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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Geniedirektoren - Genius.

letztere ging 1806 ein, wurde aber 1816 mit der Artillerieschule zu Berlin vereinigt und besteht heute als "vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule" zu Charlottenburg. Bayern hat seine 1857 in München auf ähnlicher Grundlage errichtete Artillerie- und Ingenieurschule beibehalten. In Frankreich besteht als Fachschule die École d'application de l'artillerie et du génie, die, 1802 in Metz errichtet, seit 1871 in Fontainebleau besteht. England hat zu Woolwich eine Militärakademie für Artillerie- und Geniewesen, Rußland in Petersburg die Nikolaus-Ingenieurschule und Nikolaus-Ingenieurakademie. Österreich hat in Wien eine "technische Militärakademie" mit Artillerie- und Genieabteilung und beim "technischen und administrativen Militärkomitee" einen "höhern Geniekurs" für besonders befähigte Genieoffiziere. Vgl. v. Bonin, Geschichte des Ingenieurkorps u. der Pioniere in Preußen (Berl. 1877-78).

Geniedirektoren, in Österreich, Frankreich s. v. w. Ingenieuroffiziere vom Platz (s. d.); Geniedirektion, die von ihnen geleitete Festungsbehörde.

Geniegeographen, s. v. w. Ingenieurgeographen.

Geniekomitee, s. Ingenieurkomitee.

Geniekorps, s. Genie.

Genien, in der neuern Kunstsprache die große Menge der beflügelt dargestellten untergeordneten Götterwesen aus der Mythologie der Griechen und Römer, wie sie z. B. als geflügelte Knaben auf Bildern aus dem Sagenkreis des Dionysos (hier zum Teil als die personifizierten Geister der Freude und des Scherzes, die den Weingenuß begleiten) oder bei erotischen Szenen erscheinen. Auch die Gottheit des Kampfes (Agon) sowie die Geister der Furcht und des Schreckens, die Gottheiten des Schlafs und Todes sowie andre Dämonen oder personifizierte Begriffe (wie Virtus, Fama etc.), ferner die Gottheiten der Winde, die Erinnyen, die mit den Attributen der Tonkunst ausgestatteten Gottheiten und Dämonen, wie die Musen, Sirenen etc., werden von den alten Künstlern mit Flügeln dargestellt, deren Bedeutung in der raschen, leichten und ungehinderten Bewegung zu suchen ist, welche die göttlichen Wesen vor dem Menschen voraus haben (vgl. Genius). Vgl. Gerhard, Über die Flügelgestalten der alten Kunst (Berl. 1840); Langbehn, Flügelgestalten der ältesten griechischen Kunst (Münch. 1881).

Genieoffizier, s. Genie.

Geniepark, s. v. w. Ingenieur-Belagerungspark, s. Belagerungspark.

Genieren (spr. sche-, franz. gêner), s. Gêne.

Genietruppen, s. Genie.

Génin (spr. schenäng), François, franz. Gelehrter, geb. 1803 zu Amiens, gest. 20. Mai 1856 in Paris als Redakteur des "National", veröffentlichte neben einer Anzahl kritischer Ausgaben, wie des "Avocat Pathelin" und der "Chanson de Roland", gelehrte Untersuchungen über die "Variations du langage français depuis le XII. siècle" (Par. 1845); ferner "Récréations philologiques" (2. Aufl., das. 1858, 2 Bde.); "Recueil de lettres choisies dans les meilleurs écrivains français" (2. Aufl. 1845) und ein "Lexique comparé de la langue de Molière et des écrivains du XVII. siècle" (1846). G. war ein Mann von großer Gelehrsamkeit, aber nicht frei von paradoxen Ansichten, die er mit großer Leidenschaftlichkeit verfocht.

Genippikräuter, mehrere Arten der Gattungen Achillea und Artemisia, die auf hohen Alpen wachsen, bitter-gewürzhaft schmecken, reizend wirken und von den Alpenbewohnern als Thee benutzt werden. Teilweise machen sie auch einen Bestandteil des Schweizer Thees aus. Gewöhnlich wendet man sie gegen Erschlaffung der Unterleibsorgane, bei geschwächter Verdauung, daher rührenden Blähungsbeschwerden etc., aber auch als Wundmittel an.

Genista L. (Ginster), Gattung aus der Familie der Papilionaceen, niedrige, bisweilen dornige, oft auf dem Boden liegende Sträucher und Halbsträucher mit gefurchten Ästen, mit einfachen oder rudimentären, selten dreizähligen Blättern, einzeln, in Ähren oder Köpfen stehenden, gelben Blüten und flacher oder konvexer Hülse. Etwa 70 Arten in Europa, Nordafrika und Westasien. In unsern Wäldern ist häufig G. germanica L. (gemeiner Ginster), ein 30 cm hoher Strauch mit 2-2,6 cm langen Dornen, kurzgestielten, langbehaarten, schön grünen Blättern und gelben Blüten. G. tinctoria L. (Färberginster, Gilbkraut), in Europa, den Kaukasusländern und Sibirien, eine vielgestaltige Art, wird bei uns 45 cm, in Kaukasien 1,5 m hoch, ist dornenlos, mit rutenförmigen Ästen, am Rand behaarten, elliptischen Blättern und sehr zahlreichen großen, gelben Blüten in endständigen Trauben, wächst auf sonnigen, kahlen oder licht bewaldeten Hügeln und wurde früher zum Gelbfärben und arzneilich benutzt. Jetzt pflanzt man ihn in mehreren Varietäten sowie auch einige andre Arten in Gärten an. G. canariensis L. von den Kanaren, G. candicans L. aus Italien, G. florida L. aus Spanien u. a. sind Kalthauspflanzen. G. monosperma (Retama monosperma Bois.), in Arabien, Palästina, mit langen, rutenförmigen Zweigen und wohlriechenden, weißen Blüten, ist der im Alten Testament erwähnte Wacholderbusch, wird als Brennholz benutzt und bei uns in Warmhäusern kultiviert. Besenginster, s. Spartium.

Genitalien, s. v. w. Geschlechtsorgane (s. d.).

Genitiv (Genetivus, lat.), s. Kasus.

Genitor (lat.), Erzeuger; Genĭtrix, s. Genetrix.

Genitschi (Genitschesk), Hafenort im russ. Gouvernement Taurien, Kreis Melitopol, an einem Zweig der Eisenbahn Losowo-Sebastopol, mit 1227 Einw., an der schmalen Straße von G., Stapelplatz für Salz, welches aus 39 Salzseen gewonnen wird, deren größter (See von G.) jährlich 3 Mill. Pud liefert. Im Krimkrieg wurde G. von den Engländern beschossen (4.-9. Juli 1855).

Genius (lat., mit gignere, "erzeugen", zusammenhängend), nach der Anschauung der italischen Völker ein Leben erzeugendes und erhaltendes höheres Wesen, welches bei Erzeugung und Geburt jedes einzelnen Menschen mitwirkt, seine Individualität bestimmt, sein Schicksal immer zum guten zu lenken sucht, ihn als Schutzgeist durchs Leben begleitet und noch nach dem Tod in den Laren (s. d.) fortlebt. Als schöpferisches Prinzip ist der G. genau genommen nur den Männern eigen, bei den Frauen vertritt seine Stelle der Inbegriff des weiblichen Lebens, die Juno (s. d.), so daß in einem Haus, wo Mann und Frau sind, eigentlich ein G. und eine Juno verehrt werden; doch sprach man im allgemeinen von den Genien des Hauses, denen das Ehebett geweiht war. Der Geburtstag des einzelnen Menschen ist zugleich der natürliche Festtag des ihm angebornen G., dem man Weihrauch, Wein, Kränze, Kuchen u. a., nur nicht blutige Opfer, darbrachte, wie man sich ihm zu Ehren auch selbst frohem Genuß überließ. Denn daß der Mensch das von ihm geschenkte Leben genieße, ist der Wille des G.; sich etwas zu gute thun heißt daher bei den Römern "seinem G. sich hingeben", und sich den Lebensgenuß versagen, "seinen G. betrügen". Als