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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gamasina; Gamasus; Gamba; Gambade; Gambara; Gambe; Gambenstimmen; Gambesson; Gambetta

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Gamasina - Gambetta.

reren feststehenden Volks- und Standestrachten üblich. Unter Gamaschendienst versteht man einen pedantischen, auf das Kleinliche gerichteten Dienst, da mit der früher beim Militär gewöhnlichen vielknöpfigen Art G., besonders mit den gewichsten, viel Mühe und Unbequemlichkeit verbunden war.

Gamasina (Schmarotzermilben), Familie aus der Ordnung der Milben (s. d.).

Gamasus, s. Milben.

Gamba, 1) Bartolommeo, ital. Bibliograph und Biograph, geb. 16. Mai 1776 zu Bassano, kam mit dem zehnten Jahr als Gehilfe in die Buchdruckerei des Grafen Remondini, wo er sich durch Privatfleiß zum Bibliographen ausbildete, gründete nach Remondinis Tod eine eigne Buchhandlung in Padua und erwarb in der Folge die unter dem Namen Alvisopoli bekannte Buchdruckerei in Venedig. 1811 zum Zensor der adriatischen Provinzen, später zum Vizebibliothekar von San Marco in Venedig ernannt, starb er 3. Mai 1841 daselbst. Seine Hauptwerke sind: "Serie dell' edizioni dei testi di lingua italiana" (Bassano 1805; 4. Aufl., Vened. 1839); "Narrazione de' Bassanesi illustri" (Bassano 1807); "Galleria dei letterati ed artisti illustri delle provincie venete nel secolo XVIII" (mit Negri und Zendrini, Vened. 1824, 2 Bde.); "Elogi d'illustri Italiani" (das. 1829); "Catalogo delle più importanti edizioni della Divina Commedia" (Padua 1832); "Bibliografia delle novelle italiane in prosa" (2. Aufl., Flor. 1835) u. a. Eine Sammlung kleinerer Arbeiten erschien unter dem Titel: "Alcune operette" (Mail. 1827).

2) Pietro, Graf von, Philhellene, Bruder der durch ihre Verbindung mit Lord Byron bekannten Gräfin Guiccioli, geb. 1801 zu Ravenna, begleitete Byron nach Griechenland, ward, nachdem er im Angesicht der Festung Missolunghi von einem türkischen Kaper gefangen, aber bald wieder freigegeben war, von Byron zu Missolunghi als Offizier angestellt, pflegte den kranken Freund bis zu dessen Tod und reiste dann nach London zurück, wo er "A narrative of Lord Byron's last journey to Greece" (1825) herausgab. Nach Griechenland zurückgekehrt, diente er unter Fabvier als Freiwilliger, erlag aber schon Ende 1825 den Beschwerden des Klephthenkriegs in dem Dorf Dara.

Gambade (franz., spr. gangbad), Luft-, Bockssprung.

Gambara, Veronica, ital. Dichterin, geb. 30. Nov. 1485 zu Prat' alboino bei Brescia, erhielt eine gelehrte Erziehung, durch welche sie selbst mit der lateinischen und griechischen Sprache vertraut wurde, heiratete 1508 Gilbert X., Herrn von Correggio, und starb 1508. Ihre Gedichte, die sich durch leichte und natürliche Eleganz und warme Empfindung auszeichnen, wurden von ihren Zeitgenossen sehr bewundert. Mit dem Kardinal Bembo unterhielt sie einen lebhaften Briefwechsel, und ihr Haus in Bologna war der Sammelplatz der bedeutendsten Dichter der Zeit. Ihre gesammelten Werke gaben Rizzardi unter dem Titel: "Rime e lettere di V. G." (mit Biographie der Dichterin von Zamboni, Brescia 1759) und neuerdings Chiapetti (Flor. 1879) heraus.

Gambe, s. Viola.

Gambenstimmen, in der Orgel offene Labialpfeifen von enger Mensur und niedrigem Aufschnitt mit Seiten- und Querbärten, haben einen streichenden, d. h. von ziemlich starkem Blasegeräusch begleiteten, den Streichinstrumenten ähnlichen Ton; sie sprechen schwer an und überblasen leicht. Zu den G. gehören alle Stimmen, welche Namen von Streichinstrumenten tragen: Violino, Viola, Violoncello, Violone, Contrabasso, Quintviola (eine Quintstimme von Gambenmensur), Gambette, Spitzgambe (nach oben verengert) etc. Den G. nahestehend ist Geigenprinzipal (weniger eng mensuriert).

Gambesson (franz., Gambeso, Gaubisson, verdeutscht Gambeis), Wams, s. Rüstung.

Gambetta (spr. gangb-), Léon Michel, franz. Staatsmann, geb. 3. April 1838 zu Cahors, aus einer jüdischen Familie aus Genua stammend, studierte die Rechte und trat 1859 als Advokat in das Barreau von Paris. Als Sekretär Lachauds, dann Crémieux' machte er sich als Verteidiger in einigen politischen und Preßprozessen bemerklich und beteiligte sich 1863 an der Wahlagitation für Ollivier. In den Vordergrund des politischen Lebens trat er plötzlich mit einer Rede, welche er 17. Nov. 1868 zur Verteidigung des wegen einer Sammlung für Baudin angeklagten Delescluze vor dem Gerichtshof hielt, und in der er das Kaiserreich mit unerhörter Kühnheit angriff und den Staatsstreich vom 2. Dez. mit den schärfsten Worten verurteilte. Infolge davon wurde er bei den allgemeinen Wahlen sowohl in Paris als in Marseille als Kandidat der unversöhnlichen Opposition in den Gesetzgebenden Körper gewählt. Als Hauptwortführer der äußersten Linken hielt er mehrere glänzende Reden, namentlich bei Gelegenheit des Plebiszits 5. April 1870, und richtete die heftigsten Angriffe gegen den "abtrünnigen" Minister Ollivier. Seine Beredsamkeit war zwar nicht gedankenreich, aber schwungvoll, treffend und wirksam; sein mächtiges, klangvolles Organ kam ihm dabei sehr zu statten. Er tadelte zwar 15. Juli 1870 die leichtfertige Art der Kriegserklärung, stimmte aber für Bewilligung der verlangten Kredite. Am 4. Sept. proklamierte er noch im Sitzungssaal des Gesetzgebenden Körpers die Thronentsetzung Napoleons III. und seiner Familie auf ewige Zeiten und übernahm in der Regierung der Nationalverteidigung das Ministerium des Innern. Am 8. Okt. verließ er Paris in einem Luftballon, kam glücklich zur Erde und begab sich nach Tours, wo sich eine Delegation der Regierung befand. Sein Zweck war, teils Differenzen, welche zwischen den Regierungen von Paris und von Tours wegen der Wahlen zur Nationalversammlung ausgebrochen waren, zu schlichten, teils die Organisation neuer Armeen zur Befreiung der Hauptstadt zu betreiben. Er übernahm daher dort neben dem Ministerium des Innern auch das Departement des Kriegs und das der Finanzen, riß eine unumschränkte Diktatur an sich und suchte den Nationalhaß der Franzosen gegen die Deutschen durch seine Ansprachen und Proklamationen anzufachen. Er verstand es, die wildesten Leidenschaften des Volkes zu entzünden, dem Krieg einen unversöhnlichen Charakter zu geben (guerre à outrance) und durch Aufbietung aller waffenfähigen Mannschaft neue Armeen gleichsam aus dem Boden zu stampfen. Die Bildung der Nordarmee bei Lille, der großen, nachher in zwei Heere geteilten Loirearmee, der Ostarmee im Saônegebiet war sein Werk. Große Scharen wurden hinter diesen Feldarmeen in befestigten Übungslagern gesammelt, ausgerüstet und eingeübt. Eine in England abgeschlossene Anleihe (Morgan-Anleihe) und die großen Opfer der Departements lieferten ihm die Mittel zu diesen kolossalen Rüstungen und zur Beschaffung einer zahlreichen Artillerie. Beherrscht von der republikanischen Legende der siegreichen Volkserhebung von 1792 und 1793 hatte er den Glauben und wußte ihn auch eine Zeitlang der Nation einzuflößen, daß es möglich sei, durch