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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fuà-Fusinato; Fuang; Fucecchio; Fucenter; Fuchs

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Fuà-Fusinato - Fuchs.

begleitete er 1834 den Großadmiral Tahir Pascha auf der Expedition gegen Tripolis, gab aber nach seiner Rückkehr den ärztlichen Beruf auf und trat in das Büreau der Dolmetschen der Pforte. Wegen seiner Kenntnisse in den neuern Sprachen und im Völkerrecht 1840 dem als Gesandten nach London geschickten Aali Pascha beigegeben, bewies er großes diplomatisches Geschick und ward 1843 zum zweiten Dolmetsch der Pforte, dann zum Direktor des Übersetzungsbüreaus in Konstantinopel und 1848 zum Großreferendar (Amedji) des großherrlichen Diwans befördert. Nachdem er 1848 als Generalkommissar in den Donaufürstentümern gewirkt u. 1849 eine außerordentliche Mission nach Rußland übernommen hatte, erhielt er im Dezember 1849 die Stelle eines Musteschars im Ministerium und 1852 die des Ministers des Auswärtigen. In dieser Stellung erregte er durch eine die russischen Prätensionen bekämpfende Broschüre: "La vérité sur la question des lieux saints", das Mißfallen des Zaren Nikolaus und sah sich infolge davon vom Fürsten Menschikow, der im März 1853 als außerordentlicher Botschafter in Konstantinopel erschien, so feindselig und rücksichtslos behandelt, daß er seine Entlassung forderte, die er auch erhielt. Während der orientalischen Wirren übernahm er 1854 eine Mission als Regierungskommissar in das Hauptquartier Omer Paschas, dann nach Epirus, wo er die Insurrektion energisch unterdrückte. Nach seiner Rückkehr ward er zunächst nicht verwendet und erst 1857 Präsident des Tanzimatrats. Im Januar 1858 übernahm er abermals das Ministerium des Auswärtigen, wohnte vom April bis August als Vertreter der Pforte den Konferenzen zu Paris bei, welche die Organisation der Donaufürstentümer zum Zweck hatten, und unterzeichnete den Vertrag vom 19. Aug. 1858. Im Juli 1860 als Kommissar nach Damaskus gesandt, strafte er die an den dortigen Metzeleien Beteiligten mit rücksichtsloser Strenge. Nach der Thronbesteigung von Abd ul Asis ward F. 1861 zum Großwesir ernannt und im Februar 1862 mit der obersten Leitung der Finanzen betraut, welche er durch mehrere Reformen zu bessern versuchte. 1866 als Großwesir entlassen, übernahm er 1867 wieder das Auswärtige und bemühte sich mit Erfolg, den Frieden aufrecht zu erhalten. Um den Sultan mit europäischen Reformen zu befreunden, bewog er ihn 1867 zu einer Reise nach dem westlichen Europa, auf der er ihn begleitete. Aber schon Ende 1868 ergriff ihn eine verzehrende Krankheit, welcher er 12. Febr. 1869 in Nizza erlag. Abgesehen von seiner politischen Wirksamkeit, in welcher er eine gründliche Reform nie versucht hat, war F. auch auf wissenschaftlichem Gebiet thätig und angesehen. Er schrieb eine "Grammatik der osmanischen Sprache" (deutsch von Kellgren, Helsingf. 1855) und war als Dichter anerkannt; auch war er Mitglied der seit 1851 in Konstantinopel bestehenden Akademie der Wissenschaften.

2) Mehemed, türk. General, geboren um 1840 zu Kairo als Sohn eines ägyptischen Offiziers, wuchs in Konstantinopel auf, erhielt eine vortreffliche militärische Bildung, zeichnete sich als Reiteroffizier aus, erhielt 1877 ein Reiterdetachement in der ostbulgarischen Armee, das er vortrefflich ausrüstete, organisierte und einübte, siegte 4. Dez. 1877 über die Russen bei Elena, ward 1878 zum Muschir und Befehlshaber eines der bei Konstantinopel zusammengezogenen Korps ernannt und vom Sultan durch besondere Gunst bevorzugt. 1879 suchte er Osman Pascha zu stürzen, verlor aber selbst seinen Posten. Er ist jetzt Generaladjutant des Sultans, aber ohne Einfluß.

Fuà-Fusinato, Erminia, ital. Dichterin, geb. 5. Okt. 1834 zu Rovigo aus einer wohlhabenden israelitischen Familie, welche 1835 nach Padua übersiedelte. Die Natur hatte sie in gleichem Maß mit körperlichen Reizen und mit geistigen Gaben ausgestattet. Ihre dichterische Begabung verriet sich schon sehr frühzeitig. Die politische Begeisterung des Jahrs 1848 gab ihrer Poesie zum Teil eine politische, patriotische Richtung. Sie veröffentlichte viele Gedichte in Zeitschriften und Almanachen und eine selbständige Sammlung: "Versi e fiori" (Pad. 1852). Im J. 1856 vermählte sie sich, nachdem sie zuvor zum Christentum übergetreten war, mit dem Dichter Arnaldo Fusinato (s. d.), siedelte mit diesem 1864 nach Florenz über und folgte 1870 einem Ruf nach Rom, um hier unter den Auspizien des Munizipiums eine höhere Töchterschule (die erste in Italien!) zu gründen und zu leiten. Sie starb daselbst 27. Sept. 1876. Eine Reihe von "Stornelli", mit welchen sie Florenz als die neue Residenz des Königreichs Italien feierte (1870), wurde auf Kosten der Stadt Florenz gedruckt; eine Gesamtausgabe ihrer "Versi" erschien Florenz 1879; ihre "Scritti letterarii" gab Ghivizzani (Mail. 1883) heraus. Vgl. Molmenti, E. F. e i suoi ricordi (Mail. 1878).

Fuang, 1) siames. Gold- und Silbergewicht, = ½ Salung = ⅛ Tikal = 1,9115 g; 2) Münze in Siam, = ⅛ Bat oder Tikal = 0,3175 Mk. Die Münze war früher ziemlich kugelförmig, von der Größe einer Erbse, seit 1862 scheibenförmig.

Fucecchio (spr. futschetjo), Ortschaft in der ital. Provinz Florenz, Kreis San Miniato, am Arno, hat eine sehenswerte Kirche, eine alte Citadelle und (1881) 3559 Einw.

Fucenter, Bewohner der Stadt Alba Fucentia (s. Alba 2) im Gebiet der Marsen am Fuciner See.

Fuchs (Rotfuchs, Canis Vulpes L.), Raubtier aus der Familie der Hunde (Canidae) und der Gattung Hund (Canis L.), von Hunden, Wölfen und Schakalen durch den gestreckten Leib, den verlängerten Schädel, die spitze Schnauze, die senkrecht stehende elliptische Pupille, die niedern Läufe, den langen, buschigen Schwanz und besonders auch durch geistige Fähigkeiten und die Lebensweise unterschieden. Er ist 90 cm lang, mit 40 cm langem Schwanz, 35-38 cm hoch, 7-10 kg schwer. Der dichte, weiche Balg ist fahl gräulichrot, auf der Oberseite rost- oder gelbrot, an der Stirn, den Schultern und dem Hinterteil des Rückens weiß überlaufen, an den Lippen, Wangen und der Kehle weiß, an Brust und Bauch aschgrau, an den Weichen weißgrau, an den Ohren und Zehen schwarz; der Schwanz ist gelbrot, schwärzlich überlaufen mit weißer Spitze. Am schönsten und größten ist der F. im Norden; er wird kleiner, schwächlicher und weniger rot, je weiter man nach Süden geht, und namentlich in flachen, sumpfigen Gegenden. Der spanische und südfranzösische weicht so sehr von dem nordischen ab, daß man ihn als eigne Art betrachtet hat. Überall paßt sich der Balg in seiner Färbung dem Boden trefflich an. Man findet den Rotfuchs weitverbreitet in Europa, auch noch in Nordafrika, in West- und Nordasien, selbst in Nordamerika. In manchen Gegenden ist er sehr häufig, aber auch noch unter sehr ungünstigen Verhältnissen fehlt er nie ganz. Er lebt paarweise in tiefen, meist verzweigten Höhlen im Geklüft, zwischen Wurzeln und an andern günstigen Stellen, welche in einen geräumigen Kessel von 1 m Durchmesser münden, gräbt aber den Bau nicht gern selbst, sondern bezieht verlassene Dachsbaue oder nistet sich bei dem Dachs ein, ohne, wie