waltet das Flachland vor. Von 165,000 qkm (3000 QM.) Gebirgsland der britischen Inseln fallen 68,000 qkm (1235 QM.) auf Schottland. Sämtliche Inseln, die Großbritannien im SW. und N. umgeben, selbst die dazwischenliegenden der Irischen See, sind, ebenso wie die Färöer und Island, Gebirgsinseln. Nur der Gegensatz in der Oberflächenform gegen die angrenzenden Niederungen berechtigt dazu, die niedern isolierten Berglandschaften der Normandie und Bretagne aus dem Flachland auszuscheiden, da die höchsten Höhen in der Bretagne kaum 420 m erreichen.

Die spanische oder Iberische Halbinsel ist zum bei weitem größten Teil Hochland, das sich in seltener Geschlossenheit, innen mit ausgedehnten Hochebenen von 700-800 m Höhe, aus dem Meer erhebt. Während das zentrale Tafelland ohne die scheidenden Gebirgsketten einen Flächeninhalt von 211,430 qkm (3840 QM.) einnimmt, umfaßt das Tiefland nur 21,800 qkm (396 QM.). Es wird von drei Küstenländern gebildet, dem aragonischen im NO. am Ebro, dem andalusischen im S. am Guadalquivir und dem des Tajo im W., von denen die beiden ersten tief ins Land eindringen, das Ebrotiefland die hohe Gebirgskette der Pyrenäen im S. begrenzt, welche eine schwer überschreitbare Grenzscheide mit hohen, felsigen Gipfeln, unter denen der Pic Néthou (3404 m) der höchste ist, zwischen Spanien und Frankreich vom Mittelmeer bis zum Viscayischen Meerbusen bildet. Großartig ist die Bildung ihrer Querthäler im Innern, auch besitzen sie ewigen Schnee und Gletscher. Ihre nordwestliche Fortsetzung bildet die Kette des Kantabrischen Gebirges. Wie im N. die Pyrenäen, so wird an der Südküste das Gebirgssystem von Granada, welches in der Sierra Nevada mit dem Cumbre Mulhacen eine Gipfelhöhe von 3481 m erreicht, durch das andalusische Tiefland vom Körper des Hochlandes getrennt. Außerdem ziehen noch zwei Gebirgsketten der Sierra Nevada parallel, aus WSW. nach ONO.: die niedrige Sierra Morena, das Randgebirge des Hochlandes gegen Andalusien, und die hohe, von der wild zerrissenen Sierra von Cintra bis zur Sierra Guadarrama reichende Kette des kastilischen Scheidegebirges auf dem Scheitel des Plateaus, dessen nordöstliche Grenze gegen das Ebrotiefland verwickelte Berg- und Gebirgslandschaften bilden. So umringt von Gebirgen, im Innern durch das kastilische Scheidegebirge getrennt, breiten sich die großen Hochebenen Altkastiliens im N. und Neukastiliens im S. des Scheidegebirges aus, waldlose Ebenen von Steppennatur, darin auch den Ebenen Aragoniens am Ebro gleichend. Auch die Balearen und Pithyusen sind bergige Inseln.

Auf der italischen Halbinsel herrscht das Gebirgsland vor. Vom Westende der Ligurischen Alpen am Meerbusen von Genua bis zur Straße von Messina ziehen im fortlaufenden Zusammenhang die Apenninen. Im nördlichen Lauf sind dieselben vorherrschend ein einförmiges, bewaldetes Sandsteingebirge mit wenig markiertem Rücken; mit dem Vorherrschen des Kalksteins aber werden die Bergformen scharf und selbst wild und die Berge höher; aber auch auf dem höchsten Berggipfel der Apenninen, dem nackten, 2919 m hohen Gran Sasso d'Italia in den Abruzzen, bleibt der Schnee nur in einzelnen Flecken an der Nordseite liegen. Der kalabrische Apennin ist Urgebirge. Fruchtbares Hügelgelände begleitet den Fuß, unterbrochen durch wenige ausgedehnte Ebenen; diese Landschaften bilden auf der Westseite den sogen. Subapennin, zu dem das fruchtbare Thal des Arno und die Campagna felice bei Neapel, über die sich der Vulkankegel des 1268 m hohen Vesuvs erhebt, die verödete Campagna von Rom, das Gebirgsland von Toscana und der Albaner Berge gehören. Nur im W. reicht das Gebirgs- und Hügelland an das Meer, so in den durch ihre Malaria berüchtigten Maremmen Toscanas und in den ihrer Fieber halber geflohenen Pontinischen Sümpfen; im O. dagegen trennt ein