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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Flammeri; Flammette; Flammieren; Flammrohrkessel; Flammula; Flamsteed; Flandern

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Flammeri - Flandern.

von schwefelsaurem oder phosphorsaurem Ammoniak. Doch dürfen solche Gewebe wegen der Zersetzbarkeit der genannten Salze nicht in höherer Temperatur geglättet werden. Ist letzteres nicht zu umgehen, so benutzt man eine Lösung von 1 Teil wolframsaurem Natron in 5 Teilen Wasser mit 3-4 Proz. phosphorsaurem Natron. Die gewaschenen Stücke werden in die Lösung eingetaucht und ausgewrungen. Soll die Wäsche gestärkt werden, so setzt man die Lösung der Appreturmasse hinzu. Das Mittel verändert selbst die zartesten Farben nicht, macht sich überhaupt in keiner Weise bemerkbar; aber die damit getränkten Stoffe verkohlen in einer Flamme, ohne sich zu entzünden. Patera empfiehlt für feinste Stoffe und zarte Farben eine frisch bereitete Lösung von 3 Borax und 2,5 Bittersalz in 20 Wasser (welche mit der erforderlichen Menge Stärkemehl zu versetzen ist). Die Stoffe werden damit getränkt, zwischen Tüchern ausgewrungen und dann getrocknet. Für gröbere Stoffe eignen sich Mischungen von schwefelsaurem Ammoniak und Gips in verschiedenen Verhältnissen, als Holzanstrich eine Mischung von 33,3 schwefelsaurem Ammoniak, 66,6 Gips und 100 Wasser. Holz imprägniert man mit Alaun, Eisenvitriol, Borax, Wasserglas oder streicht es mit einer heiß gesättigten Lösung von 3 Teilen Alaun und 1 Teil Eisenvitriol, worauf man es mit einer Mischung von verdünnter Eisenvitriollösung und Töpferthon streicht. Vgl. Versmann u. Oppenheim, On rendering fabrics noninflammabe (Lond. 1859); Patera, über F. (Wien 1871).

Flammeri (engl. Flummery), in der Kochkunst eine kalte Speise aus Gries, Milch und Eiern.

Flammette (franz.), der Schröpfschnepper.

Flammieren (lat.), etwas flammen, ihm ein flammenartiges Ansehen geben (vgl. Chiné).

Flammrohrkessel, s. Dampfkessel, S. 449.

Flammula (lat.), eine in spätrömischer Zeit bei einzelnen Reiterregimentern übliche Fahne von gelber Farbe, die an einem Querholz an der Fahnenstange hing und unten flammenartig gezackt war.

Flamsteed (spr. flämmstid), John, Astronom, geb. 19. Aug. 1646 zu Derby, ward durch Sacroboscos Buch "De sphaera" dem Studium der Astronomie zugeführt. Seit 1668 Observator zu Derby, seit 1674 in London, ward er hier mit Newton und Halley näher bekannt und 1676 vom König Karl II. zum Astronomen auf der neuerrichteten Sternwarte zu Greenwich ernannt, wo er 31. Dez. 1719 starb. F. eröffnete seine Laufbahn mit einer wichtigen Abhandlung über die Bestimmung der Zeitgleichung. Seine "Historia coelestis britannica" (Lond. 1712, 2 Bde.; nach seinem Tod in vervollkommter Gestalt von Halley herausgegeben, das. 1725, 3 Bde.) enthält ein Verzeichnis von 2848 Fixsternen. Auf diese Grundlage folgte der große "Atlas coelestis" (Lond. 1729, mit 25 Karten, und 1753, mit 28 Karten, von dem Fortin eine kleinere Ausgabe (Par. 1776) besorgte. Vgl. Baily, Account of F. (Lond. 1835, Suppl. 1837).

Flandern (vläm. Vlaenderen, span. Flandes), ehemalige niederländische Grafschaft an der Nordsee, welche an Zeeland, Brabant, Hennegau, die Picardie und Artois grenzte (welch letzteres aber seit langer Zeit im Besitz der Grafen von F. war) und jetzt teils zu Belgien (nämlich das ehemalige österreichische F., gegenwärtig die zwei Provinzen Ostflandern und Westflandern bildend, s. unten), teils zu Holland (der südliche Teil der Provinz Zeeland, das sogen. Staatsflandern, mit den Städten Sluys, Hulst, Axel etc.), teils zu Frankreich gehört, wo es einen Teil des jetzigen Departements Nord bildet und in Seeflandern, vom Meer bis zur Lys (mit der Hauptstadt Cassel), und Wallonisch-F., von der Lys bis zur Scarpe (mit der Hauptstadt Lille), zerfiel. Die spätere französische Provinz F. umfaßte dazu noch die Landschaften Cambrésis und Hainaut.

Die belgische Provinz Ostflandern (s. Karte "Belgien") begreift den östlichen Teil der ehemaligen österreichischen Grafschaft F., grenzt gegen N. an die niederländische Provinz Zeeland (Staatsflandern), gegen O. an Antwerpen und Südbrabant, gegen S. an Hennegau und gegen W. an Westen-Flandern und umfaßt ein Areal von 3000 qkm (54,5 QM.). Das Land ist ganz eben, fast waldlos und wird von der Schelde durchflossen, welche hier rechts die Dender, links die Lys aufnimmt. Kanäle führen von Gent nach Brügge, nach Damme und nach Terneuzen (Kanal von Sas). Das Klima ist feucht, aber gesund und der Vegetation sehr zuträglich. Die Zahl der Einwohner betrug Ende 1884: 915,464; in Bezug auf die Dichtigkeit der Bevölkerung (305 auf 1 qkm) nimmt die Provinz die zweite Stelle in Belgien ein. Obwohl der Stand der Volksbildung sich seit zwei Jahrzehnten gehoben hat, ist derselbe niedriger als in den übrigen Provinzen, da 1880 von den Personen über 7 Jahren nur 62 Proz. des Lesens und Schreibens kundig waren. Dagegen ist die Zahl der Mitglieder geistlicher Körperschaften (1880: 6066) die höchste im Königreich. Der Boden, von dem 77,5 Proz. aus Sand, 16,4 aus Lehm bestehen und 6 Proz. Polders sind, ist durch Spatenkultur und vortreffliche Düngung ungemein fruchtbar. Außer Getreide werden Ölpflanzen, Krapp, Tabak, Hopfen, Futterkräuter, Hülsenfrüchte, Gartenfrüchte, Kartoffeln und Blumen in Menge gebaut. Besonders aber ist die Flachskultur sehr vollkommen, mit der sich vorzugsweise das Nordostviertel der Provinz zwischen Antwerpen und Gent, das sogen. Land von Waes, beschäftigt. Letzteres war zur Zeit der Bürgerkriege nur dürre Heide, ist aber jetzt eine der bestkultivierten Gegenden Europas. Die Viehzucht, besonders die des Hornviehs, steht in schönster Blüte. 1880 zählte man 29,819 Pferde, 215,408 Stück Rindvieh, 37,452 Schafe, 107,406 Schweine. Die Pferde sind groß und schwer, aber nur zum Ziehen geeignet. Andre Produkte sind: Geflügel, Wild (nur Hasen), Fische, Bienen; Thonerde, Torf. Ostflandern ist der Sitz der vollkommensten Flachsspinnerei und Leinwandweberei in Europa; Märkte für den Absatz der Leinwand sind hauptsächlich St.-Nicolas, Lokeren, Eecloo und Gent. Letztere Stadt ist zugleich Hauptsitz der belgischen Baumwollspinnerei. Die Tuchfabriken liefern meist grobe Ware (z. B. den sogen. Waerschoot); zahlreich sind die Papierfabriken, Gerbereien, Branntweinbrennereien, Ölmühlen, Hutfabriken, Zucker- und Salzraffinerien, Spielkarten-, Stärke- und Wachsfabriken etc. Die Ausfuhr besteht in Getreide, Vieh, Öl, Leinwand, Spitzenzwirn, baumwollenen Waren, Leder, Papier, Wachs und chemischen Fabrikaten. Die Provinz Ostflandern wird in sechs Arrondissements: Gent, Alost, St.-Nicolas, Oudenaarde, Termonde u. Eecloo, eingeteilt. Die Hauptstadt ist Gent.

Die Provinz Westflandern, die westlichste des Königreichs, enthält den westlichen Teil der ehemaligen österreichischen Grafschaft F., grenzt im N. an die Nordsee, im O. an die niederländische Provinz Zeeland und an Ostflandern, im SO. an Hennegau, im S. und W. an Frankreich und im NW. an die Nordsee. Der Flächenraum beträgt 3235 qkm (58,7 QM.). Das Land wird von der Schelde, Lys und Yperle durchflossen, im N. von dem Kanal, welcher Gent und