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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gasparini - Gasser.

Gasparīni, Francesco, ital. Komponist, geb. 5. März 1668 zu Camajora bei Lucca, Schüler von Corelli und Pasquini in Rom, wurde zuerst Musiklehrer am Ospedale della Pietà zu Venedig, 1735 Kapellmeister an der Laterankirche zu Rom und starb im April 1737 daselbst. Ein seiner Zeit hochangesehener Bühnen- und Kirchenkomponist, schrieb er gegen 30 Opern, viele Messen, Psalmen, Motetten, Kantaten sowie eine Generalbaßschule: "L'armonico pratico al cembalo" (Vened. 1683, 7. Aufl. 1802), die noch bis Mitte unsers Jahrhunderts im Gebrauch war. Zu seinen Schülern gehörte unter andern Benedetto Marcello.

Gaspé, eine Halbinsel in Britisch-Nordamerika, zwischen dem Ästuarium des St. Lorenzstroms und der Chaleurbai, 1534 von Cartier entdeckt. Sie bildet ein von tiefen Schluchten durchschnittenes Tafelland von 460 m Höhe, über welches die 100 km lange Kette der aus präkambrischen Felsen gebildeten Shickshockberge ansteigt, die im Logan eine Höhe von 1148 m erreichen.

Gasquellen, s. v. w. Gasvulkane.

Gasretorten, s. Leuchtgas.

Gasröhren, s. Leuchtgas.

Gaß (Gassa, Goz), arab. Münze in Maskat, = 1/20 Mahmudi = 1 Pf.; als Geldrechnungseinheit auch in Bender Abbâs (in Persien) gebräuchlich.

Gaß, Wilhelm, protest. Theolog, geb. 28. Nov. 1813 zu Breslau, wo sein Vater Joachim Christian (1766-1831), ein vertrauter Freund Schleiermachers, Konsistorialrat und Professor der Theologie war, habilitierte sich ebendaselbst 1839, wurde 1846 außerordentlicher Professor, kam 1847 als ordentlicher Professor nach Greifswald, 1861 nach Gießen, 1868 nach Heidelberg. Er verfaßte: "Beiträge zur kirchlichen Litteratur und Dogmengeschichte des griechischen Mittelalters" (Bresl. 1844-49, 2 Bde.); "Georg Calixt und der Synkretismus" (das. 1846); "Geschichte der protestantischen Dogmatik" (Berl. 1854-67, 4 Bde.); "Zur Geschichte der Athosklöster" (Gieß. 1865); "Die Lehre vom Gewissen" (Berl. 1869); "Symbolik der griechischen Kirche" (das. 1872); "Optimismus und Pessimismus. Der Gang der christlichen Welt- und Lebensansicht" (das. 1876); "Geschichte der Ethik" (das. 1881, Bd. 1). Aus dem Nachlaß von E. L. Th. Henke gab er mit Vial dessen "Neuere Kirchengeschichte" (Halle 1874-80, 3 Bde.) heraus.

Gassen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Sorau, an der Lubis und den Linien Sommerfeld-Breslau und Sommerfeld-Kohlfurt-Liegnitz der Preuß. Staatsbahn, hat Maschinenfabrikation, Töpferei und (1885) 2025 evang. Einwohner. G., 1656 angelegt, erhielt 1660 Stadtrechte.

Gassen, Gottlieb, Maler, geb. 1807 zu Koblenz, bildete sich seit 1827 unter Cornelius in München und half hier an den Freskomalereien. Er malte die Erstürmung des Godesbergs bei Bonn durch Herzog Wilhelm I. von Bayern (nach Stilkes Entwurf), in den Arkaden des königlichen Hofgartens und im Neubau der Residenz mit Hermann und Neureuther den Bilderkreis aus Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und Wielands "Oberon" sowie allein in den Loggien der Alten Pinakothek mehrere Deckengemälde nach Cornelius. Später entstanden, und zwar nach eignem Entwurf, die Freskomalereien in der Dreifaltigkeitskirche zu Weißenthurn am Rhein (Neuwied gegenüber). In diesen Bildern zeigte G. eine durchdachte Komposition und fleißiges Studium, nur verführte ihn eine einseitig religiös-kirchliche Richtung zuweilen zu einer seltsamen Symbolik.

Gassendi (spr. -ssängdi oder -ssangdi), Petrus (eigentlich Pierre Gassend), ausgezeichneter franz. Physiker, Mathematiker und Philosoph, geb. 22. Jan. 1592 zu Chartansier in der Provence, erhielt schon in seinem 16. Jahr einen Lehrstuhl der Rhetorik, 1613 einen solchen der Theologie zu Aix, gab aber 1623 diese Stelle auf, um sich in Dijon, wo er ein Kanonikat besaß, dem Studium der Philosophie der Alten und daneben der Naturwissenschaften, besonders der Astronomie und Anatomie, zu widmen. Als Schriftsteller trat er mit seinen "Excercitationes paradoxicae adversus Aristoteleos" (1. Buch, Grenoble 1624; 2. Buch, Haag 1659) auf, die außerordentliches Aufsehen machten, deren weitere fünf Bücher aber von ihm selbst unterdrückt wurden. Nachdem er mehrere wissenschaftliche Reisen in die spanischen Niederlande und nach Holland gemacht, erhielt er 1645 die Professur der Mathematik am Collège royal zu Paris, wo er mit außerordentlichem Beifall lehrte, aber schon 24. Okt. 1655 starb. Seines Scharfsinns und seiner Polyhistorie wegen ist G. von Bayle der größte Gelehrte unter den (damaligen) Philosophen und der größte Philosoph unter den Gelehrten genannt worden. Wie in der oben genannten Schrift die Aristotelische, so bestritt er in seinen "Objectiones ad meditationes Cartesii" die Cartesianische Philosophie, welchen beiden er seinerseits ein neues, auf der Atomenlehre Epikurs beruhendes System entgegenstellte, weswegen er mit Recht als der Erneuerer des Atomismus und Vorläufer der neuen physikalischen Grundanschauung bezeichnet worden ist. Die Darstellung und Kritik des Epikureismus in seinen Schriften: "De vita, moribus et doctrina Epicuri" (Lyon 1647, Amsterd. 1684) und "Syntagma philosophiae Epicuri" (Lyon 1649, Haag 1656) gehört zu den vollständigsten und unbefangensten und hat sowohl auf die Physik als auf die Moral der spätern Encyklopädisten großen Einfluß geübt. Seine Schüler, die sich Gassendisten nannten, setzten seine Polemik gegen die Cartesianer, aber auch (namentlich der Arzt Bernier zu Montpellier) gegen die Jesuiten fort, welche Gassendis Philosophie für unverträglich mit der Transsubstantiationslehre erklärt hatten. Von seinen astronomischen Schriften sind besonders zu nennen seine "Institutio astronomica" (Par. 1647) und "Tychonis Brahaei, Copernici, Peurbachii et Regiomontani vitae" (das. 1654), worin er auch eine vollständige Geschichte der Astronomie bis auf seine Zeit gegeben hat. Seine sämtlichen Werke wurden gesammelt und herausgegeben von Montmort und Sorbier (Leid. 1658, 6 Bde.) und von Averrani (Flor. 1728, 6 Bde.). Vgl. Bernier, Abrégé de la philosophie de G. (Par. 1678); Martin, Histoire de la vie et des écrits de Pierre G. (1853).

Gassenhauer, im 16. Jahrh. Bezeichnung für volksmäßige Lieder oder Volkslieder (Gassenhawerlin), hat heute die Bedeutung des Abgedroschenen, Abgeleierten und zugleich die des Gemeinen, nicht der Kunst Würdigen.

Gassenlaufen, s. Spießrutenlaufen.

Gassenvogt, s. Bettelvogt.

Gasser, 1) Hans, Bildhauer, geb. 2. Okt. 1817 bei Gmünd auf der Eisentratte in Kärnten als der Sohn eines Tischlers und Holzschnitzers, begann seine Künstlerlaufbahn mit Schnitzen von Weihnachtskrippenfiguren, Aushängeschildern etc., ging 1838 nach Wien, wo er in die Akademie eintrat, und 1842 nach München, wo er sich an Schnorr und Kaulbach, dann an Schwanthaler anschloß. 1847 kehrte er nach Wien zurück und erhielt als erste monumentale Arbeit den