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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fer à cheval; Fer aut feri!; Ferabad; Feracität; Feradje; Feralien; Ferda; Ferdinand

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Ferabad - Ferdinand (deutsche Kaiser).

Ferabad (Ferahabad), Stadt in der pers. Provinz Masenderan, am Kaspischen Meer, mit 1000 Einw. und den gewaltigen Ruinen eines Lieblingsschlosses des Schahs Abbas, der hier 1628 starb.

Fer à cheval (franz., spr. fähr a schwall), Hufeisen; en f., hufeisenförmig.

Feracität (lat.), Fruchtbarkeit.

Feradje, Kleid, s. Feredsche.

Feralien (Parentalien), das jährliche Totenfest bei den Römern, welches 21. Febr. gefeiert zu werden pflegte. Zunächst hatten Kinder, Anverwandte und Erben die Pflicht, an diesem Tag die Schatten der Verstorbenen zu versöhnen; Ärmere legten wenigstens Blumen und Früchte oder mit Salz vermischtes Opferschrot auf das Grab. Die Tempel blieben verschlossen, und auf keinem Altar wurde ein Feuer angezündet. Nach Ovid hatte Äneas das Fest seinem Vater zu Ehren gestiftet. An die F., als das Fest der Versöhnung mit den Toten, schlossen sich, als Fest der Versöhnung der Lebenden, am nächsten Tag die Karistien (Caristia) an.

Fer aut feri! (lat.), ertrage oder schlage! oder, wie Goethe es in seinem "Kophtischen Lied" ausdrückt: "Du mußt... Amboß oder Hammer sein!"

Ferda (arab.), das äußere Umhüllungstuch der Mohammedaner.

Ferdinand (span. Fernando, Hernando, althochd. Herinand, der "Heerkühne"), Name zahlreicher Fürsten und fürstlicher Personen.

Übersicht nach den Ländern

Deutsche Kaiser 1-3.

Anhalt 4.

Aragonien, s. Spanien 28, 29.

Bayern 5.

Braunschweig 6, 7.

Hessen 8.

Kastilien, s. Spanien 24, 26, 27.

Köln 9.

Neapel und Sizilien 10-14.

Österreich 15-18.

Portugal 19-21.

Preußen 22.

Sachsen-Koburg 23.

Sizilien, s. Neapel und Sizilien 13, 14.

Spanien 24-32.

Toscana 33-36.

Württemberg 37.

[Deutsche Kaiser.] 1) F. I., Sohn Philipps des Schönen von Österreich und Johannas, der Tochter Ferdinands des Katholischen, jüngerer Bruder Kaiser Karls V., geb. 10. März 1503 zu Alcala de Henares in Neukastilien, ward nach dem Tod seines Vaters (1506) in Spanien erzogen. Sein mütterlicher Großvater, Ferdinand der Katholische von Spanien, hatte die Absicht gehabt, ihm die Nachfolge in Spanien zu verschaffen, überhaupt die große spanisch-habsburgische Erbschaft zwischen den Brüdern Karl und F. zu teilen. Der Ehrgeiz Karls durchkreuzte aber diesen Plan. Als dieser 1517 nach Spanien kam, schickte er F. in die Niederlande. Dort und in Deutschland verbrachte derselbe die nächsten Jahre. Er erhielt im Teilungsvertrag zu Worms 21. April 1521 die österreichischen Lande (das Erzherzogtum Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain und Tirol) und im Auftrag seines Bruders Karl die Leitung der deutschen Angelegenheiten während dessen Abwesenheit. 1521 vermählte er sich mit Anna, der Tochter des Königs Wladislaw von Ungarn und Böhmen, und erlangte nach dem Tod seines Schwagers, des Königs Ludwig II., in der Schlacht bei Mohács 1526 durch Wahl der Stände die Krone dieser Länder nebst Mähren, Schlesien und der Lausitz. In Ungarn erhob sich gegen ihn Johann Zápolya als Gegenkönig, und dessen Verbündeter, Sultan Soliman, bedrängte 1529 Wien, wurde aber zum Rückzug genötigt. Im Vertrag zu Großwardein 1538 erhielt hierauf Johann Zápolya den Titel eines Königs von Ungarn nebst einem Teil von Ungarn auf Lebenszeit. Nach seinem Tod 1540 erhob seine Witwe Isabella, unterstützt von der Pforte, für ihren unmündigen Sohn Johann Siegmund Ansprüche auf das ganze väterliche Erbe, und F. konnte bis zum Friedensschluß mit den Türken 1562 nicht zum ungestörten Besitz Ungarns gelangen. In Böhmen erhoben sich gegen F. die zahlreichen Anhänger der Reformation; doch wurden diese nach der Schlacht bei Mühlberg (1547) unterdrückt, worauf F. blutige Rache nahm. 1530 wurde er mit dem Herzogtum Württemberg belehnt, das der Schwäbische Bund 1519 dem Herzog Ulrich entrissen und an Österreich verkauft hatte. Als dann 1534 Ulrich sein Land wiedereroberte, kam zwischen ihm und F. der Vertrag von Kadan zu stande, wonach F. Württemberg als Reichslehen behielt, Ulrich es als österreichisches, also als Afterlehen, erhielt. Die Teilnahme Ulrichs am Schmalkaldischen Kriege gab F. Gelegenheit, dieses Afterlehen wieder zurückzuziehen. Der darüber entstehende Streit wurde erst 1552 unter Herzog Christoph zu dessen gunsten beigelegt. F. hatte 5. Jan. 1531 zu Aachen die deutsche Königskrone erhalten und leitete seitdem als Stellvertreter seines Bruders die meisten Reichstage. Er schloß 1552 den Passauer Vertrag und 1555 den Augsburger Religionsfrieden ab. Nach Karls V. Abdankung 1558 wurde er römischer Kaiser. Obwohl Papst Paul IV. dagegen protestierte, behauptete er seine Krone. F. war persönlich ein eifriger Katholik, jedoch hatte er früh schon die Unmöglichkeit erkannt, den Protestantismus zu unterdrücken, und aus politischen Rücksichten sich für eine faktische Duldung der Protestanten erklärt. Als Stellvertreter Karls V. wie als Kaiser verfolgte er daher eine Politik der Kompromisse, Ausgleiche und gegenseitiger Duldung. Auch auf eine Einschränkung des päpstlichen Absolutismus und auf einige Reformen in der katholischen Kirche richtete sich sein Bemühen. Nachdem er 1562 die Wahl seines Sohns Maximilian II. zum römischen König zu stande gebracht und seine Länder unter seine drei Söhne geteilt, starb er 25. Juli 1564. Seine Gemahlin (gest. 1547) gebar ihm 15 Kinder, von denen 3 Söhne und 9 Töchter den Vater überlebten. Vgl. Bucholtz, Geschichte der Regierung Ferdinands I. (Wien 1831-1838, 9 Bde.); Oberleitner, Österreichs Finanzen und Heerwesen unter F. I. (das. 1859).

2) F. II., Enkel des vorigen, Sohn des Erzherzogs Karl von Kärnten und Steiermark und Marias von Bayern, war 9. Juli 1578 zu Graz geboren. Nach dem Tod seines Vaters (1590) übergab seine streng katholische Mutter die Erziehung des Knaben den Jesuiten in Ingolstadt, die ihm einen unversöhnlichen Haß gegen den Protestantismus einflößten, so daß er zu Loreto vor dem Altar der Mutter Gottes freiwillig das feierliche Gelübde ablegte, den Katholizismus um jeden Preis wieder zur allein herrschenden Religion in seinen Staaten zu machen. Nachdem er in seinen Erblanden, Steiermark, Kärnten und Krain, den Protestantismus ausgerottet hatte, versuchte er Gleiches auch in Österreich und Böhmen, da er noch bei Lebzeiten des kinderlosen Kaisers Matthias 1617 zum König von Böhmen und 1618 von Ungarn ernannt worden war, und veranlaßte hierdurch den Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs. Nach Matthias' Tod (20. März 1619) wurde F. 26. Aug. 1619 zu Frankfurt zum Kaiser gewählt. Inzwischen hatten ihn die Böhmen als Feind der Gewissensfreiheit seiner Königskrone für verlustig erklärt und dieselbe 27. Aug. 1619 dem reformierten Kurfürsten von der Pfalz, Friedrich V., übertragen, welcher aber in der Schlacht am Weißen Berg 8. Nov. 1620 gegen den mit