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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Feuerlanze; Feuerlinie; Feuerlöschdosen; Feuerlöschung; Feuerluftmaschinen

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Feuerlanze - Feuerluftmaschinen.

äußerst häufig Regen, Schnee und Hagel. Nur selten durchbricht die Sonne die dichten Wolkenmassen. Die mittlere Temperatur beträgt an der Magelhaensstraße etwa 5-6° C.; Pertuiset fand von Dezember 1873 bis Januar 1874, also in den wärmsten Monaten, um die Mittagszeit eine mittlere Wärme von 16-20° C. In der ärmlichen Tierwelt findet man von Säugetieren nur eine Fledermausart, drei Mäusearten, zwei Fuchsarten, den Seeotter, das Guanako; von Vögeln Finken, Drosseln, Stare, Falken, schwarzhalsige Schwäne, Zaunkönige sowie auch eine Kolibriart. Reptilien fehlen ganz, und auch Insekten sind nicht zahlreich vorhanden.

Die Eingebornen, Feuerländer (Fuegier) oder Peschäräh genannt, gehören zur amerikanischen Rasse und stehen auf der untersten Stufe der Kultur. Ihre Zahl schätzt Bove auf 8000, nämlich 2000 am Atlantischen Ozean, 3000 an den Südküsten und 3000 im Nordwesten. Sie sind 1,5-1,6 m groß, von gelblicher oder rötlicher Farbe (s. Tafel "Amerikanische Völker", Fig. 33) und zerfallen sprachlich in drei Stämme: Kamenete, Kenneka und Karaika. Ihre nächsten ethnographischen Verwandten sind die Araukanier. Die Männer vertilgen sorgsam sämtliche Barthaare, die Frauen zeichnen sich unvorteilhaft durch sehr plumpe Figur aus. Die Kleidung besteht aus umgehängten Häuten; ihre heuschoberähnlichen Hütten decken sie mit Seehundsfellen oder bauen sie nur aus Zweigen auf; zum Teil leben sie auch ganz im Freien. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Schaltieren und Fischen, ergänzt durch Seehunde, die aber in den letzten Jahren durch amerikanische Robbenfänger fast ganz ausgerottet sind, Ottern, angetriebene Walfischleichen, Beeren, Schwämme u. a. Ihre Waffen bestehen aus Pfeil und Bogen, Speer, Schleuder und Keule, aus Holz, Walfischknochen oder Stein gearbeitet. In großen Kähnen (aus Baumstämmen oder Rinde), die 6-8 Mann fassen, und in denen beständig Feuer unterhalten wird, wagen sie sich bis zu entferntern Klippen, um Seehunde zu jagen. Zur Erzeugung von Feuer bedienen sie sich des Eisenkieses und des Zunders. Bei der Vermehrung ihrer Jagdhunde befolgen sie, nach Darwin, die Regeln der Rassenzüchtung. Die Toten werden beerdigt oder verbrannt, die Trauernden schwärzen das Gesicht. Dagegen ist Weiß, in Flecken und Streifen aufgetragen, die Farbe der Rache für Mord, Rot das Emblem der Freundschaft und Freude. Ohne Häuptlinge in völliger Gleichstellung lebend, wandern sie beständig umher. Sie glauben weder an ein gutes noch an ein böses höheres Wesen, aber an Geister, welche in den Höhlen in den Wäldern leben und sehr gefürchtet sind, und veranstalten in besondern Gebäuden dramatische Vorstellungen, wobei diese Geister die Handelnden sind, und von welchen die Frauen ausgeschlossen bleiben. Die alten Männer haben als Zauberer große Macht. Die Sprache der Peschäräh, welche in mehrere Dialekte zerfällt, die von den seit 15 Jahren unter ihnen wirkenden Missionären zum Teil in ein System gebracht worden sind, ist rauh, besitzt aber einen regelmäßigen Bau. Einige Teile des Neuen Testaments sind bereits in derselben erschienen. Auf der Insel Hoste besteht seit längerer Zeit die englische Missionsanstalt Uschuaja, auf welcher sich schon einige Feuerländer mit Rindviehzucht beschäftigen und Kartoffeln, Rüben u. a. bauen. Dort bestand auch an der Orangebai vom 5. Sept. 1882 bis 1. Sept. 1883 eine französische Polarstation. Vgl. Platzmann, Glossar der feuerländischen Sprache (Leipz. 1882); Lucy-Fossarieu, Ethnographie de l'Amérique antarctique (Par. 1884); "Globus", Bd. 47 (1885) und Bd. 49 (1886).

Feuerlanze, ein großer Brandpfeil (s. d.).

Feuerlinie, taktisch die dem Feind zunächst stehende, im Feuergefecht befindliche Linie zerstreut fechtender Schützen oder geschlossener Abteilungen. Vor jedem Bajonettangriff nimmt man zur Verstärkung des Feuers alle Soutiens in die F. Bei Befestigungen ist F. gleichbedeutend mit innerer Krete oder Kammlinie. Die Länge der F. dient als Maßstab für die an ihr aufzustellende Anzahl Schützen.

Feuerlöschdosen, s. Feuerschutz.

Feuerlöschung, s. Feuerschutz.

Feuerluftmaschinen, Motoren, welche direkt die expandierenden Gase verbrennender fester Brennmaterialien zur Arbeitsverrichtung heranziehen. Sie werden auch als offene kalorische Maschinen mit geschlossener Feuerung bezeichnet. Ihre Hauptbestandteile sind ein gegen die äußere Luft hermetisch verschlossener Ofen, ein Arbeitscylinder und eine Luftkompressionspumpe. Die in dem erstern mit Hilfe der durch die Kompressionspumpe zugeführten Luft entstehenden Verbrennungsgase expandieren durch geeignete Züge und Ventile in den Arbeitscylinder hinein, treiben dessen Kolben vorwärts und gehen nach verrichteter Arbeit durch andre Züge und Ventile in den Schornstein. Von dem Kolben wird dann die Arbeit durch Kolben- und Bleuelstangen auf eine Schwungradwelle übertragen. Die Anordnung der Hauptteile ist bei den einzelnen Systemen ganz verschieden. Die Hauptschwierigkeit liegt bei diesen Maschinen in der Zuführung des Brennmaterials (Koks) in den geschlossenen Ofen. Während die ältern Systeme (von Royer, Toillon, Holldorff und Brückner etc.) sich damit begnügen, das Brennmaterial durch eine einfache luftdichte Thür stündlich dem Ofen zuzuführen, wobei jedesmal der Gang der Maschine unterbrochen werden muß, gehen die neuern Erfindungen darauf hinaus, durch Anwendung von Doppelverschlüssen diese den Betrieb störenden Unterbrechungen zu vermeiden. In letzter Zeit haben besonders die F. von Hock und von Brown einen Ruf bekommen, welche, ohne sich im Prinzip von den ältern F. zu unterscheiden, doch in der Konstruktion wesentlich vereinfacht und namentlich in Bezug auf die Nachfeuerung verbessert sind. Die drei Hauptteile, Ofen, Cylinder und Pumpe, sind bei Hock übereinander, bei Brown nebeneinander angeordnet. Die Textfigur S. 208 zeigt einen Vertikalschnitt durch die mit dem Namen Sparmotor bezeichnete Hocksche Feuerluftmaschine. Unter dem im Ofen a befindlichen kreisrunden Rost ist konzentrisch ein Fülltrichter b zum Aufschütten der Koks angebracht, dessen Hals durch ein Ventil c mit Hilfe einer Schraube verschlossen werden kann. Von außen ist der Trichter durch eine Klappe d hermetisch verschließbar, so daß die bei geschlossenem Ventil c eingetragene Koksmenge nach Schluß der Klappe d durch das geöffnete Ventil in den Ofenraum gelangen kann, ohne daß letzterer momentan mit der äußern Luft kommuniziert. Die zur Verbrennung der Koks nötige Luftmenge wird durch die Luftpumpe e dem Ofen durch ein bei f angeschlossenes (in der Figur fortgelassenes) Rohr zugeführt und zwar vermittelst eines von Hand verstellbaren Registers je nach Bedarf zum größern Teil über oder unter dem Roste. Die Verbrennungsgase gehen durch das Einlaßventil g in den Cylinder h, treiben den Arbeitskolben i in die Höhe und entweichen dann nach Schluß des Einlaßventils durch das Auslaßventil während des Kolbenniedergangs in den Schorn-^[folgende Seite]