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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Genußschein - Geoffrin.

telnuß mit dem Betelpfeffer sind zu dieser Gruppe zu rechnen, während der indische Hanf, das Opium und der Fliegenschwamm als Berauschungsmittel wirken und der Tabak gleichsam den Übergang von der einen Gruppe zur andern bildet. Eine dritte Gruppe bilden die geistigen Getränke, bei denen bisweilen auch narkotische G., wie der Hopfen, in Anwendung kommen. Die Pflanzen, welche die eigentlichen G. liefern, gehören ebenso vielen verschiedenen Pflanzenfamilien an. Nur Hopfen (Humulus lupulus) und Hanf (Cannabis indica) stehen zusammen in der Familie der Kannabineen. *Kaffee (Coffea arabica) gehört zu den Rubiaceen, *Thee (Thea spec.) zu den Ternströmiaceen, der *Paraguaythee (Ilex paraguayensis) zu den Ilicineen, die Guarana (Paullinia sorbilis) zu den Sapindaceen, die *Kolanuß (Cola acuminata) zu den Sterkuliaceen, der Kakao (Theobroma Cacao) zu den Büttneriaceen, der *Kokastrauch (Erythroxylon Coca) zu den Erythroxyleen, Kath (Celastrus edulis) zu den Celastrineen, *Betelnuß (Areca Catechu) zu den Palmen, Mohn, welcher das Opium liefert (Papaver somniferum), zu den Papaveraceen, *Tabak (Nicotiana spec.) zu den Solaneen und der Fliegenschwamm (Agaricus muscarius) zu den Pilzen. Die oben mit * bezeichneten Genußmittelpflanzen sind auf beifolgender Tafel abgebildet. Vgl. Bibra, Die narkotischen G. und der Mensch (Nürnb. 1855); Moleschott, Physiologie der Nahrungsmittel (2. Aufl., Gießen 1859); Reich, Nahrungs- und Genußmittelkunde (Götting. 1860); Wittstein, Taschenbuch der Nahrungs- und Genußmittellehre (Nördling. 1878); König, Die menschlichen Nahrungs- und Genußmittel (Berl. 1880).

Genußschein, s. Aktie etc., S. 264.

Genzano (spr. dschen-), Stadt in der ital. Provinz Rom, an der Via Appia, nahe dem Nemisee gelegen, hat einen Palast der Cesarini, berühmte Fronleichnamsprozessionen, Weinbau und (1881) 5291 Einw.

Geoblasten (griech., Erdkeimer), Pflanzen, welche beim Keimen die Kotyledonen in der Erde zurücklassen, wie mehrere Leguminosen, z. B. die Erbse, die Linse, die Wicken; ferner Tropaeolum u. a.

Geocores, s. Wanzen.

Geocyklisch (griech.), auf den Umlauf der Erde (um die Sonne) bezüglich, dazu gehörend; Geocyklon, auch Geocyklik, eine diesen Umlauf versinnlichende Maschine.

Geodäsie (griech., "Landteilung"), Teil der praktischen Geometrie, beschäftigt sich zunächst mit der Bestimmung der Lage von Punkten auf der Erde, um hieraus die Gestalt der Erdoberfläche für rein wissenschaftliche oder praktische Zwecke, wie Kartierung und Aufnahme, zu erforschen. Man unterscheidet: höhere G., welche die unmittelbare Bestimmung der Erdoberflächengestalt (s. Gradmessung) sowie die genaue Ermittelung der Lage von Punkten der Erdoberfläche als Grundlage für die Aufgaben der Landesvermessung (s. d.) zum Zweck hat. Die höhern geodätischen Arbeiten bedürfen der feinsten Instrumente sowie der umfassendsten mathematischen Grundlagen. Die niedere G. beschäftigt sich mit der Bestimmung von Punkten innerhalb kleinerer Erdräume, wobei sie je nach Zweck und Verhältnissen die Erdoberfläche als eine Ebene annimmt oder auch in summarischen Kontrollen und Korrekturen die Resultate der höhern G. berücksichtigt. Die höhere G. drückt die Lage der Punkte durch Zahlen, die niedere auch wohl durch Zeichnung aus. Geodät, derjenige, welcher sich mit G. beschäftigt, wobei gewöhnlich die höhere G. gemeint ist. Der gewöhnliche Feldmesser, der sich mehr mit der niedern Vermessungskunst beschäftigt, wird meist auch Geometer, der mit der Aufnahme (s. d.) beschäftigte gewöhnlich speziell Topograph, der mit der Triangulierung (s. d.) eines Landes beauftragte Geodät vielfach Trigonometer genannt.

Geodät (griech.), Feldmesser; geodätisch, zur Geodäsie (s. d.) gehörig, sie betreffend.

Geodätische Linie, unmittelbar auf der sphäroidischen Erdoberfläche der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten. Die g. L. ist eine Kurve doppelter Krümmung, die, wenn am Äquator beginnend, fortlaufend weitergezogen eine Art von Schraubenwindung um das Sphäroid beschreiben würde.

Geodätisches Institut, in Preußen ein Institut, welches die Pflege der wissenschaftlichen Geodäsie und als Zentralbüreau der europäischen Gradmessung die Ausführung der im preußischen Staatsgebiet erforderlichen Arbeiten derselben zur Aufgabe hat. Die Arbeiten des Instituts müssen stets spätestens drei Jahre nach Abschluß der Öffentlichkeit übergeben werden. Alljährlich ist der Arbeitsplan und später der Bericht über die ausgeführten Arbeiten dem "Zentraldirektorium der Vermessungen im preußischen Staat" vorzulegen. Ein wissenschaftlicher Beirat begutachtet den Etat, den Arbeitsplan, neue Einrichtungen, Anschaffung von Instrumenten etc. für das Institut. Seine Arbeiten stehen selbständig neben denen der trigonometrischen Abteilung des Generalstabs. Eine ähnliche Stellung nimmt in Frankreich das 1874 reorganisierte Bureau des longitudes neben dem Dépôt de la guerre ein. In den übrigen Staaten sind die betreffenden Arbeiten vollständig der Leitung des Generalstabs ihrer Heere untergeordnet. Vgl. Gradmessung.

Geoden (griech.), Mineralmassen, welche in einem andern Gestein eingebettet und durch Konzentration einer bestimmten Substanz um einen Kern entstanden sind. Sie besitzen kugelige, knollige oder unregelmäßige Gestalt und bestehen aus Kalk, Eisenhydroxyd, Schwefelkies, Kieselsäure etc. Hierher gehören die Adlersteine, die Lößkindel und ähnliche Gebilde. G. mit Radiärklüften, welche mit Eisenspat, Kalkspat, Zinkblende ausgefüllt sind, heißen Septarien.

Geodynamik (griech.), die Dynamik der festen Körper, gleichbedeutend mit Dynamik schlechthin.

Geoff, bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Etienne Geoffroy Saint-Hilaire (s. d.).

Geoffrin (spr. schoffräng), Marie Thérèse, geborne Rodet, eine der geistreichsten Frauen des 18. Jahrh., geb. 2. Juni 1699 zu Paris, Tochter eines Kammerdieners bei der Dauphine, ward schon im 15. Jahr mit Geoffrin, einem reichen Oberstleutnant der Bürgermiliz, verheiratet. Durch dessen frühen Tod in eine unabhängige Stellung versetzt, machte sie ihr Haus zum Sammelplatz von Gelehrten und Künstlern. Namentlich waren Montesquieu, Marmontel, Morellet, Thomas, Stanislaus Poniatowski u. a. ihre Freunde. Auf des letztern Einladung begab sie sich 1766 nach Warschau und wurde hier sowie in Wien von Maria Theresia und Joseph II. mit Beweisen von Achtung überhäuft. Ihrer Liberalität ist es auch zu danken, daß der Druck der "Encyklopädie" ermöglicht wurde. Sie starb im Oktober 1777. D'Alembert, Thomas und Morellet widmeten ihr Elogien, die in den "Éloges de Madame G." (Par. 1812) gesammelt sind, und letzterer gab ihre Abhandlung "Sur la conversation" und ihre "Lettres" heraus. Vgl. "Correspondance inédite du roi Stanislas Auguste Poniatowski et de Madame G. 1764-77" (mit Einleitung hrsg. von Mouy, Par. 1875).