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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gewölbe; Gewölkt; Gewölle; Gewürze

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Gewölbe - Gewürze.

rialien, seltener in Gußmörtel ausgeführt. Sehr leichte G. stellt man aus Tuffsteinen oder hohlen gebrannten, sogen. Topfsteinen her (Tuffgewölbe, Topfgewölbe). In den erstgenannten Fällen werden die Lagerfugen der Wölbsteine meist senkrecht auf die innere Wölbfläche angeordnet. Tonnengewölbe bedürfen vor ihrer Schließung interimistischer Unterstützungen, der Lehrgerüste (s. d.), während Kuppelgewölbe, deren einzelne Mauerringe in sich geschlossen sind, ohne Gerüst ausgeführt werden können. Kreuzgewölbe werden entweder aus einfachem oder gemischtem Material und im letztern Fall mit Graten aus Haustein und Gewölbeflächen aus Back- oder Bruchstein hergestellt. Leichte und billige G. dieser Art, besonders zur Überdeckung von Kirchen und Kapellen, wo dieselben nicht zugleich als Fußboden, sondern nur als Decke dienen, lassen sich schon mit hohlen Backsteinen von 6 cm Stärke anfertigen, wenn sie durch 12/12 cm starke Gurte und Gratbogen verstärkt werden. Eine ähnliche Anordnung erhalten die Sterngewölbe. Schiefe Tonnengewölbe werden teils in Haustein, Backstein und Bruchstein, teils mit Anfängern u. Stirnbogen aus Haustein u. mit Gewölbefeldern aus Back- oder Bruchstein ausgeführt. Man unterscheidet schiefe G. mit veränderlichem und unveränderlichem Lagerfugenwinkel. Über deren Konstruktion etc. s. Brücke, S. 496. - Die Gewölbekonstruktion war schon den Ägyptern und Assyrern bekannt, wie neuere Untersuchungen ihrer Denkmäler ergeben haben, und wurde von den Etruskern in die Praxis des Abendlandes eingeführt. Hier waren es besonders die Römer, welche dieselbe weiter ausbildeten und auf die Herstellung der Tonnen-, Kreuz- und Kuppelgewölbe verwandten. Die höchste Ausbildung erfuhren die Kreuzgewölbe in der gotischen, die Kuppelgewölbe in der altchristlichen Baukunst und Renaissance (s. Baukunst), die Tonnengewölbe im Brückenbau (s. Brücke). Vgl. Scheffler, Theorie der G. etc. (Braunschw. 1857); Schwedler, Theorie der Stützlinie ("Zeitschrift für Bauwesen", Berl. 1859); Derselbe, Die Konstruktion der Kuppeldächer (das. 1866); Culmann, Graphische Statik (2. Aufl., Zürich 1875); Dupuit, Traité de l'équilibre des voûtes (Par. 1870); Ringleb, Lehrbuch des Steinschnittes der Mauern, Bogen, G. etc. (Berl. 1844); Schubert, Theorie der Konstruktion steinerner Bogenbrücken (Leipz. 1847); Breymann, Allgemeine Baukonstruktionslehre, Bd. 1 (5. Aufl., das. 1880); Gottgetreu, Lehrbuch der Hochbaukonstruktion, Teil 1 (Berl. 1880); Menzel-Heinzerling, Der Steinbau (Karlsr. 1885); weitere Litteratur bei Brücken.

^[Abb.: Fig. 11. Trichtergewölbe.]

^[Abb.: Fig. 12. Trichtergewölbe.]

Gewölbe, im weitern Sinn ein gewölbter, feuerfester Raum überhaupt; an manchen Orten auch Benennung eines jeden, also auch eines nicht gewölbten oder feuerfesten Kaufmannsladens, z. B. Kräutergewölbe, s. v. w. Droguerieladen.

Gewölkt, bei Mineralien, eine Art der Farbenzeichnung, in großen, rundlich ineinander verwaschenen und in die Grundfarbe sich verlaufenden, ungleichen Flecken bestehend, z. B. am Chalcedon, dichten Gips und grauen Marmor von Carrara.

Gewölle, die Haarballen, welche in dem Magen der Raubvögel aus den Federn und Haaren des verschlungenen Raubes entstehen und von den Tieren willkürlich ausgespieen werden.

Gewürze (Aromata), im allgemeinen alle diejenigen Substanzen, welche man in geringer Menge den Speisen zusetzt, um deren Geschmack zu erhöhen, sie genießbarer und verdaulicher zu machen. Im weitern Sinn gehören demnach zu den Gewürzen auch Zucker, Säuren, Öle und das Kochsalz; doch stellt man diese auch als Würzen den Gewürzen im engern Sinn gegenüber und rechnet zu letztern nur solche Stoffe, welche vor allem in eigentümlicher Weise reizend auf den Organismus wirken. Bei weitem die meisten G. entstammen dem Pflanzenreich, und bei uns sind die wenigen tierischen Stoffe, welche überhaupt als G. benutzt werden (Moschus, Ambra, Zibet, in Peru gewisse Fische etc.) ohne Bedeutung (s. Gewürzpflanzen). Die G. wirken meist durch ätherische Öle und Harze. Einen Wert als Nahrungsstoff haben sie nicht, denn sie ersetzen nicht direkt, wie unsre Nahrungsmittel, die im Organismus verbrauchten Muskeln, Nerven etc., sondern sie verdanken ihre Bedeutung nur ihrem Gehalt an ätherischen Ölen und scharfen Stoffen überhaupt, welche in eigentümlicher Weise auf die Verdauungswerkzeuge und das Nervensystem einwirken und den Stoffwechsel wesentlich beeinflussen. Wallungen und Herzklopfen verraten die Beschleunigung des Kreislaufs, welche die G. hervorbringen. Weil die G. die Verdauungsdrüsen reizen, so können sie die Auflösung der Speisen bis zu einem gewissen Grad befördern. Es wird dann das Blut nicht bloß mit erhitzendem Öl, sondern auch mit reichlichen Ersatzmitteln versehen. Es steigern sich die Ernährungsprozesse. Das Gehirn wird gereizt und die geistige Thätigkeit erhöht. In welcher besondern Art dies geschieht, läßt sich bis jetzt nicht mit Sicherheit angeben; aber man darf annehmen, daß die G. weniger auf die Thätigkeiten des Verstandes hinwirken, sondern vielmehr, indem ihre Wirkung mehr dem Gefühlsleben zugewendet ist, den Leidenschaften mehr oder minder Vorschub leisten. Daß sie den entschiedensten Einfluß auf das Geschlechtsleben ausüben, ist zweifellos. Zu große Gewürzmengen bringen Entzündungszustände hervor und verhalten sich überhaupt wie reizende Gifte. - Schon die Alten verbrauchten große Mengen G., die sie vornehmlich aus Ostindien bezogen. Im Mittelalter trieb man aber, wie im Morgenland noch heutigestags, einen großen Mißbrauch mit Gewürzen, wogegen einsichtsvolle Männer vergeblich eiferten. Erst nach und nach wurde ihr Gebrauch auf das heutige Maß reduziert, eine