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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ex - Exarchat.

und ihren Veränderungen entstandenen Zeit auf ihn, den Schöpfer der Zeit, keine Anwendung erleiden. Neuerdings erfuhren alle diese Dogmen eine der Entdeckung Kants (wonach die Zeit nur eine subjektive Form der Anschauung darstellt) entsprechende Umbildung, und man versteht infolgedessen unter E. nicht sowohl die nach vorn und hinten ins Endlose verlängerte Zeit als vielmehr das der subjektiven Zeitform entgegengesetzte intelligible Wesen, so daß Gottheit und Welt sich unterscheiden wie E. und Zeit.

Ex (lat. Präposition), aus; auch "zu Ende, vorbei", entsprechend dem franz. ci-devant als Bestimmungswort vor Bezeichnungen von Ämtern, Titeln, Würden etc., z. B. Exkönig, Exminister etc.

Ex, Fluß in England, entspringt im Exmoor, wird bei Tiverton schiffbar und mündet nach 96 km langem Lauf bei Exmouth in den Kanal.

Ex abrupto (lat.), plötzlich, unversehens.

Exacerbieren (lat.), erbittern, verschlimmern; Exacerbation, Erbitterung; Steigerung von Fieberanfällen (Gegensatz: Remission).

Exacervation (lat.), Anhäufung.

Ex adverso (lat.), von der Gegenseite.

Exaggerieren (lat.), übertreiben; Exaggeration, rhetorische Figur: Vergrößerung, Übertreibung im Ausdruck, damit der Gegenstand recht groß erscheine; exaggeratorisch, übertreibend.

Exagitieren (lat.), aufregen, beunruhigen, quälen; Exagitation, Aufregung, Beunruhigung.

Exakt (lat.), genau erwogen oder geprüft; auch von Personen gebräuchlich: exakter Mensch, derjenige, welcher das ihm Obliegende mit Genauigkeit und Pünktlichkeit vollführt. Exakte Wissenschaften heißen diejenigen, welche die ihnen vorliegenden Probleme mathematisch genau zu lösen suchen, was vornehmlich auf den Gebieten des Wissens möglich ist, wo sich die Objekte des Erkennens auf Größenverhältnisse beziehen, also, außer in der Mathematik selbst, in der Physik, Chemie, Astronomie, Mechanik etc. und, nach Herbarts Vorgang, in der Psychologie.

Exaktion (lat.), Ein-, Beitreibung von Geldern; auch Erpressung; Exaktionen (exactiones, talliae), außerordentliche kirchliche Steuern oder Erhöhungen von bereits üblichen Abgaben behufs Erreichung gewisser kirchlicher Zwecke, z. B. Errichtung neuer geistlicher oder Lehrerstellen. Insofern sie nicht durch freiwillige Sammlungen aufgebracht werden, können sie nur nach eingeholter Genehmigung des Staats aufgelegt werden.

Exaktitüde (franz.), Genauigkeit, Pünktlichkeit.

Exaktor (lat.), Geldbeitreiber; Erpresser.

Exakuieren (lat.), schärfen, spitzen; reizen.

Exaltados (span., "Exaltierte"), Bezeichnung der demokratischen Ultras in Spanien, seit der Revolution von 1820 gebräuchlich, im Gegensatz zu den Moderados; sie hatten 1822 nur kurze Zeit die Herrschaft inne und mißbrauchten sie zu einem nutzlosen Terrorismus.

Exaltatio crucis, s. Kreuzeserhöhung.

Exaltation (lat.), die affektvolle, leidenschaftliche Erhebung oder Spannung des Gemüts und Willens, in welcher sich der Mensch zu einer außergewöhnlichen Thätigkeit angeregt fühlt; exaltieren, in E. versetzen (besonders im Partizip exaltiert gebräuchlich).

Examen (Mehrzahl Examina, lat.), s. Prüfung; Examen testium, Zeugenverhör.

Examinand (lat.), ein zu Prüfender; Examination, Prüfung, Untersuchung, Verhör; Examinator, der Prüfende, Untersuchende.

Examinatorium (lat.), eine Universitätsvorlesung, welche ganz besonders die Vorbereitung auf das Examen zum Zweck hat, sich deshalb der fragenden Lehrform vorzugsweise bedient und gewöhnlich von jüngern Dozenten (Repetenten) gehalten wird.

Examinieren (lat.), prüfen, ausfragen.

Examiniertrupp, s. Sicherheitsdienst.

Exanastrophe (griech.), Wiedergenesung.

Exanimieren (lat.), entseelen, entmutigen; Exanimation, Entseelung; Mutlosigkeit; tiefe Ohnmacht.

Ex animo (lat.), von Herzen, mit Vorsatz.

Exanthem (griech.), Hautblüte, eine schon bei Hippokrates gebräuchliche Bezeichnung für einen roten fleckigen Hautausschlag, auch krankhafte Erscheinung auf der Oberfläche von Pflanzen; s. Ausschlag. Exanthematisch, mit Hautausschlag verbunden.

Exantlation (lat.), Auspumpung.

Exäquation (lat.), Gleichmachung, Ausgleichung.

Ex aequo et bono (lat.), der Billigkeit gemäß.

Exaration (lat.), schriftliche Ausarbeitung.

Exarchat (griech.), das Gebiet, welches der griechische Kaiser in Italien nach den gotischen Kriegen von 554 bis ins 8. Jahrh. behauptete, und welches anfänglich Rom und die heutige Romagna, den Küstenstrich von Rimini bis Ancona, Venedig, Genua und ganz Unteritalien umfaßte, mehr und mehr aber zusammenschmolz. Es war benannt nach dem Titel des kaiserlichen Statthalters, Exarch (Exarchos, eigentlich s. v. w. der Erste, Vorzüglichste); derselbe setzte in den größern Städten wieder Herzöge ein, die aber, abgesehen von der Beaufsichtigung der kaiserlichen Gefälle, nur militärische Bedeutung hatten. Sein Sitz war Ravenna. Der erste Exarch war Narses, der Besieger der Ostgoten. Obgleich er die Verwaltung des Landes in tüchtiger Weise führte, wurde er doch wegen seiner Habsucht gehaßt und auf Betrieb seiner Feinde 568 vom Kaiser Justinus I. zurückgerufen, weshalb er 568 aus Rache die Langobarden ins Land gerufen haben soll. Unter seinem Nachfolger Flavius Longinus wurde der größte Teil von Oberitalien bis in die nächste Nähe von Ravenna von den Langobarden eingenommen. Longin konnte sich nur hinter den Mauern der von Narses befestigten Städte halten, von denen er Ravenna noch mehr zu sichern suchte. Der Kaiser ersetzte ihn daher 584 durch Smaragdus, der Frieden mit den Langobarden schloß. Auch unter den folgenden Exarchen gab es häufige Fehden mit den Langobarden, meist zum Nachteil der byzantinischen Besitzungen. Der Exarch Eleutherius erklärte sich 619 für unabhängig von Konstantinopel und ließ sich zum Kaiser des Occidents ausrufen, ward aber bald darauf von einem Soldaten ermordet. Der Langobardenkönig Rotharis entriß 641 dem E. Trevigi und alle Besitzungen in der Provinz Venetien, auch Perugia und alle Seestädte von Luni bis an die fränkische Grenze. Die theologischen Streitigkeiten einerseits und die Thronumwälzungen in Konstantinopel anderseits lockerten allmählich das Band zwischen den italienischen Provinzen und dem Kaiserreich. So wählte Venedig 697 auf Veranlassung des Erzbischofs von Grado einen Dogen zum höchsten Beamten, erkannte jedoch die Oberhoheit des Kaisers wenigstens insofern noch an, als es bei jeder neuen Wahl in Konstantinopel um deren Bestätigung nachsuchte. Infolge teils äußerer Angriffe, teils innerer Unruhen sank das Ansehen der Statthalter mehr und mehr, und als 726 Kaiser Leo der Isaurier die Zerstörung der Bilder in den Kirchen anordnete und der Exarch Paulus ein Heer in Ravenna sammelte, um Rom zur Annahme der kaiserlichen Edikte zu zwingen, erfolgte eine allgemeine Erhebung; der Exarch wurde in den Bann gethan, jede Stadt ernannte einen be-^[folgende Seite]