Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Freiburger Alpen; Freidank

642

Freiburger Alpen - Freidank.

dem Abzug der Besatzung schleiften die Franzosen die Festung, und in diesem Zustand wurde die Stadt im Aachener Frieden (1748) an Österreich zurückgegeben. Durch den Frieden von Campo Formio (1798) fiel F. an Herkules III. von Este, Herzog von Modena, als Entschädigung, nach dessen Tod 1803 an den Erzherzog Ferdinand, 1806 aber an Baden. 1821 ward der erzbischöfliche Stuhl von Konstanz nach F. verlegt. Am 23. April 1848 fand hier ein Gefecht zwischen den badischen Aufständischen und den deutschen Bundestruppen statt, welch letztere siegten und 24. April die Stadt einnahmen. Nachdem Ende Juli 1849 die "provisorische Regentschaft" vor dem Anzug der Preußen Karlsruhe verlassen hatte, nahm dieselbe in F. ihren Sitz, sowie sich auch hier die Reste der Insurgenten unter Sigel sammelten, aber beim Herannahen der Preußen die Stadt räumten, welche von diesen 7. Juli besetzt und erst 1851 wieder geräumt wurde. Seit Anfang der 60er Jahre hat F. einen erheblichen Aufschwung genommen. Vgl. Schreiber, Urkundenbuch der Stadt F. (Freib. 1828-29, 2 Bde.); Derselbe, Geschichte der Stadt und Universität F. (das. 1857-60, 7 Tle.); Bader, Geschichte der Stadt F. (das. 1882-83, 2 Bde.); "Zeitschrift der Gesellschaft zur Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von F., dem Breisgau etc."

2) F. (Freyburg) an der Unstrut, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Querfurt, an der Unstrut, hat ein Amtsgericht, eine Stadtkirche in halb gotischem, halb romanischem Stil mit zwei Türmen und (1885) 3142 evang. Einwohner, welche Acker- und Weinbau, Fabrikation von Schaumwein, Zement, Knochenmehl, Papier, Holzstoff und Ziegelsteinen betreiben. Auf dem Marktplatz steht die Statue des Herzogs Christian IV. von Sachsen-Weißenfels, und unmittelbar über der Stadt erhebt sich das alte, von Ludwig dem Springer um 1062 erbaute und nach seiner Zerstörung durch den Erzbischof von Magdeburg (1139) vom Landgrafen Ludwig dem Eisernen wieder aufgebaute (lebendige Mauer), in seiner jetzigen Gestalt aber größtenteils von den Herzögen von Sachsen-Weißenfels herrührende Bergschloß Neuenburg mit Kapelle, Bankettsaal, Wartturm, welches jetzt als Wirtschaftsgebäude des dazu gehörigen Kammergutes dient. In der Nähe von F. ist der "Edelacker", welchen der Sage nach unter Ludwig dem Eisernen der die Bauern arg bedrückende Adel, zur Strafe vor den Pflug gespannt, umackern mußte. Die Stadt ist so alt wie die Burg; 1293 wurde sie vom König Adolf von Nassau erobert und verwüstet, von Friedrich dem Freidigen wieder aufgebaut. Am 21. Okt. 1813 kam es hier zu einem Gefecht zwischen den Preußen unter Henckel v. Donnersmark und einigen polnischen Bataillonen, denen ein großer Trupp österreichischer Gefangener abgenommen wurde. In F. starb 15. Okt. 1852 der Turnvater Jahn.

3) F. unterm Fürstenstein, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Schweidnitz, 279 m ü. M., an der Polsnitz und der Linie Breslau-Sorau-Halbstadt der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, ein Realprogymnasium, Aktiengesellschaft für schlesische Leinenindustrie, sehr bedeutende Uhrenfabrikation (1600 Arbeiter), Emailwarenfabrikation und (1885) mit der Garnison (ein Infanteriebataillon Nr. 10) 9014 Einw., darunter 2400 Katholiken. In der Nähe das alte und neue Schloß Fürstenstein sowie die 1840 zur freien Standesherrschaft Fürstenstein erhobenen Majoratsherrschaften Fürstenstein, Waldenburg und Friedland.

4) F. im Üchtland (F. in der Schweiz), s. Freiburg, Kanton (S. 638).

5) F. in Hannover, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Stade, Kreis Kehdingen, in fruchtbarer Marschgegend unweit der Elbe, zu der ein schiffbarer Kanal führt, hat ein Amtsgericht, ein Landratsamt, eine evang. Pfarrkirche und (1885) 2281 Einw., welche Korn- und Viehhandel, Schiffahrt und Fischerei betreiben. - Das Amt F. umfaßt das alte Land Kehdingen zwischen Schwinge und Oste, vorzugsweise Marsch-, aber auch Moorland mit Ackerbau, vortrefflicher Viehzucht und Schiffahrt.

6) Neu-F., deutsche Kolonie in Brasilien, s. Novo Friburgo. ^[richtig; Nova Friburgo.]

Freiburger Alpen, die zwischen dem Rhône- und dem Aarethal aufgebaute Gruppe der schweizer. Voralpen, von welcher der Hauptanteil eben auf den Kanton Freiburg entfällt, während die Flügelanteile zu Waadt und Bern gehören. Es gehören hierher zunächst die Berge des Greyerzer Landes, einerseits der breite Rücken des Moléson (2005 m), dem sich, hoch den Genfer See überragend, die Dent de Jaman (1879 m) anreiht; anderseits folgen: Dent de Brenleire (2356 m), Dent de Ruth, Schafberg, Berra (1724 m), Schweinsberg und andre das Jaunthal einrahmende Gebirge, die mit der Mährenfluh auf Berner Gebiet übergehen und dort im Ganterist (2178 m) und Stockhorn (2193 m) ihre letzten Häupter haben. Der waadtländische Flügel faßt die südlichen Seitenthäler des Pays d'en Haut ein, z. B. Rüblihorn, Gummifluh und (unmittelbar in das Rhônethal vortretend) die Tour d'Aï (2383 m) und die Tour de Meyen. Während der Col de Jaman (1516 m) noch immer bloßer Bergpfad ist, hat die von Bulle-Gruyères abzweigende, das Jaunthal passierende Route nach dem Niedersimmenthal eine Fahrstraße erhalten, die von der Eidgenossenschaft subventionierte Paßroute Bulle-Boltigen.

Freidank (Vrîdank), Verfasser eines mittelhochdeutschen Lehrgedichts, das den Titel "Bescheidenheit" (d. h. Einsicht, Lebensweisheit) führt, aus dem ersten Drittel des 13. Jahrh. Man hat den Namen für einen allegorischen genommen, hinter dem der Dichter seinen wahren Namen versteckt. Doch ist diese Ansicht ebenso unbegründet wie die von W. Grimm aufgestellte, von Franz Pfeiffer ("Zur deutschen Litteraturgeschichte", Stuttg. 1855) widerlegte Hypothese, daß Walther von der Vogelweide der Verfasser sei. F., wahrscheinlich ein Fahrender aus Schwaben, kam mit dem Kreuzheer Friedrichs II., dessen begeisterter Anhänger er war, nach dem Heiligen Land, wo er 1229 einen Teil seines Gedichts verfaßte. Es handelt in 53 Abschnitten und über 4000 Versen von Gott, Seele, Ketzerei, Arm und Reich, Sünde, Pfaffen, Königen und Fürsten, Weisen und Thoren, Weib und Liebe, Erkenntnis, Gut und Übel, Rom etc. und schließt mit einem Gebet. Es stand im ganzen Mittelalter und bis ins 16. Jahrh. hinein in hohem Ansehen und verdiente diese Auszeichnung, indem es wenn auch ohne festen Plan und daher als dichterische Komposition mangelhaft, doch einen reichen Schatz von Lebensweisheit und Erfahrung, zum Teil in Anlehnung an die Sprichwörter des Volkes, in sich schließt. In zahlreichen Handschriften erhalten, wurde es zuerst in der Sammlung von Müller (Bd. 2) veröffentlicht, kritisch behandelt in den Ausgaben von W. Grimm (Gött. 1834, 2. Aufl. 1860), von Bezzenberger (Halle 1872), von Sandvoß (wenig genügend, Berl. 1877). Eine erweiternde Umarbeitung gab Sebastian Brant (1508 u. öfter); neudeutsche Bearbeitungen liegen vor