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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Garibaldi

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Garibaldi.

Freiwilligen aus dem Österreichischen und aus Mittelitalien unter Garibaldis Fahnen in Piemont organisierten. Als sardinischer General überschritt G. mit seinen "Alpenjägern" 23. Mai 1859 den Ticino; zwar trug er einige Erfolge über den ihm gegenüberstehenden österreichischen General Urban davon, richtete aber nichts Bedeutendes aus. Er teilte den nationalen Zorn über die plötzliche Beendigung des Kriegs durch den Frieden von Villafranca und folgte daher gern einem im August d. J. von Toscana an ihn ergangenen Ruf zur Organisation der toscanischen Division, die damals in der Romagna stand, in der Absicht, die Insurrektion nun in den Kirchenstaat und nach Neapel zu tragen, hier ebenfalls Viktor Emanuel als König von Italien auszurufen und sodann auch ohne französische Unterstützung an die Eroberung Venedigs zu gehen. Allein die politischen Verhältnisse gestatteten der piemontesischen Regierung nicht, ihre Erlaubnis zu einem solchen Vorgehen zu erteilen. G. zog sich darauf, als piemontesischer General zur Disposition gestellt, nach Caprera zurück. 1860 in das Parlament zu Turin gewählt, protestierte G. vergeblich gegen die Abtretung Savoyens und Nizzas an Frankreich und nahm hierauf als sardinischer General und Deputierter seine Entlassung. Bald darauf stellte er sich an die Spitze der Expedition, welche von Genua aus, von Cavour im geheimen begünstigt, der Insurrektion in Sizilien zu Hilfe eilte. Am 11. Mai 1860 landete er trotz der ihm auflauernden neapolitanischen Kreuzer mit 1020 Mann auf der Insel bei Marsala, gebot schon 14. Mai über ein Korps von etwa 4000 Mann und übernahm durch Dekret die Diktatur über Sizilien im Namen Viktor Emanuels. Nachdem er den General Landi, der mit 3500 Mann königlicher Truppen bei Calatafimi stand, aus fünf gut verteidigten Stellungen geworfen hatte, wandte er sich 26. Mai gegen Palermo, schritt 27. Mai sofort zum Angriff und zwang 6. Juni die weit überlegenen königlichen Truppen zur Kapitulation. G. ernannte nun ein Ministerium und erließ eine Reihe von Dekreten zur militärischen und administrativen Reorganisation der Insel. Am 21. Juli kapitulierte die Festung Milasso; 28. Juli folgte der Abschluß eines Waffenstillstandes zwischen dem Befehlshaber von Messina und G. Am 5. Aug. traf letzterer seine Vorbereitungen zur Überfahrt auf das Festland, am 6. erließ er eine Proklamation an die Bevölkerung desselben, am 9. schickte er die erste Freischar, 330 Mann, hinüber, am 19. landete er selbst mit 5000 Mann trotz der in der Meerenge kreuzenden neapolitanischen Flotte in der Nähe von Reggio, nahm sofort diese Stadt, zog bereits 7. Sept. in Neapel ein und begann mit 25,000 Freiwilligen am 20. den Angriff auf die Volturnolinie, welche die Königlichen besetzt hielten, behauptete auch, wenn schon mit Mühe und nach heftigem Kampf, auf der ganzen Linie seine Stellung und schritt 8. Okt. zur Belagerung Capuas. Während er aber durch sein eigenmächtiges Vorgehen einerseits in immer schärfern Gegensatz zur Regierung Viktor Emanuels getreten war, konnte er anderseits doch der Mitwirkung der letztern zum vollständigen Sieg nicht entbehren. So sah er sich genötigt, als die sardinische Armee von Norden her ins neapolitanische Gebiet einrückte, dieser die Fortsetzung der Operationen zu überlassen; nachdem er 30. Okt. Viktor Emanuel in Sessa als König von Italien begrüßt hatte und 7. Nov. an seiner Seite in Neapel eingezogen war, legte er die von ihm bisher geübte Gewalt in des Königs Hände nieder und schiffte sich am 9. nach Caprera ein. Jede Belohnung, jede Auszeichnung hatte er abgelehnt; selbst die wenigen Piaster, die er zur Überfahrt nach seiner kleinen Besitzung bedurfte, mußte er entlehnen. Als Haupt der sogen. Aktionspartei ruhte er aber nicht lange in Caprera, sondern ging sofort an die Verwirklichung des nächsten Ziels: der Befreiung Roms und Erhebung desselben zur Hauptstadt Italiens. Er erschien im Juni 1862 plötzlich in Palermo, entzündete überall die Bevölkerung zum Haß gegen Napoleon und das Papsttum und rief zum Zug nach Rom auf. Obgleich die Regierung sich auf das bestimmteste gegen ihn erklärte, hatte er doch bald gegen 3000 Freiwillige um sich und landete, nachdem er sich 18. Aug. Catanias bemächtigt hatte, am 25. in Kalabrien. Allein jetzt wurde auf die bestimmte Forderung Napoleons von der Regierung der General Cialdini gegen ihn geschickt, und 28. Aug. kam es zwischen G. und den von dem Obersten Pallavicino befehligten königlichen Truppen zum Gefecht bei Aspromonte, in welchem G. selbst am rechten Knöchel gefährlich verwundet wurde. Auf einem Regierungsdampfer nach La Spezia und von da in das Fort Varignano auf der Insel Palmeria gebracht, ward er 5. Okt. mit seinen Genossen amnestiert. Die Verwundung Garibaldis erforderte, da die Kugel bis auf den Knochen eingedrungen war, eine schwierige Operation und heilte nur sehr allmählich. Erst 20. Dez. kehrte er nach seinem Caprera zurück. Hier lebte er ruhig bis zum Frühjahr 1864, in welchem er einen Besuch in England machte, wo ihm seine Freunde großartige Ovationen bereiteten.

Beim Ausbruch des Kriegs 1866 stellte sich G. als bald dem König Viktor Emanuel zur Disposition und wurde 6. Mai zum Oberbefehlshaber von 20 Bataillonen Freiwilliger ernannt. Er begab sich im Juni nach Como, wo er den Oberbefehl über die Freischar übernahm. Er vollbrachte aber keine großen Thaten. Zwar machte er eine Bewegung gegen das im südlichen Tirol stehende österreichische Korps, wurde aber 3. Juli am Gardasee geschlagen und zum Rückzug genötigt. In seinen Erwartungen getäuscht, nahm er deshalb 15. Aug. in einer Proklamation von seinen Freiwilligen Abschied und eilte nach Caprera zurück. Die Glanzperiode Garibaldis war überhaupt vorbei. Seine frühern großen Erfolge hatte er seiner Kühnheit und seiner idealen, selbstlosen Begeisterung für die Sache seines Vaterlandes zu verdanken. Seine fernern Handlungen bewiesen aber, daß es ihm gänzlich an politischer Einsicht und Besonnenheit wie an Selbständigkeit des Urteils fehlte. Obgleich der Regierung Viktor Emanuels durch die Septemberkonvention die Hände hinsichtlich einer Aktion gegen Rom gebunden waren, versuchte G. doch auf eigne Faust sich dieser Stadt zu bemächtigen. Da sein Plan nicht verborgen bleiben konnte, ließ ihn die Regierung 23. Sept. 1867 in Asinalungo ^[richtig: Asinalunga] verhaften und nach Caprera zurückbringen. Indessen setzten Garibaldis Freunde das begonnene Werk fort, bis es ihm selbst gelang, in tollkühner Fahrt auf einer kleinen Barke mitten durch die italienischen Kreuzer hindurch von Caprera zu entkommen und im Kirchenstaat zu landen. G. errang nun einige Vorteile, namentlich durch seinen Sieg bei Monterotondo Ende Oktober. Allein 30. Okt. landeten zwei französische Brigaden unter General Failly bei Civitavecchia, und da G. trotz wiederholter Aufforderung seitens der Regierung und trotz der unzureichenden Beschaffenheit seiner meist aus ganz jungen Leuten bestehenden Truppen die Waffen nicht niederlegte, wurde er bei Mentana 3. Nov. von päpstlichen und französischen Streitkräften angegriffen und erlitt eine vollständige Niederlage.