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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Exogen - Exostose.

amerikanischen Indianern hat jeder Stamm seinen Totem (s. d.), dessen Zugehörigkeit von der Mutter auf den Sohn übergeht, so daß er gehalten ist, aus einem andern Stamm seine Frau zu wählen. In China geht das Gebot der E. so weit, daß niemand eine Frau seines Namens heiraten darf, weil sie derselben Familie angehört. Dagegen kann jedermann aus dem Stamm seines Vaters eine Frau wählen, weil er mit demselben angeblich nicht näher verwandt ist. Man nimmt an, daß diese über die ganze Welt verbreiteten Ansichten, die in sanitärer Beziehung ebenso zweckmäßig sind wie bei uns das Verbot der Ehe zwischen Blutsverwandten, aus einer Zeit stammen, in welcher die sogen. Gemeinschaftsehe (s. d.) herrschte.

Exogen (griech.), Bezeichnung für die Entstehungsweise eines Pflanzengliedes aus Zellen, die an der Oberfläche eines Organs liegen. E. entstehen z. B. alle Blätter und Seitensprosse an dem Vegetationspunkt des Stengels.

Exogenae (griech.), im De Candolleschen Pflanzensystem angewendete Bezeichnung für die Dikotyledonen, weil der Stamm dieser Pflanzen durch Zuwachs an der Außenfläche seines ringförmigen Holzkörpers in die Dicke wächst, im Gegensatz zu den Monokotyledonen, welche De Candolle Endogenae (s. d.) nannte.

Exogenites, s. Holz (fossiles).

Exoleszieren (lat.), veralten; exolet, veraltet.

Exomis (griech.), Art Chiton (s. d.), dessen freie obere Enden über der rechten Schulter nicht zusammengehalten waren, so daß der rechte Arm und die halbe Brust unbedeckt blieben; wurde nur von Sklaven und der arbeitenden Klasse getragen.

Exomologesis (griech.), Bekenntnis, insbesondere Glaubensbekenntnis; auch s. v. w. Beichte.

Exomphalus (griech.), Nabelbruch, -Vorfall.

Exoneratio (lat.), Entlastung, daher Exonerationsbeweis, s. v. w. Entlastungsbeweis, Unschuldbeweis. E. conscientiae oder Probatio pro exoneranda conscientia, im frühern Prozeßverfahren der bei Delation des Schiedseides zulässige sogen. Gewissensvertretungsbeweis (s. Gewissensvertretung).

Exonerieren (lat.), entlasten, entledigen.

Exophthalmus (Exophthalmia, griech., Glotzauge), das Hervorgedrängtwerden des Augapfels durch die Lidspalte nach vorn, so daß diese nur mühsam oder gar nicht mehr geschlossen werden kann. Es kommen sehr verschiedene Grade des Übels vor. Im höchsten Grade tritt der Augapfel ganz aus der knöchernen Augenhöhle hervor und kommt vor die Lidspalte zu liegen. Die äußersten Fälle beruhen auf der Anwesenheit einer Geschwulst oder Eiteransammlung in der Augenhöhle, welche von hinten auf den Augapfel drückt und diesen nach vorn drängt. Ein E. niedern Grades ist Teilerscheinung der Basedowschen Krankheit (s. d.).

Exoptieren (lat.), herbeiwünschen; exoptabel, wünschenswert.

Exorabel (lat.), sich erbitten lassend, erbittlich.

Exorbitánt (lat.), übermäßig, übertrieben; Exorbitanz, Übertriehenheit, Überschreitung des Maßes.

Exordieren (lat.), anfangen, anzetteln.

Exordium (lat.), Eingang einer Rede, Einleitung.

Exoriare aliquis nostris ex ossibus ultor (lat.), ein Rächer wird aus meinem Staub erstehen (Vergil, Aen. IV, 625).

Exorieren (lat.), erbitten, erstehen.

Exornieren (lat.), ausschmücken; Exornation, Ausschmückung.

Exorzisieren (griech.), böse Geister (Teufel) beschwörend austreiben.

Exorzismus (griech.), "Beschwörung", besonders Beschwörung und Austreibung böser Geister, Teufelsbannung. Aus Tertullian und Origenes erhellt, daß in der christlichen Kirche jahrhundertelang die Gabe, Teufel austreiben zu können, zu den Privilegien jedes Christen gerechnet wurde. Ja, es gab hierfür seit Mitte des 3. Jahrh. auch ein eignes Kirchenamt, welches zu den vier ordines minores gerechnet ward und in der Fiktion der katholischen Kirche noch heute besteht. Am bekanntesten wurde der E. bei der Taufe, wo er seinen Ursprung der Voraussetzung verdankt, daß der bisher von den Täuflingen geübte Götzendienst Teufelswerk sei. Zunächst entstand hieraus nur die Renuntiatio oder Abrenuntiatio diaboli, d. h. die Teufelsentsagung oder die feierliche Verzichtleistung des Täuflings auf alles Heidnische; bald aber kam als Ergänzung derselben die Beschwörung des Teufels durch den Taufenden hinzu, welch letztere man mit den Dämonenaustreibungen im Neuen Testament rechtfertigte. Mit dem 4. Jahrh. kam der E. auch bei der Kindertaufe in Gebrauch, indem der Priester oder der ihm assistierende Exorzist den unsaubern Geist erst aus dem Täufling aushauchte (exsufflatio) und ihm alsdann den Heiligen Geist symbolisch einhauchte (insuffiatio), wie dies noch jetzt die Praxis der katholischen Kirche ist. Allgemein wurde er bei dieser indessen erst seit dem 5. Jahrh., als die Lehre von der Erbsünde und der Herrschaft des Teufels über alle Ungetauften die kirchliche Sanktion erhalten hatte. Die dabei gebräuchlichen Formeln waren und sind teilweise noch jetzt: "Fahre aus, du unreiner Geist, und gib Raum dem Heiligen Geist!" oder: "Ich beschwöre dich bei dem Namen des Vaters, des Sohns und des Heiligen Geistes, daß du ausfahrest und weichest von diesem Diener Jesu Christi!" Die schweizerischen Reformatoren verwarfen den E.; die Lutheraner dagegen behielten und verteidigten ihn mit großer Hartnäckigkeit, obwohl Luther ihn nicht geradezu für unerläßlich erklärt hatte und selbst streng orthodoxe Theologen, wie Ägidius Hunnius, Baier, Chemnitz, Gerhard und Hollaz, in ihm lediglich eine nützliche Mahnung an die geistige Herrschaft des Satans und an die heilsame Wirksamkeit der Taufe sahen; im 18. Jahrh. kam er fast ganz außer Gebrauch. Trotzdem brachte ihn gerade die zur Zeit der Union (1822) entstandene Berliner Hof- und Domagende wieder in Erinnerung, indem nach derselben die Taufhandlung mit den Worten: "Der Geist des Unreinen gebe Raum dem Heiligen Geist" und dem Zeichen des Kreuzes an Stirn und Brust des Täuflings beginnen und sich daran die Frage schließen soll: "Entsagst du dem Bösen in seinem Werk u. Wesen?"

Exorzist, Teufelsbeschwörer, Teufelsbanner.

Exosmose, s. Endosmose.

Exospor (Exosporium), die Außenhaut der Sporenzelle bei den Kryptogamen.

Exostemma Humb. et Bonpl., Gattung aus der Familie der Rubiaceen, der Gattung Cinchona nahestehend, meistens westindische oder südamerikanische Bäume und Sträucher, von denen mehrere falsche oder unechte Chinarinden liefern. Am meisten in Europa bekannt geworden ist die Rinde von E. floribundum Willd. (Cinchona floribunda Sw.), einem zuweilen bis 25 m hohen, schönen Baum auf waldigen Bergen der Antillen und Karibischen Inseln, als Bergchina, Pitonchina, Lucienrinde, China von Santa Lucia. Sie kommt in Röhren und flachen Stücken vor, schmeckt anfangs kaum merklich gewürzhaft, dann zusammenziehend, zuletzt äußerst unangenehm und sehr bitter und ist geruchlos.

Exostose (griech.), s. Knochenauswuchs.