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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Finnland

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Finnland (Grenzen etc., Bodenbeschaffenheit).

finnischen Götterwelt, und andre Mythen- und Zaubergesänge, deren Lieblingsgegenstand die Personifizierung der Naturkräfte ist, haben eine durchgängig schwermütige Färbung und "führen Bilder vor, die wie aus dem Nebel geballt erscheinen, der aus den zahllosen Seen des Landes aufsteigt". Auch die balladenhaften Lieder haben meist den Ton Ossianscher Elegik; von der rauhen Kraft der skandinavischen Volkspoesie ist nichts in ihnen zu finden. In den abgelegenen Gegenden des Landes, wo die altheidnischen Überlieferungen sich erhalten haben, gelang es patriotischen Männern sogar, die Spuren altfinnischer Epik aufzufinden; so namentlich in der Landschaft Karelien, wo der Gelehrte Lönnrot aus dem Volksmund die bisher nur durch mündliche Tradition von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzten mythisch-epischen Gesänge zu sammeln und zu einer Art von Nationalepos zusammenzustellen begann (1835), dem er den Namen Kalewala (s. d.) gab, und das sich an Schönheit und Originalität mit den Volksdichtungen andrer Völker messen kann. Noch jetzt ist Finnland, besonders das nördliche, an Volksdichtern (Runolainen, Runoja, Runottaja, Runoseppä, Runoniekka) reicher als irgend ein andres Land, wozu die Sprache viel beiträgt, da sie alles personifiziert. Die Volkslieder oder Runen (runot) werden nach der Kantele oder dem mit fünf Metallsaiten bespannten, der Sage nach von Wäinämöinen erfundenen Nationalinstrument gesungen. Dem Inhalt nach ist in der Poesie der Finnen die Lyrik überwiegend, die als Grundklang ein außerordentlich inniges Heimatsgefühl durchzieht, und dieses Element herrscht auch in der "Kalewala" vor. Die Schätze der finnischen Lyrik sind in der Sammlung "Kanteletar" (1840, 2 Tle., 652 Lieder enthaltend; davon etwa 300 von H. Paul ins Deutsche übersetzt, Helsingf. 1882) niedergelegt. Andre Sammlungen sind in Finnland, besonders bei Landgeistlichen, handschriftlich vorhanden, während anderseits manche Geistliche um der Zaubergesänge willen gegen die alten Volkslieder eiferten und sie zu vernichten suchten. Einzelne gaben Schröter ("Finnische Runen", finnisch und deutsch, Upsala 1819, Stuttg. 1834) und Topelius (im finnischen Originaltext, Abo, später Helsingf. 1822-31, 5 Hefte) heraus. Eine Auswahl gab Tengström ("Finsk anthologie"). In neuerer und neuester Zeit machten sich um die finnische Litteratur durch Sammlung und Übersetzung von Runen verdient: Europäus ("Pieni runon seppä", Helsingf. 1847), Altmann ("Runen finnischer Volkspoesie", 2. Ausg., Leipz. 1861) und "Die Runen der Finnen" (im "Archiv für das Studium neuerer Sprachen", 27. Bd., Braunschw. 1860). Vgl. Sjögren, Über die finnische Sprache und ihre Poesie (Petersb. 1821). Finnische Volksmärchen und Sprichwörter übersetzte Bertram ("Jenseits der Scheren", Leipz. 1854), der bereits Judéns "Walittuja suomalaisten sanalaskuja" ("Auserwählte Sprichwörter der Finnen", Wiborg 1818) und besonders Lönnrots "Suomen kansan sanalaskuja" (7077 finnische Sprichwörter enthaltend, Helsingf. 1842) benutzen konnte. Rätsel (2188) gab ebenfalls Lönnrot heraus ("Suomen kansan arwoituksia", Helsingf. 1844, 2. Aufl. 1851). Sammlungen von Volkssagen veranstalteten Rudbäck ("Suomen kansan satuja", Helsingf. 1854 ff., 4 Tle.) und Hertzberg (das. 1880). Im J. 1834 erschienen eine finnische Übersetzung der Oden Anakreons und Sapphos und das erste Trauerspiel in finnischer Sprache, eine Nachahmung Macbeths von Lagerwall. Der begabteste Dichter der neuesten Zeit ist A. E. Ahlquist ("Säkenia" ^[richtig: Säkeniä], Helsingf. 1860-68), neben dem noch Suonio (Krohn) und der originelle Al. Kivi zu nennen sind. Auch neuere schwedische Dichtungen, z. B. die von Runeberg, sowie Dichtungen von Shakespare ^[richtig: Shakespeare], Molière, Schiller, Walter Scott u. a. fanden finnische Übersetzer. - Die prosaische Litteratur der Finnen hat sich neuerdings ebenfalls einer großen Förderung zu erfreuen gehabt. Die 1831 gegründete Finnische Litteraturgesellschaft zu Helsingfors, welche seit 1841 eine höchst wertvolle Zeitschrift ("Suomi") herausgibt, hat sich namentlich ein großes Verdienst um die Hebung und Ausbildung der finnischen Prosa erworben. Es sind durch sie bereits eine Menge wichtiger Lese- und Lehrbücher in finnischer Sprache veranstaltet und verbreitet worden. Die Bibelgesellschaft zu Abo (mit mehreren Filialen) sorgt daneben für Verbreitung der Heiligen Schrift im ganzen Lande. Das Neue Testament wurde bereits von dem Bischof zu Abo, Mich. Agricola, ins Finnische übersetzt (Stockh. 1548); von der ganzen Bibel erschien indes erst eine vollständige Ausgabe fast ein Jahrhundert später (1642). Als Geschichtschreiber hat sich Koskinen (Forsman) hervorgethan. Zeitungen in finnischer Sprache erschienen 1883 etwa 30, darunter das litterarische Blatt "Valvoja". Ein Verzeichnis aller in Finnland gedruckten finnischen Bücher wurde unter Benutzung der Bibliothek des finnischen Sammlers Pohto von F. W. Pipping zusammengestellt (Helsingf. 1854); eine "Bibliographia hodierna fennica" gab Lillja (Abo 1846 ff.) heraus. Vgl. Porthan, Opera selecta (Helsingf. 1857-73, 5 Bde.), eine wertvolle Sammlung von Aufsätzen; Castrén, Vorlesungen über die finnische Mythologie (deutsch von Schiefner, Petersb. 1853); Elmgrén, Oefversigt of Finlands litteratur ifrån 1542 till 1770, samt 1771-1863 (Helsingf. 1861-65, 2 Bde.). Eine Skizze der neuern Litteratur enthalten die Wiener "Jahrbücher der Litteratur" (Bd. 9, 1820).

Finnland (von den Finnen selbst Suomenmaa, "Land der Seen oder Sümpfe", genannt, bei den Schweden Finland, s. Karte "Rußland" und "Schweden"), ein mit Rußland unter demselben Regenten vereinigtes Großfürstentum, erstreckt sich zwischen 59° 50' und 68° 25' nördl. Br. und zwischen 19° 16' und 31° 23' östl. L. v. Gr. und grenzt nördlich an Norwegen (hier wurde die Grenze erst 1840 festgesetzt), nordöstlich und östlich an die russischen Gouvernements Archangel und Olonez, südöstlich an das Gouvernement St. Petersburg, südlich an den Finnischen Meerbusen, den Ladogasee und das Gouvernement St. Petersburg, westlich an Schweden, wo der Torneå und Muonio die Grenzen bilden, und an den Bottnischen Meerbusen, den eine eingebildete Linie von der Mündung des Torneå durch das Alandshaff in zwei ungleiche Teile teilt, deren östlicher zu F., deren westlicher zu Schweden gehört. Der Bottnische Meerbusen, welcher F. auf eine Strecke von 490 km bespült, bildet viele, meist kleine Buchten, mehrere größere die Ostsee, welche in einer Ausdehnung von 90 km den Südwesten des Landes berührt. Unter den Buchten, welche der Finnische Meerbusen bildet, ist die bei Wiborg am größten.

[Bodenbeschaffenheit.] Das von unzähligen größern oder kleinern Seen durchzogene, 668 km lange und 520-600 km breite Land zeigt in Küsten- und Gebirgsbildung viel Übereinstimmendes mit der skandinavischen Halbinsel. Wie dort, bilden auch hier unzählige Schären und Inseln (s. Finnischer Meerbusen) einen Saum um das Festland, und namentlich scheint eine beträchtliche Inselgruppe an der südwestlichen Ecke des Landes noch den ehemaligen