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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Faex; Favus; Fawcett; Fawkes; Faxekalk; Faxettuba; Fay

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Favus - Fay.

Frankreich und bildete sich hier als Eisenbahningenieur aus. Durch die Lösung eines schwierigen praktischen Problems legte er in Lyon den Grundstein für seine weitere Laufbahn, und bald beteiligte er sich als selbständiger Unternehmer an den großen Eisenbahnbauten der damaligen Zeit. Hierbei sammelte er wichtige Erfahrungen und erreichte durch sein eminentes praktisches Geschick, sein Organisationstalent und seine Energie hervorragende Erfolge. 1872 siegte er bei der Konkurrenz um die Erbauung des Gotthardbahntunnels und übernahm die Verpflichtung, den Tunnel in acht Jahren zu vollenden. Der Gotthardbahngesellschaft leistete er eine Kaution von 10 Mill. Frank, welche er mit Hilfe eines Konsortiums von Genfer Fachmännern aufbrachte, und begann dann in Göschenen und Airolo die nötigen Vorarbeiten. Anfangs blieb er hinter seinem Arbeitsprogramm zurück; aber seit 1876 wurden erhebliche Überschüsse erzielt und damit auch die finanziellen Schwierigkeiten beseitigt, welche dem Unternehmen und speziell der Vollendung desselben durch F. verhängnisvoll zu werden drohten. Er überwand glücklich zahlreiche Widerstände aller Art, und schon erwartete er zu Ende 1879 die Vollendung des Werkes, als er 19. Juli d. J. im Tunnel selbst starb.

Favus (Tinea favosa, Erbgrind, Rasiergrind, Wabenkopfgrind), ansteckende Hautkrankheit, welche Tiere und Menschen befällt und bei letztern ihren Hauptsitz auf der Kopfhaut hat. Schönlein hat nachgewiesen, daß die Entstehung und Ausbreitung des Erbgrindes auf dem Wachstum eines Fadenpilzes beruht, welcher sich in den Haarbälgen ansiedelt und die Entzündung derselben unterhält. Der Pilz ist später rein dargestellt worden und erweist sich nach Form und Fruchtbildung als ein Stammesgenosse des Milchschimmels (Achorion Schoenleini); ja, Impfungen mit letzterm brachten dieselben Krankheitserscheinungen hervor, welche auch bei der Übertragung des Favuspilzes entstehen, d. h. herpesähnliche Bläschen, welche aber auf gut gepflegter Haut bald vertrocknen. Beim Ausbruch des Erbgrindes entstehen auf der Kopfhaut gelbe, flache Klümpchen, welche mit sogen. Krebssteinen Ähnlichkeit haben, die anfangs feucht sind, später aber zu einer mehlartigen Masse zerbröckeln, welche Haarreste, Eiterkörperchen, Epidermiszellen und massenhafte Pilzelemente enthält. Der F. ist äußerst hartnäckig, zumal bei mangelhafter Pflege des Kopfes, und führt gewöhnlich zum Haarschwund. Bei sorgsamer Hautpflege ist er überaus selten, so daß das eigentliche Mutterland für diese Schmutzkrankheit das Proletariat in Polen und Galizien ist, wohin die Kultur sie im Lauf der Zeit zurückgedrängt hat. Die Behandlung besteht im fleißigen Erweichen der Borken mit reinem Öl, möglichst sorgfältigem und lange fortzusetzendem Ausziehen der erkrankten Haarschäfte (Epilation) mit einer Pinzette und in Waschungen mit Sublimatlösungen (0,5:1000) oder verdünntem Spiritus.

Fawcett (spr. fahsset), 1) Henry, engl. Volkswirt und Politiker, geb. 1833 zu Salisbury, ward im Trinity College zu Cambridge gebildet, machte sich frühzeitig durch sein mathematisches Wissen bemerkbar, das ihm 1856 die Ehre der Mitgliedschaft seines Kollegs eintrug. Im September 1858 ward er durch einen Unfall auf der Jagd gänzlich seines Gesichts beraubt. Nachdem er sich durch seine wissenschaftlichen Arbeiten einen geachteten Namen erworben hatte, wurde er 1863 zum Professor der Volkswirtschaft an der Universität Cambridge gewählt. Seit 1865 Mitglied des Parlaments, bekämpfte er wiederholt und besonders in der orientalischen Frage die Politik des konservativen Ministeriums und wurde 1879 im Ministerium Gladstone zum Generalpostmeister ernannt, als welcher er mehrere wichtige Verbesserungen im englischen Postwesen durchgeführt hat. Er starb 6. Nov. 1884 in Cambridge. Außer zahlreichen Abhandlungen in Zeitschriften schrieb er: "Manual of political economy" (1863, 6. Aufl. 1883); "The economic position of the British labourer" (1865); "Pauperism, its causes and remedies" (1871); "Speeches on some current political questions" (1873); "Free trade, protection and reciprocity" (6. Aufl. 1885; deutsch, Leipz. 1878); "Indian finance" (1880); "State socialism and the nationalisation of the land" (1883). - Seine Gattin Millicent, geborne Garret, hat sich gleichfalls als sozialwissenschaftliche Schriftstellerin, namentlich in Bezug auf die Frauenfrage ("Essays and lectures", 1872; "Political economy for beginners", 5. Aufl. 1885), hervorgethan. Vgl. Stephen, Life of Henry F. (Lond. 1885).

2) Edgar, amerikan. Dichter, geb. 26. Mai 1847 zu New York, studierte am Columbia College daselbst, widmete sich dann der litterarischen Thätigkeit und erzielte namentlich mit seinen Novellen: "Purple and fine linen" (1875) und "Ellen Story" (1876), in denen er die Hohlheit der amerikanischen Gesellschaft geißelte, großen Erfolg. Außerdem veröffentlichte er ein Schauspiel: "The false friend", eine Sammlung von Kinderliedern: "Short poems for short people" (1871), einen Band gedankenreicher Gedichte: "Fantasy and passion" (1878), u. a.

Fawkes (spr. fahks), Guy, das Haupt der sogen. Pulververschwörung in England, geb. 1570 zu York als Sohn eines protestantischen Notars, vergeudete sein väterliches Vermögen, trat zum Katholizismus über und diente unter den spanischen Truppen in den Niederlanden. Nach seiner Rückkehr nach England ließ er sich mit andern Fanatikern in eine Verschwörung gegen die protestantische Regierung ein und übernahm es, die Pulvermine anzuzünden, durch welche bei Eröffnung des Parlaments, 5. Nov. 1605, dasselbe samt dem König Jakob I. und seinen Ministern in die Luft gesprengt werden sollte. Auf die Denunziation eines Mitwissenden wurde F. mit der brennenden Lunte in der Hand verhaftet. Obwohl gefoltert, verriet er seine Genossen nicht und ward 27. Jan. 1606 hingerichtet. Zur Erinnerung daran wird in den meisten englischen Städten, besonders in London, jeden 5. Nov. ein als Offizier angeputzter Strohmann unter dem Ruf "No popery" durch die Straßen getragen und sodann den Flammen übergeben. Durch die Papal aggression 1850 erhielt dieses Volksfest wieder eine politisch-religiöse Bedeutung, indem man statt des Guy F. den Kardinal Wiseman verbrannte. Wegen des grotesken Anputzes nennt man in England einen phantastisch aufgeputzten Menschen einen Guy F.

Faex (lat.), Bodensatz, Hefe; besonders gebräuchlich in der Mehrzahl: Faeces (s. d.).

Faxekalk, s. Kreideformation.

Faxettuba (lat.), "Fackel und Trompete", sprichwörtlich s. v. w. Hauptperson, Rädelsführer.

Fay, Joseph, Maler, geb. 10. Aug. 1813 zu Köln, bildete sich auf der Düsseldorfer Akademie und in Paris zum Historienmaler und trat 1840 mit einem Gemälde: Simson und Delila, auf. Darauf erwarb er sich besonders durch seine Freskomalereien im Rathaussaal zu Elberfeld, die Urgeschichte der Deutschen bis zur Hermannsschlacht darstellend, einen ehrenvollen Ruf. Komposition und Malerei zeugen von ebenso