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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Friesensteine; Friesische Inseln; Friesische Leiter; Friesische Sprache und Litteratur

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Friesensteine - Friesische Sprache und Litteratur.

den Sitzungen des Bundesrats und des Reichstags mitgewirkt. Im Herbst 1870 wurde er von dem Bundespräsidium zum Kommissar für die Verhandlungen mit den süddeutschen Staaten wegen der Vereinigung derselben mit dem Norddeutschen Bund und Bildung des Deutschen Reichs bestimmt und in dieser Eigenschaft im Oktober nach Versailles berufen, wo er die bezüglichen Verträge mit Württemberg, Baden und Hessen mit verhandelt und abgeschlossen hat. 1869 wurde er mit der Generaldirektion der königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, 1871 mit dem Vorsitz im Gesamtministerium betraut und schied 1. Nov. 1876 aus dem sächsischen Staatsdienst. Die von ihm veröffentlichten "Erinnerungen aus meinem Leben" (Dresd. 1880, 2 Bde.) machten durch die Leichtfertigkeit der darin enthaltenen Entstellungen von Thatsachen und der Angriffe auf Personen (ihm nachgewiesen von Th. Flathe in Sybels "Historischer Zeitschrift", neue Folge, Bd. 10, und von Beust in "Erinnerungen zu Erinnerungen", Leipz. 1881) ein peinliches Aufsehen.

Friesensteine, die höchste Erhebung (885 m) im Landeshuter Kamm der Sudeten, bestehend aus drei Granitmassen.

Friesische Inseln, langgestreckte Inselreihe an der Holländischen und deutschen Nordseeküste, von der Spitze von Helder in Holland bis zur deutsch-dänischen Grenze in Jütland sich ziehend, nur unterbrochen durch die Gegend der Weser- und Elbmündung. Reste ehemaligen Festlandes, welches durch Einbrüche des Meers besonders in den Jahren 1277, 1287, 1511 und 1634 weggeschwemmt wurde, verfolgen sie die Küste in ziemlich gleicher Entfernung, sind in der Richtung derselben gestreckt und stehen mit ihr durch die zur Zeit der Ebbe trocken liegenden Watte noch in Verbindung. Man unterscheidet drei Gruppen: West-, Ost- und Nordfriesische Inseln. Die Inseln der beiden ersten Gruppen ziehen sich in der Richtung der holländischen, ostfriesischen und oldenburgischen Küste von W. nach O., die der letztern in der schleswigschen Westküste von S. nach N. Zur ersten Gruppe gehören: Texel, Vlieland, Terschelling, Ameland, Schiermonikoog ^[richtig: Schiermonnikoog], Boschplaat und Rottum; zur zweiten Gruppe zählen: Borkum, Memmert, Juist, Norderney, Baltrum, Langeroog, Spiekeroog und Wangeroog, während Nordstrand, Pellworm, Amrum, Föhr, Sylt, Romöe, Fanö und zahlreiche kleinere Inseln der letzten Gruppe angehören. Die Westfriesischen Inseln sind holländisch, die Ostfriesischen Inseln gehören mit Ausnahme des oldenburgischen Wangeroog zur preußischen Provinz Hannover, die Nordfriesischen, von denen nur die nördlichste, Fanö, dänische Besitzung ist, zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Über die Natur der Inseln s. die Einzelartikel.

Friesische Leiter, s. Spanische Reiter.

Friesische Sprache und Litteratur. Die Sprache der alten Friesen ist ein Zweig des germanischen Stammes, und zwar nimmt sie eine Mittelstellung zwischen dem Altsächsischen und Angelsächsischen ein. Die altfriesische Sprache hat keine Dichterwerke aufzuweisen, und es entgeht uns daher nicht bloß eine Menge der lebendigsten Ausdrücke, sondern es fehlt auch der Maßstab, nach welchem wir ihre Lautverhältnisse besser aufzufassen im stande wären, als dies bei dem nicht sehr weit zurückreichenden Alter der friesischen Rechtsbücher und der Verschiedenheit der Handschriften möglich ist. Letztere gehören sämtlich erst dem 14. und 15. Jahrh. an ("Friesische Rechtsquellen", hrsg. von v. Richthofen, Berl. 1840); jedoch sind sie wegen der Stabilität des altfriesischen Idioms für die Erforschung der altgermanischen Sprachen immerhin von nicht geringer Bedeutung. Für die ältere Zeit fließen uns nur sehr spärliche Quellen, denn die altfriesischen Ausdrücke, die sich in der Lex Frisionum (s. Friesisches Recht) hin und wieder finden, sowie die altfriesischen Eigennamen der Annalen und Urkunden gewähren nur geringe Ausbeute für die Forschung. Die altfriesischen Sprachlaute stimmen meist mit denen der oben genannten verwandten Dialekte überein; eine sehr charakteristische Eigentümlichkeit des Friesischen ist es jedoch, daß k und g vor i und e in einen z-Laut übergehen, z. B. tserke aus kerke (Kirche), lidszia = altsächsisch liggian (liegen). Das Friesische ist die einzige germanische Sprache, welche diesen in den romanischen und besonders in den slawischen Sprachen sehr gewöhnlichen Lautvorgang kennt. Die altfriesische Sprache ist uns in den Rechtsquellen in zwei Hauptmundarten überliefert: der westfriesischen (westlich der Ems in den Niederlanden) und der ostfriesischen (zwischen Ems und Wesermündung); von einem dritten Zweig des Friesischen, dem Nordfriesischen, sind keine ältern Sprachdenkmäler überliefert. Eine Grammatik der altfriesischen Sprache lieferte zuerst Rask ("Frisisk Sproglære", Kopenh. 1825; deutsch von Buß, Freiburg 1834). In seinem Zusammenhang mit den übrigen germanischen Sprachen wurde das Altfriesische behandelt von Grimm in seiner "Deutschen Grammatik", ferner in der altfriesischen Sprachlehre, welche M. Heyne gibt in seinem Buch "Kurze Laut- und Flexionslehre der altgermanischen Sprachstämme" (3. Aufl., Paderb. 1874); vgl. noch besonders die Abhandlung von Th. Siebs in Paul und Braune, "Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur", Bd. 11. Als altfriesische Wörterbuch er sind zu nennen das nun veraltete von Wiarda (Aurich 1786) und das ganz vorzügliche von Richthofen (Götting. 1840); ohne wissenschaftliche Bedeutung ist de Haan Hettemas "Idioticon frisicum" (Leeuw. 1874).

Die friesische Sprache hat heutzutage viel von ihrem ältern Verbreitungsgebiet verloren. Analog den ältern Verhältnissen sind die neufriesischen Mundarten in drei Gruppen zu teilen: 1) Das Westfriesische, auch Bauern- oder Landfriesisch genannt, weil es nur noch auf dem Land gesprochen wird, ist gegenwärtig auf Hindeloopen, Bolsward, Leeuwarden und die Umgegend beschränkt. Ein großer Teil des ältern westfriesischen Gebiets ist durch die holländische Sprache eingenommen, welche auch in dem noch friesisch redenden Gebiet die eigentliche Schriftsprache ist. Jedoch ist gerade hier in Westfriesland das friesische Stammes- und Sprachbewußtsein sehr lebendig, und schon seit zwei Jahrhunderten war man eifrig bemüht, durch litterarische Produktionen in friesischer Sprache dieses Bewußtsein zu kräftigen. Ein angesehener älterer Dichter der Westfriesen ist Gysbert Japicx, dessen "Friesche rijmlerye" (Bolsward 1668) von Epkema (mit Wörterbuch, Leeuw. 1824, 2 Bde.) u. von Dykstra (Amsterd. 1855) herausgegeben wurde. Als neuere Dichter sind zu nennen: Salverda ("Itjtlijcke friesche rijmckes", Sneek 1824), Posthumus ("Prieuwcke fen friesche rijmmelerije", Groning. 1824; "In Jouverkoerke", das. 1836) und vornehmlich die Brüder E. und J. H. ^[Justus Hiddes] Halbertsma. Des letztern (gest. 1858) bedeutendstes poetisches Produkt in dieser Mundart ist: "De Lapekoerfen" (Gabe Scroar, Deventer 1822 u. öfter;