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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fügebank; Fügeeisen; Fugen; Fügen; Fugenschnitt; Füger; Fugger

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Fügebank - Fugger.

wechseln. Die fünfstimmige F. gestattet aber 120 verschiedene Stimmenfolgen dieser Art. Dazu kommen ebenso viele Möglichkeiten für die im Verlauf der F. auftretenden fernern Durchführungen, welche mit dem Comes anfangen dürfen (die zweite Durchführung beginnt sogar regelmäßig mit dem Comes), sowie die Lizenzen, daß zwei Stimmen nacheinander den Dux oder Comes bringen. Die Vielgestaltigkeit der F. trotz des scheinbaren Schematismus ist hieraus klar ersichtlich. Der Gefährte ist eine Transposition des Führers auf die Quinte (Unterquarte, Oberduodezime, Unterundezime) und zwar entweder eine ganz getreue Transposition (Realfuge) oder eine durch Rücksichten auf die Festhaltung der Tonart modifizierte (tonale F., Fuga de tono). Das Hauptgesetz für die tonale Beantwortung des Fugenthemas ist, daß Tonika und Dominante (Prime und Quinte der Tonart) einander gegenseitig antworten, z. B. ^[img]

Bei Bach sind beide Arten häufig zu finden. Vgl. Hauptmanns Erläuterungen zu Bachs Kunst der F. sowie desselben bezügliche Aufsätze in den Wiener "Rezensionen" (1865, abgedruckten desselben "Opuscula"), wo die Gesetze für die tonale Beantwortung des Themas in geistvollster Weise dargelegt und die frühern Aufstellungen eines Marpurg, Kirnberger, Albrechtsberger, Sechter etc. vervollständigt sind. Der ersten Durchführung (Exposition) der F. folgt ein meist nur kurzes Zwischenspiel (Zwischensatz, Episode, Divertimento, Andamento), das Motive des Themas oder Kontrasubjekts frei verarbeitet und eine leichte Modulation in eine verwandte Tonart macht, aber schnell zurückkehrt; bei ausgedehnten Fugen müssen die Episoden interessant gestaltet werden, wenn nicht die ewige Wiederkehr des Themas ermüden soll. Eine dritte Durchführung pflegt ganz frei angelegt zu werden, das Thema in andrer Tonart zu bringen und die Antworten nicht in der Quinte, sondern in andern Intervallen, auch wohl wieder andern Tonarten. Besondere Freiheiten sind die Beantwortung des Themas in der Umkehrung, Verkürzung oder Verlängerung und mit einzelnen rhythmischen Abweichungen. Die letzte Durchführung ist in der Regel ein kontrapunktisches Kunststück, nämlich die mehrfache Engführung (Stretto) von Führer und Gefährten (Einsätze in schneller Folge, so daß beide teilweise zugleich erklingen). Die F. ist recht eigentlich der Tummelplatz aller kontrapunktischen Künste, sofern die gleichzeitige Fortführung des Themas und seines Kontrapunktes die Anwendung des doppelten Kontrapunktes in der Oktave und in der Duodezime bedingt und zu kanonischen Führungen aller Art bis zum Krebskanon Gelegenheit geboten ist. Da das Thema der F. entweder kurz oder, wenn länger, rhythmisch sehr übersichtlich gestaltet und aus wenigen Motiven zusammengesetzt ist, so bleibt es in allen Verkleidungen leicht kenntlich. Wird das Kontrasubjekt mit seiner Beantwortung durch die ganze F. als Gesellschafter des Themas und der Antwort festgehalten, so ist die F. eine strenge (obligate). Die sogenannte Doppelfuge ist eine F. mit zwei Themata, von denen erst das eine und dann das andre regulär durch geführt wird, das zweite aber sich in einer dritten Durchführung als Kontrapunkt des ersten erweist. Vgl. auch Choralbearbeitung. Das Beste über Fugenlehre ist außer den genannten Aufsätzen von M. Hauptmann zu finden in Marpurgs "Abhandlung von der F.", Albrechtsbergers "Gründlicher Anweisung zur Komposition", Cherubinis "Cours de contrepoint et de fugue", Fétis' "Traité de la fugue", E. F. E. Richters "Lehrbuch der F." (5. Aufl., Leipz. 1886) und Dehn-Scholz' "Lehre vom Kontrapunkt" (2. Aufl., Berl. 1882).

Fügebank, s. Hobel.

Fügeeisen (Kröseleisen), hakenähnliches Werkzeug zum Abbrechen kleiner Glasteile von den Rändern der Glasscheiben.

Fugen, in der Tischlerei die Verbindung zweier Bretter an ihren Kanten; fügen, das Abhobelnder langen Bretterkanten.

Fügen, Ort, s. Zillerthal.

Fugenschnitt nennt man eine derartige scharfkantige Bearbeitung der Berührungsflächen von zwei Gegenständen (Steinen, Holzblöcken), daß dieselben auch ohne Bindemittel, wie Mörtel oder Leim, aneinander haften.

Füger, Friedrich Heinrich, Maler, geb. 1751 zu Heilbronn, widmete sich in Stuttgart unter Guibal der Malerei, sodann in Halle dem Studium der Rechtswissenschaft, kehrte aber zur Kunst zurück und bildete sich in Dresden unter Öser zum Zeichner aus. Im J. 1774 begab er sich nach Wien und von da als kaiserlicher Pensionär nach Rom. Von hier 1782 nach Neapel berufen, um die Bibliothek der Königin mit Fresken zu schmücken, kehrte er 1784 nach Wien zurück und wurde hier Vizedirektor an der Akademie, Hofmaler und Professor; später ward er Direktor der Gemäldegalerie des Belvedere und starb 5. Nov. 1818 in Wien. Seine Werke charakterisieren sich durch ein akademisches Idealisieren, worin er, wie sein Vorbild Mengs, das Höchste der Kunst suchte, sowie durch Haschen nach Lichteffekten und durch glänzenden Vortrag. Auch zeigt er oft eine Hinneigung zu der Manieriertheit der Davidschen Schule. Doch sind seine Werke im allgemeinen von trefflicher Anordnung und gefälliger Wirkung, und die Ausführung verrät überall den gediegenen Techniker. Zu seinen besten Arbeiten zählen seine Zeichnungen zu Klopstocks "Messiade", die er auch in Öl ausgeführt hat (gestochen von Leypold). Die Mehrzahl seiner Gemälde behandelt mythologische oder allegorische Stoffe sowie solche aus der alten Geschichte. In der Galerie des Belvedere zu Wien befinden sich von ihm: Adam und Eva den toten Abel beklagend (1799), Johannes der Täufer (1811), die heil. Magdalena (1816) und die Allegorie auf die Segnungen des Friedens (Apotheose Kaiser Franz' I.). Fügers Einfluß war in Wien ein Vierteljahrhundert hindurch maßgebend.

Fugger, berühmtes Fürsten- und Grafengeschlecht im bayrischen Schwaben, welches die Tradition von einem armen Weber, Johannes F., abstammen läßt, der 1368 aus dem Dorf Graben bei Schwabmünchen in Augsburg einwanderte und durch Vertrieb von selbstgefertigtem Barchent großes Vermögen erwarb. Doch war es nicht die Industrie, aus der die Größe der Familie erwuchs, sondern die kaufmännische Spekulation, Wechselgeschäfte, namentlich die Ausbeutung von Kupferbergwerken in Ungarn, Tirol und Steiermark. Johannes F. erwarb durch die Heirat mit einer Augsburgerin das Bürgerrecht, ward Mitglied des Großen Rats der Weberzunft und starb 1409. Sein erster Sohn, Andreas, stiftete die von dem 1452 durch Friedrich III. ihr verliehenen Wappen die F. vom Reh genannte und 1583 erloschene Linie. Der eigentliche Begründer des Hauses ist aber Johannes' zweiter Sohn, Jakob (gest. 1469). Von