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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Französische Litteratur

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Französische Litteratur (18. Jahrhundert).

Babois und der berühmte Kritiker Laharpe, wurden aber alle von A. Bertin (gest. 1790) übertroffen. Im eigentlichen Lehrgedicht erreichte Voltaire in seinem Gedicht "La loi naturelle" das Vorbild der französischen Didaktiker. Mehr durch würdige Gesinnung und treffliche Verifikation als durch poetischen Wert ausgezeichnet sind Louis Racines Gedichte: "La Grâce" und "La Religion", welch letztern Gegenstand auch Léonard (gest. 1793) in seinem Gedicht "La religion rétablie sur les ruines de l'idolâtrie" behandelte. Andre didaktische Dichter sind: Roucher (gest. 1794), Bernard (gest. 1776), der Ovids "Ars amandi" nicht ungeschickt nachahmte, Lemierre (gest. 1793), Watelet (gest. 1786, "Art de peindre") und der Kardinal Bernis (gest. 1794, "Les quatre saisons"), der sich auch in der sogen. beschreibenden Poesie einen Namen erwarb. Ausgezeichnet sind zum Teil auch Saint-Lamberts (gest. 1803) deskriptive Gedichte, besonders seine Thomson nachgedichteten "Saisons". In der poetischen Epistel fanden Beifall: Voltaire, Dorat, G. Bernard, Thomas, Bernis, Piron, Gresset, Chamfort, Sedaine, de Moustier, Laharpe und Colardeau (gest. 1776), der auch die "Heroiden" in Mode brachte. Der Fabel ward eine sorgfältige Pflege zu teil durch den Abbé J. L. Aubert (gest. 1814), der höhere Lehren der Philosophie in seine Fabeln einzukleiden versuchte, Dorat (gest. 1780), Florian (gest. 1794), der Lafontaine am nächsten kam, und den Herzog von Nivernois (gest. 1798), in dessen Fabeln man die Urbanität der feinen Pariser Zirkel mit einem Schatz echter Lebensweisheit vereint findet. In der Satire erlangte N. J. ^[Nicolas-Joseph-Laurent] Gilbert (gest. 1780) Ruhm; mit Epigrammen bereicherten Voltaire, Bernard, Piron, Lebrun die f. L.

Die dramatische Poesie wurde im philosophischen Jahrhundert mit ebensoviel Vorliebe wie geringem Kunstverständnis gepflegt. Man blieb im Trauerspiel noch immer dem bestehenden System treu; den Ausbrüchen der Roheit war der Eingang verschlossen, aber auch den Lauten der Natur und des Herzens und somit der eigentlichen Poesie. Den ersten Rang unter den Tragikern dieses Zeitraums behauptet unbestritten Voltaire ("Mérope", "Zaïre", "Alzire", "Tancrède"). Sein über Gebühr begünstigter Nebenbuhler ist der ältere Crébillon (gest. 1762), der den Beinamen "le Terrible" führt; wertvoller sind jedenfalls die Tragödien von Lemierre (gest. 1793) und die einzige Tragödie von Guimond de la Touche (gest. 1761, "Iphigénie en Tauride"). Châteaubrun (gest. 1775) ging auf die griechischen Tragiker zurück, und de Belloy (gest. 1775) wagte sich trotz seines ungeschichtlichen Sinnes an nationale Stoffe aus dem Mittelalter. Den größten Beifall erntete Ducis (gest. 1816) mit seinen Übersetzungen Shakespearescher Stücke, die allerdings, weil er sie dem französischen Geschmack anpaßte, das Original nur in sehr unvollkommener Weise wiedergaben. Gern gesehen wurde damals auch das bürgerliche Schauspiel, eine Art Mittelding zwischen Trauerspiel und Lustspiel, wegen seiner rührseligen Art "Comédie larmoyante" genannt; La Chaussée ("Le préjugé à la mode", 1735), Diderot ("Le fils naturel", 1757; "Le père de famille", 1758) und Sedaine ("Le philosophe sans le savoir", 1765) versuchten sich in diesem Genre, welches den technischen Namen "Drame" erhielt. Das Lustspiel brachte in diesem Zeitraum nur Stücke zweiten Ranges zu Tage; Molière am nächsten steht noch Le Sage mit seinem "Crispin" (1707) und "Turcaret" (1709). Voltaire fiel fast ganz durch; von Destouches (gest. 1754) hielten sich nur zwei Komödien auf der Bühne: "Le philosophe marié" (1727) und "Le Glorieux" (1732); die Komödien Collés (gest. 1783), die auf dem Théâtre français in Szene gingen, hatten keine lange Dauer, während seine Possen, die er für das Theater des Herzogs von Orléans schrieb, viel beklatscht wurden. Für die besten Lustspiele dieser ganzen Zeit halten die Franzosen die "Métromanie" (1738) von Al. Piron und "Le Méchant" (1747) von Gresset, setzen aber Marivaux (gest. 1763) zu sehr herab, dessen feine Komödien erst neuerdings nach Gebühr gewürdigt worden sind. Favarts Lustspiele können auf litterarischen Wert nicht Anspruch machen, ebensowenig die Florians, der den Harlekin wieder einführte und ihm eine sentimentale Maske gab. Den größten Beifall aber fanden die berühmten Komödien: "Barbier de Séville" und "Le mariage de Figaro" von Beaumarchais (gest. 1799), zwei Meisterstücke blendenden Esprits und scharfer Satire. In der ernsten Oper versuchten sich La Mothe, Danchet, Ch. Roy, A. H. Poinsinet; sie übertraf Bernard durch "Castor et Pollux" und Marmontel durch "Didon". In der komischen Oper arbeiteten mit Glück Lesage, d'Orneval und Fuselier, A. Piron, Favart, Sedaine, Marmontel; auch von Rousseau gibt es eine kleine Oper: "Le devin du village". Im Vaudeville zeichnete sich vor allen der schon erwähnte Panard (gest. 1765) aus.

Der Roman war auch in diesem Zeitraum der treueste Spiegel seiner Zeit, denn während er einerseits der frivolen Richtung des Jahrhunderts folgte, hüllte er sich anderseits in die Schleier der Prüderie und Sentimentalität und bewies so auch negativ die Verderbnis des Bodens, dem er entsprossen. Der sogen. philosophische Roman kam durch Voltaire ("Memnon", "Zadig, ou la destinée", "Micromégas", "Candide, ou l'optimisme", "L'Ingénu" u. a.), welcher seinem originellen Mutwillen einen ernsten Anstrich zu geben wußte, in Aufnahme und fand eine Menge Bearbeiter, unter denen Diderot (1713-84, "Jacques le fataliste", "La Religieuse") glänzt, während die Namen der übrigen der Vergessenheit anheimgefallen sind. J. J. Rousseau schuf in seiner "Julie, ou la nouvelle Héloïse" das Meisterwerk des sentimentalen Romans, obschon die didaktische Tendenz das ästhetische Interesse etwas stark in den Hintergrund drängt. Der Familienroman wurde durch Marivaux in die f. L. eingeführt und durch Ch. Duclos (gest. 1772) und A. Prévost d'Exiles (gest. 1763), der eine ungewöhnliche Beobachtungsgabe und eine unerschöpfliche, freilich mitunter seltsam springende Phantasie besaß, weiter ausgebildet. Noch jetzt wird in Frankreich sein Roman "Manon Lescaut" als ein Meisterwerk bewundert. Eine Art historischen Romans ward durch Marmontel (1723-99, "Bélisar", "Incas") und Florian (1755-94, "Numa Pompilius", "Guillaume Tell") nicht ohne Glück angebaut und der eigentliche Sittenroman durch Alain René Lesage (1668-1747) mit seinen besten Musterstücken ("Gil Blas", "Le diable boiteux") bereichert, während Madame Graffigny (gest. 1758) den sentimentalen Ton anschlug. Hoch über ihr steht aber Bernardin de Saint-Pierre (1737-1814), dem ein vielbewegtes Leben und die Verderbtheit der Zeit nicht die Reinheit seiner Gesinnung geraubt hatten, und der mit seinem Meisterwerk: "Paul et Virginie", in ergreifender Einfalt der Darstellung und anziehender, elegischer Sprache unübertroffen dasteht. Montes-^[folgende Seite]