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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Feuerbach

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Feuerbach.

2) Anselm, Archäolog, ältester Sohn des vorigen, geb. 9. Sept. 1798, gest. 8. Sept. 1851 als Professor der Philologie in Freiburg, hat sich besonders durch das Werk "Der vatikanische Apollo" (Nürnb. 1833; 2. Aufl., Stuttg. 1855) einen geachteten Namen erworben. Seine "Nachgelassenen Schriften" (Braunschw. 1853, 4 Bde.) enthalten im 1. Band: "Leben, Briefe und Gedichte" (hrsg. von Henriette F.), im 2.-4. Band: "Geschichte der griechischen Plastik" und "Kunstgeschichtliche Abhandlungen" (hrsg. von Hettner).

3) Karl Wilhelm, Mathematiker, Bruder des vorigen, geb. 30. Mai 1800 zu Jena, gest. 12. März 1834 als Professor der Mathematik am Gymnasium in Erlangen. Er schrieb: "Eigenschaften einiger merkwürdigen Punkte des geradlinigen Dreiecks" (Nürnb. 1822) und "Grundriß zu analytischen Untersuchungen der dreieckigen Pyramide" (das. 1827).

4) Eduard August, Rechtsgelehrter, Bruder des vorigen, geb. 1. Jan. 1803, gest. 25. April 1843 als ordentlicher Professor der Rechte an der Universität in Erlangen, erwarb sich auf dem Gebiet des germanischen Rechts einen Namen durch seine Schrift "Die Lex salica und ihre verschiedenen Rezensionen" (Erlang. 1831).

5) Ludwig Andreas, berühmter Philosoph, Bruder des vorigen, geb. 28. Juli 1804 zu Landshut, studierte in Heidelberg Theologie, ward durch Daubs Vorlesungen für die Philosophie Hegels gewonnen, ging, um letztern zu hören, 1824 nach Berlin, habilitierte sich 1828 zu Erlangen als Privatdozent der Philosophie, machte jedoch als Dozent wenig Glück und wurde als Hegelianer angefeindet. Seine anonym erschienene Schrift "Gedanken über Tod und Unsterblichkeit" (Nürnb. 1830; 3. Aufl., Leipz. 1876), in welcher er eine Religion, die sich ein Jenseits als Ziel setze, für einen Rückschritt erklärte, wurde konfisziert, sein Gesuch um eine außerordentliche Professur wiederholt (zuletzt 1836) abgeschlagen, worauf er die akademische Laufbahn verließ, um sich nach Ansbach und (seit 1836) auf das drei Stunden von diesem entfernte Schloß Bruckberg in litterarische Einsamkeit zurückzuziehen. Hier, wo er 1837 mit seiner treuen Lebensgefährtin Bertha Loew eine glückliche Ehe schloß, sind in ländlicher Muße bis zum Jahr 1860, wo ihn Familienverhältnisse zur Übersiedelung auf den bei Nürnberg gelegenen Rechenberg bewogen, fast alle seine Hauptwerke entstanden. Nachdem er bereits unter dem unpassenden Titel: "Abälard und Heloise" (Ansb. 1833; 3. Aufl., Leipz. 1877) in humoristisch-philosophischen Aphorismen eine Parallele zwischen der realen und idealen Seite des Lebens veröffentlicht hatte, begann er mit seiner "Darstellung der Geschichte der neuern Philosophie" (Ansb. 1833-1837, 2 Bde.), die sich, wie seine "Kritiken auf dem Gebiet der Philosophie" (das. 1835), durch klassische Schärfe der Charakteristik auszeichnete, den Kampf der Vernunft gegen die Theologie, des Wissens gegen den Glauben, den er im dritten Band: "Pierre Bayle nach seinen für die Geschichte der Philosophie und der Menschheit interessantesten Momenten" (das. 1838) in pikanter Weise fortsetzte, und wobei dieser selbst wie die vorgenannten Denker seinen persönlichen Ansichten zur Folie dienten. Seit 1837 trat er in Verbindung mit Ruge und den "Halleschen Jahrbüchern", später "Deutschen Jahrbüchern", in welchen sich sein Bruch nicht nur mit der Theologie, sondern auch mit der Hegelschen Philosophie vollzog. Zwar nahm er diese noch in der Schrift "Über Philosophie und Christentum" (Ansb. 1839) gegen die "fanatischen Verketzerer aller Vernunftthätigkeit" in Schutz; aber noch in demselben Jahr sagte er sich durch die Schrift "Zur Kritik der Hegelschen Philosophie" von der dialektischen Methode und deren Meister los, dessen Philosophie er in Naturalismus umbildete. F. erklärte in dieser Schrift alle Spekulation, die über die Natur und den Menschen hinaus will, mit dürren Worten für "Eitelkeit", den absoluten Geist für eine "Schöpfung des subjektiven Menschengeistes"; in der Rückkehr zur Natur fand er die einzige "Quelle des Heils". Wie auf den Bruch mit der Theologie (besonders in der in den "Jahrbüchern" erschienenen Kritik des "positiven" Sengler) jener mit Hegel, so folgte auf diesen in Feuerbachs Hauptwerk: "Das Wesen des Christentums" (Leipz. 1841, 4. Aufl. 1883), der Zerfall mit der ganzen christlichen Philosophie. Der Satz, den auch Schleiermacher gelegentlich aufstellt, daß der angeblich nach Gottes Ebenbild geschaffene Mensch vielmehr umgekehrt das Göttliche nach seinem eignen Ebenbild schaffe, wird hier zum Ausgangspunkt der Naturgeschichte des Christentums. F. erklärt die Religion für einen Traum des Menschengeistes, Gott, Himmel, Seligkeit für durch die Macht der Phantasie realisierte Herzenswünsche; was der Mensch Gott nenne, sei das Wesen des Menschen selbst; homo homini deus! Im Unterschied von den beiden gleichzeitigen Kritikern des christlichen Dogmas, D. Strauß und B. Bauer, war es F. weder, wie Strauß, darum zu thun, den wissenschaftlichen Wert desselben zu bestimmen, noch, wie B. Bauer, Angriffe auf die Konstitution und die Urkunden des Christentums zu machen; sein Ziel war die Beantwortung der Frage: welchen Sinn, welche Bedeutung, welchen Zweck und Ursprung im Geiste des Menschen hat die Religion überhaupt und die christliche insbesondere? Zur Ergänzung derselben ließ er dem "Wesen des Christentums" die Schrift "Das Wesen der Religion" (Leipz. 1845), mehrere Aufsätze in den "Deutschen Jahrbüchern", in Wigands "Vierteljahrsschrift", das Schriftchen "Das Wesen des Glaubens im Sinn Luthers" (Leipz. 1844, 2. Aufl. 1855), die "Grundsätze der Philosophie der Zukunft" (das. 1843) und die "Vorlesungen über das Wesen der Religion" (zuerst im Druck erschienen 1851) folgen, welche sämtlich "die Aufgabe der neuern Zeit, die Verwandlung und Auflösung der Theologie in die Anthropologie" zu fördern bestimmt waren. Letztere wurden ursprünglich 1848 zu Heidelberg infolge einer an F. von seiten der dortigen Studentenschaft ergangenen Einladung gehalten und bezeichneten, wie das "tolle Jahr" selbst, einen Wendepunkt in Feuerbachs Leben. Eine durchaus beschauliche Natur, fand er die handelnden Personen der Zeit "unter seinem Maß" und zog sich unter dem Eindruck der praktisch gewordenen Revolution ebenso wie unter jenem der brutalen Reaktion in sein philosophisches Asyl zurück. Während die Zeit unter den Nachwehen der mißlungenen Umwälzung sich von dem spekulativ-theologischen Gebiet ab- und dem naturwissenschaftlich-materialistischen zuwandte, vollendete F. sein letztes religionsphilosophisches Werk und schuf gleichzeitig seinen anthropologischen Naturalismus zum offenen Materialismus um. Jenes, unter dem Titel: "Theogonie oder von dem Ursprung der Götter nach den Quellen des klassischen, hebräischen und christlichen Altertums" (Leipz. 1857, 2. Aufl. 1866), welches den Grundgedanken der Vorlesungen über das Wesen der Religion, daß die Götter "personifizierte Wünsche" seien, in erweiterter Form wiederholt, erregte nicht entfernt mehr das Aufsehen seiner litterarischen Vorläufer. Dieser hat in einer berühmt gewordenen Rezension von Moleschotts "Lehre