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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fingersatz - Finis.

Fingersatz (Applikatur, franz. Doigter, engl. Fingering), die kunstgerechte Anwendung oder Ansetzung der Finger bei allen Instrumenten, auf denen die verschiedenen Töne durch Griffe hervorgebracht werden. Am einfachsten ist der F. bei den Blechblasinstrumenten, welche so wenig Claves (Pistons, Cylinder etc.) haben, daß die Finger einer Hand zu deren Behandlung ausreichen, ohne daß sie ihren Platz zu verlassen brauchen. Schwieriger ist der F. der Holzblasinstrumente, bei denen die Zahl der Tonlöcher und Klappen die der Finger beider Hände übersteigt, so daß demselben Finger verschiedene Funktionen zufallen und unter Umständen dieselben Klappen durch verschiedene Finger regiert werden müssen. Am kompliziertesten ist aber der F. bei den Klavierinstrumenten (Klavier, Orgel, Harmonium etc.); hier hat er eine förmliche Geschichte und eine umfangreiche Litteratur, ja eigentlich ist jede Pianoforteschule zur Hälfte eine Schule des Fingersatzes. Das ältere Spiel (vor Bach) schloß den Daumen und kleinen Finger fast gänzlich aus; die folgende Periode, bis in die ersten Dezennien dieses Jahrhunderts reichend, beschränkte die beiden kurzen Finger für gewöhnlich auf die Untertasten; die jüngste Phase (Liszt-Tausig-Bülow) ignoriert die Unebenheiten der Klaviatur (Ober- und Untertasten) ganz und hebt alle Beschränkungen des Gebrauchs der kurzen Finger auf. Doch sind solche freie Anschauungen nur für den Virtuosen fruchtbar; der minder entwickelte Spieler wird eine Erleichterung darin finden, die Obertasten zu respektieren und den Gebrauch des Daumens und kleinen Fingers für dieselben wenigstens im Tonleiterspiel zu vermeiden. Die Bezeichnung des Fingersatzes ist in England eine andre als in den übrigen Ländern, da die Engländer den Zeigefinger als ersten ansehen und den Daumen durch ein + markieren, ganz entsprechend der alten deutschen Bezeichnung, wie sie sich in Amerbachs "Orgel- oder Instrument-Tabulatur" (1571) findet, nur daß hier der Daumen durch eine Null (0) bezeichnet ist. Vgl. Köhler, Der Klavierfingersatz (Leipz. 1862); Klauwell, Der F. des Klavierspiels (das. 1885).

Fingerspiel (Fingerlosen), s. Gerade und Ungerade.

Fingersprache, s. Gebärdensprache und Taubstummenunterricht.

Fingersteine, s. Belemniten.

Fingertiere (Chiromyidia Bonap.), Familie der Halbaffen mit der einzigen Gattung Chiromys Cuv. und der Art Aye-Aye (Ch. madagascariensis Desm.) von Madagaskar. Dieses höchst sonderbar erscheinende Tier ist 45 cm lang, mit 55 cm langem Schwanz, sehr großem Kopf, großen Ohren, starren, gewölbten Augen, stark verlängerten, freien Fingern und Zehen mit krallenartigen Nägeln, breitem Vorderdaumen mit plattem Nagel und sehr dünnem dritten Finger. Der Pelz ist bräunlichschwarz, das Gesicht rötlich fahlgrau, die borstigen Schwanzhaare sind dunkel, die starken Schnurren über den Augen und am Mundwinkel schwarz. Der Aye-Aye bewohnt die Bambuswaldungen Madagaskars, lebt einzeln oder paarweise, ist ein vollendetes Nachttier, äußerst lichtscheu, träge, bewegt sich langsam und nährt sich vom Mark des Bambus- und Zuckerrohrs sowie von Insekten. Er ist sehr selten und wird nur gelegentlich durch Zufall einzeln oder paarweise, niemals in Banden, angetroffen.

Fingerwurm, s. Fingerentzündung.

Fingieren (lat.), erdichten, erdenken, vorgeben; davon das Substantiv Fiktion (s. d.).

Fingierte Münzen, s. Rechnungsmünzen.

Fingierte Rechnung (ital. Conto finto), im Warenhandel eine mutmaßliche Berechnung des wahrscheinlichen Erfolgs eines Unternehmens. Um neue Verbindungen mit andern Orten anzuknüpfen, lassen sich Kaufleute von einem dort bestehenden Haus ein Conto finto über eine willkürlich angenommene Quantität einer Ware aufstellen, auf welchem Preis, Platzspesen, Einkaufsbedingungen, Fracht etc. wie auf einer wirklichen Rechnung angegeben sind.

Fingierte Wechsel, Wechsel, welche ohne eigentliche geschäftliche Grundlage begeben werden.

Fingu (holländ. Fingoe, Ama-Fengu, "arme Leute", nach Döhne s. v. w. Kehricht), ein Zweig des Kaffernvolkes in Südafrika, der sich von den übrigen Kaffern durch bessere Nasenbildung, hellere, rötlich schimmernde Farbe, schönern Wuchs sowie durch Nüchternheit und Arbeitsamkeit auszeichnet. Sie wohnten ursprünglich, acht Stämme bildend, in Natal, wo sie von den Zulu unterjocht und teilweise vernichtet wurden. Der entflohene Rest suchte Schutz bei den Ama-kosa, wurde aber von diesen längere Zeit in der drückendsten Sklaverei gehalten, bis die Engländer ihnen nach dem Kaffernkrieg 1834 Wohnsitze in Britisch-Kaffraria anwiesen. Hier wuchs ihre Zahl schnell, und da sie sich bei den wiederholten Einfällen der Kaffern sehr nützlich zeigten, so erhielten sie neue Wohnsitze auf der linken Seite des Kai im unabhängigen Kaffraria, in einer den Galeka genommenen Landschaft, deren angestrebte Kolonisation durch Europäer ein Fehlschlag gewesen war. Dieses Finguland, das durch den Großen Kai von den Divisionen der Kapkolonie, King Williamstown u. Queenstown, getrennt wird, im N. und W. an die Emigrant Tambuki, im S. an die Galeka, im O. an das Tambukiland und die Idutywareserve grenzt, hat einen Umfang von 2841 qkm (51,6 QM.) mit (1875) 43,971 Einw. Dann wurde 1871 eine andre Abteilung der F. in die Nachbarschaft der Basuto und von Ostgriqualand geführt, in die obern Thäler des Kraai, eines linken Nebenflusses des Oranje, welche von den Storm- und den Wittebergen eingeschlossen werden. Nach der Zählung von 1875 war die Zahl sämtlicher F. 73,506, wovon 17,418 Christen. Sie besitzen große Viehherden und betreiben mit der Kapstadt einen Handel, der 1876 auf 3 Mill. Mk. geschätzt wurde.

Finieren (lat.), beendigen, fertig machen.

Finiermaschine (Wälzmaschine, Arrondiermaschine), Uhrmacherwerkzeug, eine Vorrichtung, auf welcher die Zähne von Zahnrädern mittels einer angemessen geformten geraden Feile (Wälzfeile) die richtige Zurundung empfangen.

Finiguerra (spr. -gwerra), Maso (Abkürzung von Tommaso), ital. Goldschmied und Nielleur, arbeitete nach Vasari um 1452 eine niellierte Pax (Kußtafel) für die Kirche San Giovanni in Florenz, welche mit einer im Museum des Bargello zu Florenz befindlichen, Christus am Kreuz darstellenden identifiziert wird. Vasari wollte den F. zum Erfinder der Kupferstecherei machen, indem letzterer seine Nielloplatten von Silber zuerst mit schwarzer Farbe ausgefüllt und statt der sonst gebräuchlichen Schwefelabdrücke solche von Papier genommen habe. Doch sind schon vor F. Abdrücke von Niellen gemacht worden, und es gibt auch ältere Kupferstiche, die nicht in Italien entstanden sind (s. Kupferstecherkunst). Als Nielloarbeiter und Goldschmied erfreute sich F. eines großen Rufs. Auch führte er Emailmalereien auf Gold u. Silber aus.

Finis (lat.), Ende, Zweck; F. coronat opus, das Ende krönt das Werk, s. v. w. Ende gut, alles gut; F. sanctificat media, der Zweck heiligt die Mittel.