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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Franz

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Franz (Sachsen, Sizilien).

18. Aug. 1867 und zu Paris bei der Weltausstellung im Oktober d. J. hatten keine thatsächlichen Folgen. Dagegen geschah nach dem Krieg während der Jahre 1867-70 im Innern manches im Geist liberalen Fortschritts auf dem materiellen und geistigen Gebiet. Die Neigung des Kaisers, den einzelnen Nationalitäten, besonders den Tschechen, weitgehende Konzessionen zu machen, wurde sehr gedämpft durch die Konsequenzen, welche die Politik des Kabinetts Hohenwart 1871 mit sich brachte; ebenso sah sich F. J. mehr u. mehr veranlaßt, den Übergriffen des Klerus und der Feudalpartei ein Ziel zu setzen: ersteres geschah durch Aufhebung des Konkordats und durch die Kirchengesetze vom April 1874, letzteres durch Berufung des verfassungstreuen Ministeriums Auersperg (November 1871). Nach außen machte die antipreußische Politik, welche noch Beust verfolgt hatte, einer deutschfreundlichen Haltung unter der Leitung des Grafen Andrássy Platz, und die Zusammenkunft F. Josephs mit den Kaisern von Deutschland und Rußland zu Berlin im September 1872 besiegelte die neue Wendung der österreichischen Politik. Gestützt auf das Deutsche Reich, vermied F. J. 1877 eine Einmischung in den russisch-türkischen Krieg und besetzte 1878 Bosnien. Hierauf ward 1879 ein förmliches Bündnis mit Deutschland abgeschlossen. Im Innern befolgte F. J. seit derselben Zeit wieder eine Versöhnungspolitik, welche zwar den Beifall der Slawen hatte, die Deutschen aber empfindlich traf. F. J. hat während seiner wechselvollen, von den schwierigsten Krisen erfüllten Regierung das Bestreben bewiesen, nach eignem Urteil und mit möglichster Berücksichtigung der verschiedenartigen Interessen seiner Länder die Regierung zu führen. Sein Regierungsjubiläum ist 1873 mit allseitigen freudigen Kundgebungen von seiten der Bevölkerung begangen werden. Seine Residenz ist, seit Ungarn eine so bedeutende Rolle im Reich spielt, einen Teil des Jahrs in Ofen und im Schloß von Gödöllö, sonst regelmäßig in der kaiserlichen Burg zu Wien und den Schlössern Schönbrunn und Laxenburg bei Wien. F. J. ist seit 24. April 1854 mit der Prinzessin Elisabeth, der Tochter des Herzogs Maximilian in Bayern, vermählt. Kinder dieser Ehe sind: Gisela, geb. 12. Juli 1856 (seit 20. April 1873 vermählt mit dem Prinzen Leopold von Bayern, dem Sohn des Prinzen Luitpold); Kronprinz Rudolf (s. d.), geb. 22. Aug. 1858; Valerie, geb. 22. April 1868. Vgl. Emmer, Kaiser F. J. (Teschen 1880).

[Sachsen.] 11) F. Albert, Prinz von Sachsen-Lauenburg, geb. 31. Okt. 1598, trat, nachdem er im Heer der Liga unter Tilly, 1625-29 im kaiserlichen Heer Wallensteins gedient, 1630 in schwedische Kriegsdienste und focht 1632 in der Schlacht bei Lützen, wo er fälschlich in Verdacht geriet, den König Gustav Adolf, an dessen Seite er sich befand, verräterisch erschossen zu haben. Nachdem er hierauf in sächsische Dienste getreten, ward er im Februar 1634 von Wallenstein in geheimen Unterhandlungen an den Herzog Bernhard von Weimar nach Regensburg gesandt, geriet jedoch auf dem Rückweg in die Hände der Kaiserlichen, die ihn nach Wien brachten, wo er samt seinem Bruder, dem kaiserlichen Obersten Heinrich Julius, längere Zeit in Haft blieb (bis August 1635). 1637-40 war er vorzugsweise in Händel mit dem Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin verwickelt und vermählte sich 1640 mit der Tochter des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg-Güstrow. 1641 trat er an Stelle Arnims an die Spitze des kaiserlichen Korps in der Oberlausitz. 1642 kommandierte er ein Korps unter dem Erzherzog Leopold in Schlesien, wo er bei einem Versuch, Schweidnitz zu entsetzen, durch Torstensson geschlagen, schwer verwundet und gefangen wurde. Er starb 10. Juni 1642 in Schweidnitz an seinen Wunden.

[Sizilien.] 12) F. I. Januarius Joseph, König beider Sizilien, Sohn Ferdinands I. (IV.) und der Erzherzogin Karoline von Österreich, geb. 20. Aug. 1777, ward nach dem Tod seines ältern Bruders, Karl Titus, 1778 präsumtiver Thronerbe und vermählte sich 1797 mit Klementine, Tochter Kaiser Leopolds II. (aus welcher Ehe die Herzogin von Berri entsprossen ist), und nach deren Tod 1802 mit Isabella, Tochter des Königs Karl IV. von Spanien, die ihm zwölf Kinder (worunter Ferdinand II., König beider Sizilien, die Königin Christine von Spanien und die Herzogin von Modena) gebar. Von den Geschäften hielt ihn die Eifersucht seiner Mutter lange entfernt, was besonders der Grund davon gewesen sein mag, daß er sich, im Gegensatz zu jener, zu den konstitutionellen Ideen bekannte. Nachdem durch englischen Einfluß bewirkt worden war, daß Ferdinand I. 16. Jan. 1812 F. zum Reichsverweser von Sizilien ernannte, gab er mit Hilfe des englischen Admirals Bentinck den Sizilianern eine neue Verfassung und setzte ein Parlament ein, das freilich von Ferdinand I. nach Wiederantritt der Regierung 13. Nov. 1813 wieder aufgelöst wurde. Als die Unruhen in Sizilien, zum Teil durch die Übersiedelung der Regierung nach Neapel, zum Teil aber auch durch reaktionäre Regierungsmaßregeln veranlaßt, den König zu versöhnlichen Maßregeln zwangen, ernannte er F., der kurz vorher den Titel eines Herzogs von Kalabrien erhalten hatte, 1816 zum Gouverneur von Sizilien, in welcher Stellung derselbe durch scheinbaren Liberalismus die Sympathien des Volkes gewann, wie er denn auch nach seiner Abberufung in Neapel als Haupt des übrigens für reaktionäre Zwecke bearbeiteten Pöbels eine Rolle spielte. Nach Ausbruch der Revolution 1820 übergab ihm der König Ferdinand abermals die Regierung. F. beschwor die Konstitution der spanischen Cortes von 1812, berief ein Parlament und ein neues Ministerium und stellte die Preßfreiheit her. Jedoch infolge der österreichischen Intervention legte er die Regierung wieder nieder und lebte in Zurückgezogenheit, bis ihn der Tod seines Vaters 4. Jan. 1825 auf den Thron rief. Die liberalen Ideen, die der Kronprinz vertreten, wurden von dem König gänzlich vergessen, der sich durchaus der reaktionären Politik Österreichs anschloß. Zwar erklärte er 1828, seine Regierung durch eine vollständige Restauration im Geiste der neuen Zivilisation verewigen zu wollen, doch blieb es bei einigen Vorbereitungen; die innern Zustände wurden immer trauriger, da F. die Verwaltung den ungebildetsten Menschen überließ und durch ein arglistiges Spionier- und Denunziationssystem jede geistige Bewegung unterdrückte. Nach einer Reise nach Spanien, wohin er seine Tochter Marie Christine zur Vermählung mit Ferdinand VII. brachte, und nach Paris starb F. 8. Nov. 1830. Ihm folgte sein Sohn Ferdinand II.

13) F. II. Maria Leopold, Exkönig von Neapel, geb. 16. Jan. 1836, der einzige Sohn aus der ersten Ehe des Königs Ferdinand II. mit der Prinzessin Christiane von Savoyen, ward seinen der zweiten Ehe seines Vaters mit der Erzherzogin Therese entsprungenen Halbbrüdern wegen seiner geringen Geistesanlagen vielfach nachgesetzt. Jesuiten zur Erziehung übergeben, vernahm er nur die Lehren des Absolutismus und blieb auch herangewachsen und zum Staatsrat ernannt allen Staatsgeschäften fern.