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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gallomanie; Gallon; Gallophasis; Gallophil; Galloromanisch; Galloway; Gallowaykessel; Galluppi; Gallus

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Gallomanie - Gallus.

Das Weibchen fliegt von Mitte Juni bis Mitte Juli und legt seine Eier bis zu zehn Stück in je eine Weizenblüte; die bald ausschlüpfenden lebhaft gelben Larven leben vom Blütenstaub oder dem Milchsaft des jungen Korns und bewirken ein brandiges Aussehen der Ähren. Auch an Roggen, Gerste und andern Gramineen sollen sie vorkommen. Sie gehen zur Erntezeit flach in die Erde, überwintern dort und verpuppen sich im Frühjahr; viele gelangen aber auch in die Scheuern. Zur Bekämpfung ist der Staub nach dem Ausdrusch und der Reinigung des Getreides zu vernichten und die Stoppel tief umzupflügen. Die Kohlgallmücke (C. brassicae Winnertz), 1 mm lang, mit dunklem Körper, stellenweise silbern schimmernder Behaarung und fleischrotem, braun und schwarz gebändertem Hinterleib, überwintert und legt im Frühjahr ihre Eier in die Narben der Fruchtknoten der Rübsaat; die milchweiße Larve lebt in den Schoten der Rübsaat und saugt an den jungen Samen, oft 50-60 Stück in einer Schote. Sie verpuppt sich in der Erde, und die bald ausschlüpfende Mücke bildet in den Schoten andrer Kruciferen eine zweite Generation. Auch den Obstbäumen werden manche G. schädlich, und viele gallenerzeugende Arten leben auf Weiden; auch die zwiebelförmigen, roten und gelben Gallen auf Buchenblättern sowie die erbsengroßen auf Zitterpappelblättern werden von Gallmückenlarven erzeugt.

Gallomanie (Gallikomanie, latein.-griech., Frankomanie), die übertriebene Vorliebe für gallisches, d. h. französisches, Wesen; Galloman, Gallikoman, für französisches Wesen Schwärmender.

Gallon, Einheit des engl. Hohlmaßes, sowohl für trockne als flüssige Gegenstände. Das Imperial g. (Reichsgallon) enthält gesetzlich 10 Pfd. englisches Avoirdupoisgewicht destillierten Wassers bei 62° F. oder 13⅓° R. gewogen, oder 4,543 Lit. Das G. wird in 2 Pottles à 2 Quarts à 2 Pints à 4 Gills eingeteilt. Beim Trockenmaß sind 8 Gallons = 1 Bushel, 64 Gallons = 1 Quarter; beim Flüssigkeitsmaß 63 Gallons = 1 Hogshead (Oxhoft), 84 Gallons = 1 Puncheon, 252 Gallons = 1 Tun. Getreide wird gewöhnlich nach dem Quarter (s. d.) verkauft, Flüssigkeiten nach dem G. Das alte englische Weingallon, welches noch im Handel in einigen englischen Kolonien und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika angewendet wird, enthält nur 3,7852 L. = 0,83311 Imperialgallon. In der Praxis sind 5 Imperialgallons = 6 alte Weingallons. Das alte Biergallon enthält 4,6209 L. = 1,0170 Imperialgallon. Beim englischen Zollwesen ist nur das Imperialgallon gültig.

Gallophasis, s. Fasan.

Gallophil (lat.-griech.), Franzosenfreund.

Galloromanisch, aus der Verschmelzung des Gallischen und Romanischen entstanden.

Galloway (spr. gállowe v. sächs. Gallweia, lat. Gallwegia), Land der aus Irland im 9. und 10. Jahrh. eingewanderten Kelten (Galli), im südwestlichen Schottland. Die Landschaft umfaßt Wigtown- und Kirkcudbrightshire und endet südlich mit dem steilen Vorgebirge Mull of G. Der letzte der unabhängigen einheimischen Fürsten starb 1233, und die keltische Sprache lebt nur noch in einigen geographischen Namen fort. G. ist wegen seiner Rinder berühmt.

Gallowaykessel, s. Dampfkessel, S. 450.

Galluppi, Pasquale, ital. Philosoph, geb. 2. April 1770 zu Tropea im Königreich beider Sizilien, aus der experimentalpsychologischen Schule von Genovesi hervorgegangen, versah lange Jahre hindurch eine Stelle in der Verwaltung der Finanzen, widmete sich jedoch mit so beharrlichem Eifer philosophischen, insbesondere psychologischen u. erkenntnis-theoretischen, Studien, daß er, nachdem seine seit 1819 erschienenen und längere Zeit unbeachtet gebliebenen Schriften die Aufmerksamkeit, insbesondere (1827-29) Romagnosis, auf sich gezogen hatten, 1831 endlich die Lehrkanzel der Philosophie zu Neapel besteigen durfte, die er bis zu seinem Tod (November 1846) ehrenvoll versah. G. war zwar nicht der erste, der in Italien auf Kant aufmerksam machte, was schon vor ihm der Abbé Soave in seinen "Istituzioni" nach dem Buch des Franzosen Ch. Villers (Metz 1801) gethan hatte; er ist aber der erste, der in Italien Kants Wichtigkeit begriff und sie den Italienern begreiflich machte. Seine ersten Schriften, eine apologetische Denkschrift (1795) und eine Abhandlung über Synthese und Analyse (1807), sind unbedeutend; den Einfluß Kants verrät sein erstes größeres Werk: "Saggio filosofico sulla critica della conoscenza", dessen zwei erste Bände schon 1819, die beiden andern erst 1832 in Neapel erschienen (neue Ausg., Mail. 1847, 6 Bde.), sowie sein Hauptwerk: "Elementi di filosofia" (Neap. 1820-27, 5 Bde.; 4. Aufl., das. 1842), und seine "Lettere filosofiche" (das. 1827, 2. Aufl. 1838; franz. von Peissel, Par. 1847). Ohne sich an den von ihm Bewunderten anzuschließen, dessen Theorie der synthetischen Urteile er vielmehr verwirft, und dessen behauptete Subjektivität der Erkenntnis der Außenwelt er bestreitet, geht er doch über den durch Romagnosi im Norden, Genovesi im Süden Italiens herrschend gewordenen Sensualismus Condillacs hinaus und sucht nach dem Muster des Schotten Reid zwischen Locke und Kant, Empirismus und transcendentalem Idealismus, einen Mittelweg einzuschlagen. Auf diesem kommt er dahin, im Gegensatz zu Kant der menschlichen Erkenntnis objektiven Wert und die Fähigkeit einzuräumen, uns mit der dreifachen Realität des Ichs, der Welt und der Gottheit, und zwar mit beiden erstern direkt, mit der dritten indirekt, in Rapport zu setzen. Die während seiner akademischen Lehrthätigkeit publizierten Schriften: "Filosofia della volontà" (Neap. 1835-42, 4 Bde.), "Lezioni di logica e di metafisica" (das. 1842, 3 Bde.; Livorno 1854), beide zunächst zu Schulzwecken verfaßt, sowie die "Considerazioni filosofiche sull' idealismo trascendentale e sul razionalismo assoluto" (das. 1841 u. öfter) und die unvollendete "Storia di filosofia" (das. 1842, Bd. 1) enthalten seine Lehre in ihrer letzten, im wesentlichen unverändert gebliebenen Gestalt. Vgl. Werner, Kant in Italien (Wien 1880).

Gallus, Huhn, Hahn.

Gallus, indischer, s. Bablah.

Gallus, 1) Gajus Vibius Trebonianus, röm. Kaiser von 251 bis 253, Nachfolger des Decius, bis 252 zusammen mit Hostilianus, beendigte den Krieg mit den Goten sogleich durch einen schimpflichen Frieden, in dem er denselben eine jährliche Abgabe versprach. Das Reich war während seiner unthätigen Regierung stets durch Einfälle der Barbaren, dazu durch eine Pest in Italien heimgesucht. Im Kampf gegen Ämilianus, Statthalter von Pannonien, fanden G. und sein Sohn Volusianus durch die Hand ihrer eignen Soldaten den Tod.

2) Sohn des Julius Constantius und dadurch Neffe Konstantins d. Gr., älterer Bruder des nachherigen Kaisers Julianus Apostata. Die beiden Brüder G. und Julianus wurden zuerst in verschiedenen Städten Ioniens und Bithyniens erzogen und sodann in einem Schloß bei Cäsarea bewacht. Als