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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fick; Ficker

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Fick - Ficker.

simo (1440) gestifteten Akademie, die bald nachher wieder einging, Platonische Philosophie, erhielt 1476 die geistlichen Weihen und das Rektorat zweier Kirchen in Florenz, später auch ein Kanonikat an der dortigen Kathedrale und starb 1. Okt. 1499 in Carreggi bei Florenz. Als Bekämpfer der Aristotelischen und Freund der Platonischen (allerdings noch mehr der neuplatonischen) Philosophie ist er besonders durch seine Übersetzungen des Platon und der Neuplatoniker Plotin, Iamblichos und Proklos ins Lateinische sowie durch seine "Theologia Platonica seu de immortalitate animorum ac aeterna felicitate libri XVIII" (Flor. 1482 u. Par. 1578) bekannt, in welcher er den Platonismus für das Christentum zu benutzen und die Unsterblichkeit der Seele zu beweisen suchte. Übrigens leitete er im Sinn der alexandrinischen Spätplatoniker die Ideenlehre Platons vom Hermes Trismegist ab und zeigte sich schwärmerischer Auffassung nicht abgeneigt. Die beste Ausgabe seiner Werke erschien zu Basel 1561, 2 Bde. Über F. als Arzt und dessen astrologisch-diätetisches Werk (das auf Paracelsus und Agrippa von Nettesheim nicht ohne Einfluß blieb) vgl. Weitenweber, Über des M. F. Werk "De vita studiosorum" (Prag 1855).

Fick, 1) Adolf, Mediziner, geb. 3. Sept. 1829 zu Kassel, studierte in Marburg und Berlin, wurde 1851 Prosektor in Marburg, 1852 Prosektor und Dozent für anatomische und physiologische Fächer in Zürich, erhielt daselbst 1862 die Professur der Physiologie und ging 1868 als Professor der Physiologie nach Würzburg. Er schrieb: "Lehrbuch der medizinischen Physik" (3. Aufl., Braunschw. 1885); "Lehrbuch der Anatomie und Physiologie der Sinne" (Lahr 1862); "Kompendium der Physiologie" (3. Aufl., Wien 1882); "Die Naturkräfte in ihrer Wechselbeziehung" (Würzb. 1869); "Mechanische Arbeit und Wärmeentwickelung bei der Muskelthätigkeit" (Leipz. 1882); "Ursache und Wirkung" (Kassel 1882); "Das Größengebiet der vier Rechnungsarten" (Leipz. 1880); "Philosophischer Versuch über die Wahrscheinlichkeiten" (Würzb. 1883); "Myothermische Fragen und Versuche" (das. 1885). Auch bearbeitete er für Hermanns "Handbuch der Physiologie" die spezielle Bewegungslehre, die Dioptrik des Auges und die Lehre von den Lichtempfindungen (Leipz. 1879) und gab heraus: "Arbeiten aus dem physiologischen Laboratorium der Würzburger Hochschule" (Würzb. 1872-77).

2) August, namhafter Sprachforscher, geb. 5. Mai 1833 zu Petershagen bei Minden, studierte 1852-56 in Göttingen hauptsächlich unter Benfey Philologie, wirkte seit 1858 als Lehrer am dortigen Gymnasium und wurde 1876 zum außerordentlichen Professor der Sprachvergleichung an der Göttinger Universität ernannt. Seine Hauptleistung ist das "Wörterbuch der indogermanischen Grundsprache" (Gött. 1868), das in 2. Auflage als "Vergleichendes Wörterbuch der indogerman. Sprachen" (das. 1870, 3. Aufl. 1874-76, 4 Bde.) erschien. Das Werk ist auch für die Kulturgeschichte von großem Interesse als eine vollständige Zusammenstellung des den sämtlichen indogermanischen Sprachen gemeinsamen und daher schon der indogermanischen Vorzeit angehörigen Wortschatzes, aus dem sich vielfache Rückschlüsse auf die Kultur dieser Epoche ergeben. Außerdem schrieb er: "Die griechischen Personennamen" (Götting. 1874); "Die ehemalige Spracheinheit der Indogermanen Europas" (das. 1875) und "Die Homerische Odyssee (das. 1883) und Ilias, nach ihrer Entstehung betrachtet und in der ursprünglichen Sprachform wiederhergestellt" (das. 1885. Bd. 1).

Ficker, 1) Adolf, Statistiker, geb. 13. Juni 1816 zu Olmütz, studierte in Wien und wirkte 1840-53 als Lehrer am Lyceum zu Laibach, an der Universität zu Olmütz und am Gymnasium zu Czernowitz. 1853 wurde er als Ministerialsekretär in die Direktion für administrative Statistik nach Wien berufen und 1864 an deren Spitze gestellt. Auf den internationalen statistischen Kongressen zu Berlin (1863), im Haag (1869), zu Petersburg (1872) und Pest (1876) vertrat er die österreichische Regierung. Nicht minder als um die amtliche Statistik, machte er sich, 1870 als Referent für Gymnasien und Realschulen in das Unterrichtsministerium berufen, um das österreichische Schulwesen verdient, das er auch als Statistiker gefördert hat. Seit 1873 bekleidete F. mit dem Titel eines Sektionschefs die Stellung eines Präsidenten der statistischen Zentralkommission; er starb 12. März 1880. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten verdienen Hervorhebung: "Darstellung der Landwirtschaft und Montanindustrie der Bukowina" (Wien 1854); "Die Bevölkerung der österreichischen Monarchie" (Gotha 1860); "Die Bevölkerung Böhmens" (Wien 1864); "Völkerstämme der österreichisch-ungarischen Monarchie" (das. 1869); "Geschichte, Organisation und Statistik des österreichischen Unterrichtswesens" (das. 1871, 2 Tle.) und die "Jahresberichte des Unterrichtsministeriums für 1870-72" (das. 1871-73). 1875 begründete er die Wiener "Statistische Monatsschrift". Vgl. Schwab, Adolf F. (Wien 1880).

2) Julius, deutscher Geschichtsforscher, geb. 30. April 1826 zu Paderborn, studierte in Bonn seit 1844 Rechtswissenschaft und widmete sich später hier, dann in Münster und Berlin geschichtlichen Studien. 1848 bis 1849 lebte er in Frankfurt a. M., wo er in nähere Beziehungen zu J. F. ^[Johann Friedrich] Böhmer trat. Im Dezember 1849 promovierte er zu Bonn mit einer Abhandlung über Kaiser Heinrich VI. und habilitierte sich Ostern 1851 dort als Privatdozent, wurde aber schon 1852 als ordentlicher Professor für die allgemeine Geschichte nach Innsbruck berufen, trat 1863 in die juridische Fakultät daselbst über und lehrte deutsche Reichs- und Rechtsgeschichte. Seit 1866 Mitglied der Wiener Akademie, trat er 1879 in den Ruhestand. Seine Forschungen bewegten sich zuerst auf dem Gebiet der äußern Reichsgeschichte. Er schrieb: "Reinald von Dassel, Reichskanzler und Erzbischof von Köln" (Köln 1850); "Engelbert, Erzbischof von Köln und Reichsverweser" (das. 1853); "Die Überreste des deutschen Reichsarchivs zu Pisa" (Wien 1855); "Über einen Spiegel deutscher Leute und dessen Stellung zum Sachsen- und Schwabenspiegel" (das. 1857); "Über die Entstehungszeit des Sachsenspiegels" (Innsbr. 1859); "Vom Reichsfürstenstand" (das. 1861); "Das deutsche Kaiserreich in seinen universalen und nationalen Beziehungen" (das. 1861); "Deutsches Königtum und Kaisertum" (das. 1862), welch letztere Schriften Fickers großdeutschen Standpunkt in der Auffassung der deutschen Geschichte gegen v. Sybel verteidigten; "Vom Heerschild" (das. 1862); "Forschungen zur Reichs- und Rechtsgeschichte Italiens" (das. 1868-73, 4 Bde.), sein bedeutendstes Werk; "Urkunden zur Geschichte des Römerzugs Kaiser Ludwigs des Bayern" (das. 1865); "Über das Eigentum des Reichs am Reichskirchengut" (Wien 1873) und die "Beiträge zur Urkundenlehre" (Innsbr. 1877-78, 2 Bde.). Aus dem Nachlaß Böhmers gab er infolge testamentarischen Auftrags "Acta imperii selecta" (Innsbr. 1870) und die "Regesta imperii 1198-1275" (das. 1881 ff.) heraus. In der