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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Finsterberg - Fiorelli.

am F.; doch gelangte er, wie nach ihm Hugi (1. Aug. 1829) und Sulger (17. Aug. 1842), nicht selbst (wohl aber der Führer) hinauf, und erst ein neuer Versuch (6. Sept. 1842) verschaffte Sulger den Triumph, als erster Reisender auf dem Gipfel zu stehen. Am 8. Aug. bezwangen Desor und A. Escher von der Linth das Große Lauteraarhorn, 15. Aug. 1857 Dr. Porges den Mönch, 11. Aug. 1858 der Schotte Harington den Eiger, 1859 der Engländer A. Wills das Wetterhorn (Hasli-Jungfrau) und der Engländer E. Anderson das Kleine Schreckhorn, 1859 der Engländer F. F. Tuckett das Aletschhorn (18. Juni) und Leslie Stephen das Große Nesthorn. Die drei Gipfel der Weißen Frau oder Blüemlisalp wurden 1860-62 bezwungen, der mittlere durch Roth und Fellenberg, der westliche (höchste) durch den Engländer L. Stephen und der östliche (niedrigste) durch Bädeker. Schon hatte Stephen 14. Aug. 1861 das Große Schreckhorn und die Engländer George und Moore 1862 das Große Grindelwalder Viescherhorn, Stephen (1862) das Große Walliser Viescherhorn erstiegen, als 1863 das Wetterhorn (Bädeker, Ende Juli) und das Silberhorn (Fellenberg und Bädeker, 4. Aug.), das Balmhorn (die Engländer Frank, Horace und Lucy Walker, 22. Juli 1864), das Studerhorn und bald darauf das Wannenhorn (Gottl. Studer, 5. Aug. 1864) folgten. Das Jahr 1865 unterwarf das Ritzlihorn (Pfarrer Marti), das Lauterbrunner Breithorn (Fellenberg) und das Große Grünhorn (7. Aug.). Sehr fruchtbar war das Jahr 1869: Ebnefluh, Agassizhorn, Dreieckhorn, Morgenhorn (Bädeker), Gspaltenhorn (Engländer Foster), Wilde Frau, Lauinhorn, Lötschthaler Breithorn und Schienhorn (alle vier durch G. J. Häberlin), und endlich kam 8. Juli 1871 das Freudenhorn (Ober und F. Corradi) an die Reihe. 1719 entdeckte man am Zinkenstock (hart neben dem Lauteraargletscher) einen Fund von einigen Tausend Zentnern Kristallen (darunter ein Exemplar von 8 Ztr., mehrere von 4-5 Ztr.); der Gesamtwert betrug 30,000 Gulden.

Finsterberg, ein 938 m hoher Berg des Thüringer Waldes, südlich vom Schneekopf, zwischen Suhl und Ilmenau, mit einem Birschhaus und schöner Aussicht.

Finstere Kammer, s. v. w. Camera obscura.

Finsterling, s. v. w. Obskurant.

Finsterloch, eine 170 m lange Höhle im württemberg. Jagstkreis, Oberamt Gmünd, am südlichen Abhang des Rosensteinbergs; darin viel Bergmilch.

Finstermetten (lat. Tenebrae), in der römisch-katholischen Kirche die am Mittwoch, Donnerstag und Freitag der Karwoche (s. d.) nachmittags von 4 bis 5 Uhr antecipando abgehaltenen Metten, die an vielen Orten durch den Vortrag des Miserere von Gregorio Allegri berühmt sind, und bei denen von den 15 Lichten, welche pyramidenförmig aufgesteckt dabei brennen müssen, nach jedem Psalm eins ausgelöscht wird, bis zuletzt nur eins übrigbleibt. Von dem Gepolter, welches früher dabei gemacht wurde, um den Lärm anzudeuten, den die Juden verursachten, als sie Jesum im Garten aufsuchten, hießen die F. auch Pumper-, in der Schweiz Rumpel-, in Tirol Temmermetten.

Finstermünz, Paß in Tirol, Bezirkshauptmannschaft Landeck, eine wilde Felsenenge, durch welche der Inn aus Graubünden nach Tirol eintritt und die großartige, 1855 vollendete Straße aus dem Vintschgau und Engadin nach Innsbruck führt, 1106 m hoch, mit drei Tunnels und Befestigungen aus dem Jahr 1840. Der Paß wurde im März 1799 von den Franzosen genommen.

Finsternisse (Eclipses, Defectus solis, lunae, siderum), diejenigen Himmelserscheinungen, bei welchen einem Himmelskörper durch das Zwischentreten eines andern das Sonnenlicht ganz oder teilweise entzogen wird. Man unterscheidet Sonnenfinsternisse, bei denen das Licht der Sonne durch den zwischen Sonne und Erde tretenden Mond einem Teil der Erde entzogen wird; Mondfinsternisse, bei denen die Erde zwischen Sonne und Mond tritt und letzterer durch den Schatten der Erde ganz oder teilweise verdunkelt wird; endlich Verfinsterungen der Trabanten des Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, von denen aber nur die der Jupitertrabanten gut zu beobachten und daher von Wichtigkeit sind; hat doch durch sie zuerst Olaf Römer (s. d.) die Geschwindigkeit des Lichts bestimmt. Vgl. Sonnenfinsternis, Mondfinsternis, Jupiter.

Finsterwalde, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Luckau, an der Linie Halle-Kottbus-Guben der Preußischen Staatsbahn, hat ein Schloß (1304 erbaut), Amtsgericht, eine Pfarrkirche (von 1582), sehr wichtige Tuchfabriken, Eisengießereien und Maschinenfabriken, chemische Fettfabriken, Zigarrenfabriken, bedeutende Braunkohlenlager (mit zahlreichen Gruben) und (1885) 7566 evang. Einwohner. Die Stadt, zuerst 1288 erwähnt, gehörte seit 1635 zu Kursachsen und kam 1815 an Preußen.

Finstingen (franz. Fénétrange), Stadt und Kantonshauptort im deutschen Bezirk Lothringen, Kreis Saarburg, an der Saar und an der Eisenbahnlinie Saarburg-Saargemünd, hat ein Amtsgericht, eine evangelische und eine kath. Kirche und (1885) 1217 Einw. (darunter 570 Evangelische). F. war bis zu Ende des 15. Jahrh. Hauptort einer Herrschaft der Grafen von Saarwerden, die 1665 an Lothringen fiel.

Finte (Fintstoß, ital. finta, franz. feinte), in der Fechtkunst (s. d.) eine Täuschung bezweckende Angriffsbewegung; sonst s. v. w. Kunstgriff, Ausflucht, Lüge.

Finte, Fisch, s. Alse.

Fioravanti, Valentino, Komponist, geboren im November 1770 zu Rom, machte seine musikalischen Studien teils hier unter Jannacconi, teils zu Neapel unter und neben Cimarosa, Paesiello und Guglielmi, wurde um 1800 Intendant des Theaters zu Lissabon, ging 1807 nach Paris, später von da nach Neapel und ward 1816 vom Papst zum Kapellmeister von St. Peter ernannt. Er starb 16. Juni 1837 auf einer Reise in Capua. Von seinen zahlreichen, ihrer Zeit gern gehörten komischen Opern: "Il furbo contr'il furbo", "Il fabbro Parigino", "I virtuosi ambulanti", "I viaggiatori ridicoli", "Le cantatrici villane" etc. war die letztgenannte ("Die Dorfsängerinnen") auch ein lange beliebtes Repertoirestück der deutschen Bühnen. Seine Musik ist weich, wohlklingend, abgerundet, durch Anmut und heitere Laune gewinnend, aber von geringer Tiefe. In seinen spätern Jahren schrieb er nur für die Kirche.

Fiorelli, Giuseppe, ital. Archäolog, geb. 8. Juni 1823 zu Neapel, wurde 1845 mit der Leitung der Ausgrabungen in Pompeji betraut, 1849 wegen seiner Teilnahme an politischen Bestrebungen dieses Amtes entsetzt, erhielt es 1860 von der neuen italienischen Regierung zurück und wurde zugleich Professor der Archäologie an der Universität zu Neapel, 1862 auch Direktor des dortigen Nationalmuseums. Nachdem er 1864 seine Professur niedergelegt, gründete er zu Pompeji ein Institut, in dem junge Archäologen nach dem Abgang von der Universität bei gemeinsamer Wohnung praktische Ausbildung finden. Im J. 1865 zum Senator des Königreichs Italien