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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Exenterieren; Exequatur; Exequien; Exequieren; Exercice; Exercitia spiritualia; Exergasie; Exergue; Exerzieren

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Exenterieren - Exerzieren.

Metz und Straßburg und die fünf Bischöfe der Schweiz. Im Prozeß bedeutet E. s. v. w. eximierter oder befreiter Gerichtsstand (s. d.). E. hieß auch im frühern deutschen Staatsrecht das Aufhören der Reichsunmittelbarkeit für ein Reichsglied und daher eximieren s. v. w. einen Reichsunmittelbaren zum Mittelbaren machen. Dies geschah entweder so, daß ein Unmittelbarer von einem mächtigern Landesherrn dessen Landeslasten aufgenötigt bekam, oder daß er von der Tragung der Reichslasten weggedrängt ward, und jenachdem der Eximierte seine Lasten dabei behielt oder ihm solche abgenommen wurden, sprach man von Exemtio cum onere und Exemtio sine onere.

Exenterieren (lat.), die Eingeweide herausnehmen; Exenterismus, das Ausnehmen der Eingeweide.

Exequatur (lat., "er vollziehe"), Bezeichnung für den Akt, durch welchen eine Regierung einem bei ihr akkreditierten Konsul (s. d.) eines fremden Staats die Ausübung seiner Funktionen als solcher innerhalb ihres Staatsgebiets gestattet, ihm die üblichen Privilegien zugesteht und denselben gegenüber den Beamten des eignen Staats anerkennt und legitimiert. Die Ernennung des Konsuls selbst erfolgt nämlich durch die Regierung desjenigen Staats, dessen Interessen er in einem andern Staat wahrnehmen soll, in dem sogen. Bestellungsbrief (lettres de provision, Konsularprovisionen). Das Ministerium des Auswärtigen des bestellenden Staats hat nun die Konsularprovisionen dem Gesandten desselben in dem Staat, in welchem der neue Konsul wirken soll, mitzuteilen; der Gesandte aber hat sich alsdann mit dem Ministerium des Auswärtigen des betreffenden Staats ins Vernehmen zu setzen, um die Erteilung des E. auszuwirken. Diese kann verweigert werden, wenn der als Konsul Präsentierte eine übel beleumundete Person ist, oder wenn er gegen die Regierung des Staats, in dem er thätig werden soll, eine feindliche Gesinnung an den Tag gelegt hat. Die deutsche Reichsverfassung, welche das deutsche Konsulatswesen zur Reichssache gemacht hat, entzieht den deutschen Einzelstaaten nicht das Recht, den Konsuln fremder Mächte das E. zu erteilen, wenn auch die Zulassung fremder Konsuln zumeist von Reichs wegen erfolgt.

Exequien (lat. Exsequiae), bei den alten Römern die Beerdigungszeremonien; in der katholischen Kirche die Messen (Exequialmessen) für Verstorbene, welche gewöhnlich am 3., 7., 9., 30. oder 40. Tag oder auch an dem Jahrestag des Todes gelesen werden und zwar stets in der Pfarrkirche des Verstorbenen.

Exequieren (lat.), vollziehen, vollstrecken; durch Exekution (s. d.) Schulden eintreiben, auspfänden.

Exercice (franz., spr. -ssihs), Übungsstück, auch Übungsbuch; dann s. v. w. Finanz- oder Etatsjahr; auch die Feststellung der steuerpflichtigen Objekte und der Steuerpflicht.

Exercitia spiritualia (geistliche Exerzitien), eine in der katholischen Asketik gebräuchliche Bezeichnung für besondere Übungen in der Frömmigkeit unter Leitung eines Seelsorgers, gegenwärtig meist zum würdigen Empfang des Sakraments des Altars angestellt. Früh schon fanden dergleichen Übungen besonders in den Klöstern eine sehr beifällige Aufnahme. Viel Aufsehen machten im 16. Jahrh. die für die Jesuiten (s. d.) von Ignaz von Loyola verabfaßten "Exercitia spiritualia", die der Papst ausdrücklich bestätigte; Alexander VII. führte sie 1657 auch bei Geistlichen und Laien ein. Sie bestehen aus Meditationen, geistlichen Lektionen, Gebeten, Gewissenserforschungen etc. Nachdem sie eine Zeitlang mehr in Vergessenheit gekommen waren, wurden sie neuerlich durch Ordensgeistliche wieder eingeführt und fanden namentlich in den Rheingegenden viel Teilnahme. Auch die von Jesuiten und Redemptoristen geleiteten Missionen werden nach diesem System der Exerzitien betrieben. In der protestantischen Kirche bietet wenigstens der Methodismus gewisse Analogien dar.

Exergasie (griech.), "Ausarbeitung", Ausführung; als rhetorische Figur die erweiterte Ausführung eines Begriffs durch Zusammenstellung mit sinnverwandten Begriffen.

Exergue (franz., spr. exärgh), auf Münzen der durch eine Linie abgesonderte untere Abschnitt, auf welchem in der Regel die Jahreszahl angebracht ist.

Exerzieren (lat.), üben, Übungen vornehmen, besonders die Ausbildung der Truppen in Handhabung der Waffe sowie in allen Bewegungen. Der Wert des Exerzierens liegt sowohl in der mechanischen Abrichtung zur gleichzeitigen Ausführung von Griffen (s. d.) zur geordneten Bewegung geschlossener Massen als in der moralischen Einwirkung auf die Truppe, wodurch das E. ein Haupthebel für die Disziplin der Heere wird. Gut gehandhabtes (vulgär: strammes) E. sichert die Herrschaft des Offiziers über seine Leute auch in den ernstesten Lagen und gilt nicht mit Unrecht als Gradmesser für die Kriegstüchtigkeit einer Truppe. Während im Altertum von den Griechen und Römern großes Gewicht auf die Waffenübungen gelegt wurde und namentlich die Übungsarten der letztern (dreimal monatlich stattfindende Übungsmärsche von mindestens fünf Stunden, ihr langsamer und Geschwindschritt) ganz denen der neuern Zeit entsprachen, verschwand im Mittelalter das E. vor den ungeordneten Einzelkämpfen der Ritter und ihres Gefolges und kam erst mit den geordneten Heeren der neuern Zeit wieder zur alten Geltung. Im J. 1473 soll Karl der Kühne von Burgund das E. in seinem Heer eingeführt haben. Das erste Infanterie-Exerzierreglement stammt vom Grafen Moritz von Nassau; über die Handhabung der Pike und Muskete schrieb v. Wallhausen (1545). Unter Wallenstein wie Gustav Adolf wurde in den Lagern stets fleißig exerziert, während nach beider Tode die Zuchtlosigkeit einriß. Nach der im Dreißigjährigen Krieg eingetretenen Verwilderung und spätern Neubildung fast aller Heere waren es die brandenburgischen Truppen, die, durch tüchtiges E. im Frieden geschult, sich bald einen Namen auf dem Schlachtfeld machten. Bei den geworbenen Söldnerheeren des 18. Jahrh. artete die Abrichtung mehrfach in bloßes Eindrillen aus und erstreckte sich auf manche unnütze Kleinigkeiten, sicherte jedoch durch lange, blutige Feldzüge hindurch den festen Zusammenhalt der Heere. Ehe Napoleon seine großen Feldzüge als Kaiser begann, schulte er auch das Heer in seiner neuen Taktik im Lager von Boulogne. Zwei Jahre später war aber die Disziplin der Truppen schon so gelockert, daß die Franzosen (nach Trochu) beim Vormarsch von Jena bis über die Weichsel an 60,000 Nachzügler hatten. Bei dem geringen Nachdruck, den die Franzosen auf gründliches E. legen, machten sie 1859 in Italien eine ähnliche Erfahrung wie 1806; aber erst das Jahr 1866 ließ sie wieder an ernste Thätigkeit nach dieser Richtung hin denken. Diese machte sich auch im ersten Teil des Feldzugs 1870 ebenso bemerklich wie später ihr Fehlen bei den nach der Katastrophe von Sedan neu aufgestellten Heeren. Bei den deutschen Truppen wurde während des Feldzugs jede Pause der Thätigkeit mit Übungen, namentlich auch mit E., zur Ausbildung der Nach-^[folgende Seite]