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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Franzleinen - Französische Litteratur.

bisher verliehenen Verdienstmedaille trat, und zwar das goldene Verdienstkreuz mit und ohne Krone und das silberne Verdienstkreuz mit und ohne Krone, sämtlich in der Grundform des Franz Joseph-Ordens.

Franzleinen, ungebleichte, stark appretierte Futterleinwand.

Franzobst, s. Franzbäume.

Franzoj, August, ital. Reisender, unternahm nach wechselvoller Laufbahn 1883 eine Reise von Massaua über Kassala und durch Abessinien nach Tschalla, dem Hauptort von Ghera, um die Gebeine Chiarinis (vgl. Afrika, S. 176), der am 5. Okt. 1879 dort in der Gefangenschaft gestorben war, nach Italien zu schaffen, was ihm auch glücklich gelang. Er schrieb: "Continente nero" (Turin 1885).

Franz I.-Orden, sizilischer Orden, gestiftet von König Franz I. von Sizilien 28. Sept. 1829, mit einem Statut vom 21. Dez. 1858, für Belohnung von Zivilverdienst, in sechs Klassen: Großkreuzen, Großkordons, Kommandeuren mit und ohne Stern, Rittern erster und zweiter Klasse. Die Dekoration war ein weiß emailliertes Goldkreuz mit FI in einem Eichenkranz, in der Mitte mit der Inschrift: "De rege optime merito", auf der Rückseite "Franciscus constituit 1820". Zwischen den Armen befanden sich goldene Adler. Der Orden wurde an rotem, doppelt blau gerändertem Band an einer Krone getragen. Er ist seit 1861 aufgehoben.

Franzos, Karl Emil, Dichter und Schriftsteller, geb. 25. Okt. 1848 in einem Forsthaus Russisch-Podoliens als der Sohn eines israelitischen Bezirksarztes, verbrachte seine Kinderjahre in dem polnisch-jüdischen Czortckow (dem "Barnow" seiner Novellen) in Galizien, bezog nach dem frühen Tod seines Vaters das deutsche Gymnasium zu Czernowitz und studierte 1867-72, ganz auf sich selbst angewiesen, in Wien und Graz Jurisprudenz. Da ihm infolge eines an die Grazer Studentenschaft gerichteten Aufrufs und eines daran sich knüpfenden Prozesses unter dem Ministerium Hohenwart der Staatsdienst verschlossen schien, so ergriff er, trotzdem er die juristischen Staatsprüfungen glänzend bestanden hatte, die Schriftstellerlaufbahn und zwar zunächst als Journalist. Er bereiste als solcher 1872-76 England, Frankreich, Italien, die Schweiz, Deutschland, Ungarn, Rußland, die Türkei, Kleinasien und Ägypten und schlug nach seiner Rückkehr 1877 in Wien seine Heimstätte auf, wo er gegenwärtig die "Neue illustrierte Zeitung" herausgibt. Wir nennen von seinen Schriften: "Aus Halbasien. Kulturbilder aus Galizien, der Bukowina, Südrußland und Rumänien" (Leipz. 1876, 2. Aufl. 1878), welche in glänzender Weise die bunten Eindrücke seiner Jugend zu einem großen Kulturbild zusammenstellen und in fast alle europäischen Sprachen übersetzt wurden; "Die Juden von Barnow" (Novellen, Stuttg. 1877; 3. vermehrte Aufl., Leipz. 1880); "Vom Don zur Donau. Neue Kulturbilder aus Halbasien" (das. 1878); "Junge Liebe", zwei Geschichten (Bresl. 1878, 4. Aufl. 1884); "Stille Geschichten" (Dresd. 1880); die Romane: "Moschko von Parma" (Bresl. 1880) und "Ein Kampf ums Recht" (das. 1881, 2 Bde.); "Mein Franz" (Novelle in Versen, Leipz. 1883); "Das Ghetto des Ostens" (neue Kulturbilder, das. 1883, 3 Bde.); "Der Präsident" (Erzählung, Berl. 1884); "Die Reise nach dem Schicksal" (Stuttg. 1885) und "Tragische Novellen" (das. 1886). Er gab heraus: "Georg Büchners sämtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß" (Frankf. a. M. 1879) und "Deutsches Dichterbuch aus Österreich" (Leipz. 1883).

Franzosen, Börsenname für die Aktien der Österreichischen Staatsbahngesellschaft.

Franzosenholz, s. v. w. Guajakholz.

Franzosenkrankheit, beim Menschen s. Syphilis; bei Tieren s. Perlsucht.

Franzosenöl, s. Tieröl.

Französisch-deutscher Krieg 1870-71, s. Deutsch-französischer Krieg.

Französische Gotik, die in Frankreich ausgebildete Erscheinungsform des gotischen Baustils, der in Frankreich seinen Ursprung genommen und sich von da über die andern Länder Europas verbreitet hat (s. Baukunst, S. 497). In ihrer höchsten Entwickelung zeichnet sich die f. G. durch große Fülle der plastischen Dekoration und reiche Kapellenanlagen um das Chor aus. Man unterscheidet drei Perioden: den strengen Stil (13. Jahrh.), den freien Stil (14. Jahrh.) und den dekorativen oder Flamboyantstil (15. und 16. Jahrh.).

Französische Kirche, s. v. w. Gallikanische Kirche.

Französische Litteratur. Zur Zeit, als die Römer ihre Heere nach Gallien führten, um auch dieses Land ihrem Machtgebiet einzuverleiben, fand die geringe Kultur der Einwohner keltischen Stammes ihren Mittelpunkt in der mächtigen Priesterkaste der Druiden, welche im Verein mit der Sängerzunft der Barden eine gewisse Poesie religiösen und nationalen Charakters gepflegt zu haben scheinen. Doch der Einfluß der übermächtigen römischen Bildung sowie die schnell sich verbreitende christliche Lehre verdrängten die einheimische Sitte bald aus Städten und Dörfern; die widerstrebenden Elemente wurden durch kaiserliches (Tiberius) Dekret des Landes verwiesen: bald gab es keltisches Wesen nur noch in Aremorica (Bretagne), wo die nationale Tradition durch die Abgeschlossenheit der Landschaft und durch fortwährende Zuzüge aus dem stammverwandten Britannien lebendig erhalten wurde. Das neue Element, welches die germanische Invasion ins Land brachte, konnte den Romanisierungsprozeß nicht mehr aufhalten, ja es wäre demselben unbedingt ebenfalls verfallen gewesen, wenn nicht die Machtstellung der Sieger und die fortwährenden Rekrutierungen aus dem Herzen Germaniens Sprache und Sitte immer wieder aufgefrischt hätten. Von größtem Einfluß auf die Verschmelzung der verschiedenen Völker, welche sich auf dem Boden Galliens zusammenfanden, war das Christentum, welches die Gallier überraschend schnell angenommen hatten, und gegen welches sich auch die Germanen nicht lange ablehnend verhielten; leider sind mit Götzendienst und Aberglauben auch die Äußerungen heidnischer Volkspoesie fast gänzlich unterdrückt worden. Denn es ist wohl nicht zu bezweifeln, daß ein jedes von diesen Völkern einen gewissen Schatz an Sagen, Sprüchen, Volksliedern etc. gehabt hat; aber abgesehen von einigen bretonischen Volksliedern, in denen man Spuren druidischer Poesie erkennen will, sind fast alle in jener Zeit verschwunden und nur wenige Reste in lateinischer Sprache auf uns gekommen. Diejenigen, welche im schriftlichen Gebrauch der lateinischen Sprache geübt waren, waren eben Geistliche, und alle Aufzeichnungen, außer denen politischer Akte, waren entweder dem Bedürfnis des Kultus gewidmet, oder entsprangen frommer Begeisterung. Durch den Sturz des weströmischen Reichs hatte die römische Bildung ihren Mittelpunkt verloren und sich in Schulen und Klöster zurückgezogen, und als mit dem zunehmenden Verfall dieser auch die klassische Bildung immer tiefer sank, gewann die Volkssprache, welche damals zum Unterschied von der la-^[folgende Seite]