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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gjölbaschi - Gladbach.

Gjölbaschi, Dorf im asiatisch-türk. Wilajet Konia, Liwa Tekke (im antiken Lykien), 730 m ü. M., 5 km von der Küste, 10 km von den Ruinen des alten Myra gelegen. 1842 fand Professor Schönborn unweit östlich von G. ein großartiges, reich mit Skulpturen in Nummulitenkalk (Freiermord des Odysseus, Jagd des kalydonischen Ebers, Zerstörung Ilions, Amazonenschlacht, Löwen- und Eberjagd, Kentaurenschlacht, Raub der Töchter des Leukippos durch die Dioskuren, Thaten des Theseus) geschmücktes Grabmonument, welches wahrscheinlich ein kleiner Tyrann jener Gegend mit Hilfe attischer Künstler für sich und seine Familie errichtet hatte. Über den Namen der Örtlichkeit und die Zeit der Erbauung ist nichts Sicheres ermittelt. Die Skulpturen wurden 1882 auf Kosten eines österreichischen Komitees auf einem eigens erbauten Weg in 167 Kisten nach dem Meer hinabgeschafft und befinden sich jetzt in Wien.

Gjorgjevitsch, Wladan, Mediziner, geb. 3. Dez. 1844 zu Belgrad, studierte in Prag und Wien Medizin, wurde in Wien Assistent bei Billroth, ging beim Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs nach Mainz, wo er beim Transport der Verwundeten als Arzt beschäftigt wurde, und erhielt die Stelle eines ordinierenden Lazarettarztes zu Frankfurt a. M. Nach Beendigung des Kriegs kehrte G. nach Wien und Ende 1871 nach Belgrad zurück und wurde daselbst Chef des Militärhospitals. Im ersten serbisch-türkischen Krieg 1876 war G. Chef des Sanitätswesens beim Morawa-Timoker Armeekorps und im zweiten Krieg (1877-78) Chef des Sanitätswesens im Generalstab des Oberkommandos, 1879 wurde er zum Chef des Medizinalwesens im Ministerium des Innern ernannt, als welcher er ein systematisches Sanitätswesen mit unabhängigem Budget schuf. Auch das Turnwesen führte G. in Serbien ein. Er übersetzte Billroths "Allgemeine Chirurgie" und Langenbecks "Chirurgische Klinik" ins Serbische, gab einige Handbücher über den Sanitätsdienst heraus und schrieb: "Die Geschichte des Heeressanitätswesen in Serbien" (1879, Bd. 1); "Die Entwickelung der öffentlichen Gesundheitspflege im serbischen Königreich" (Berl. 1883). Seit 1875 gibt er die Monatsrevue "Vaterland" heraus. Auch veröffentlichte er: "Novellen" (2. Aufl., Pancsowa 1879 ff., 4 Bde.); "Reisenovellen" (3 Bde.); den historischen Roman "Stefan Dusan", ein Drama u. a.

Glabella (neulat.), Stirnglatze, eine flache Stelle zwischen den Stirnhöckern und Augenbrauenbogen, auf der keine Augenbrauen wachsen.

Glace (franz., spr. glaß), Eis, Gefrornes; auch s. v. w. Spiegelglas, Spiegelscheibe; daher Glacerie, Spiegelgießerei. In der Kochkunst heißt G. (Fleischglace) die zu einem Sirup eingekochte Fleischbrühe, während Zuckerglace aus fein gestoßenem Zucker mit Eiweiß, Zitronensaft, Wasser etc. besteht.

Glace d'argent (franz., spr. glaß darschang), schwerer weißseidener Stoff mit einbroschierten silbernen Mustern für Kirchenornate etc.

Glaceehandschuhe, s. Handschuhe.

Glaceeleder, s. Leder.

Glacialin, Konservierungsmittel für Fleisch, Eier, Milch, Lösung von 56 g Borsäure, 28 g Borax, 28 g Glycerin und 20 g Zucker in 1 Lit. Wasser; wurde von Grier in Glasgow 1876 angegeben.

Glacier (franz., spr. glaßjeh), Eishändler; Gletscher, Eisberg; Glacière, Eiskeller, Eisgrube.

Glacieren (franz., spr. glaß-), gefrieren machen; mit einer glatten, glänzenden Fläche überziehen; speziell in der Kochkunst etc. das Überziehen von Fleisch oder Gemüse mit Fleischglace und von Backwerk mit Zuckerglace.

Glacies (lat.), Eis; glazial, von Eis herrührend, Eis betreffend.

Glacies Mariae (lat.), s. v. w. Gipsspat, s. Gips.

Glacis (franz., spr. glassih), Feldabdachung, eine vor dem äußern Grabenrand einer Befestigung nach dem Feld zu flach verlaufende Erdanschüttung, bei Feldschanzen glacisförmiger Aufwurf genannt, welcher das bessere Bestreichen des Vorterrains bis an den Grabenrand ohne zu großen Fall der Brustwehrkrone ermöglicht. In Festungen liegt meist zwischen G. und Kontreskarpe der gedeckte Weg (s. d.). Ein G., welches, wie nach außen, so nach innen flach zur Grabensohle verläuft, so daß Truppen am Fuß desselben angesammelt und darüber zum Ausfall fortgeführt werden können, heißt g. en contrepente (Sebastopol, Koblenz). Über die Höhe der Anschüttung s. Festung. Den flachen Abfall des G. bepflanzt man mit Bäumen und Buschwerk.

Gladbach, 1) München-G. (M'Gladbach geschrieben), Kreisstadt und rasch emporwachsender, wichtiger Fabrikort im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Knotenpunkt der Linien Aachen-Neuß, G.-Homberg-Ruhrort, G.-Stolberg, G.-Dalheim und Krefeld-G.-Rheydt der Preußischen Staatsbahn, hat 3 Bahnhöfe, eine evangelische und 3 kath. Kirchen (unter diesen die herrliche, restaurierte Münsterkirche mit gotischem Chor von 1250, romanischem Schiff aus dem Anfang des 12. Jahrh. und einer Krypte aus dem 8. Jahrh.), eine Synagoge und (1885) 44,067 Einw. (Zunahme seit 1880: 18,3 Proz.), darunter 35,699 Katholiken, 7729 Evangelische und 496 Juden. G. ist Sitz der rheinischen Baumwollindustrie und der Rheinisch-Westfälischen Textil-Berufsgenossenschaft. Es stehen 20 Spinnereien mit 165,000 Spindeln im Betrieb, darunter die große Aktienspinnerei und -Weberei mit 1100 Arbeitern, 64 mechanische Webereien mit 5615 mechanischen Webstühlen für Seiden-, Halbseiden-, Woll-, Halbwoll- und Baumwollwaren, 34 Färbereien, 8 Druckereien und Appreturanstalten, 10 Eisengießereien, 16 Maschinen-, 2 Maschinenöl-, 3 Schuh-, 2 Papierhülsen-, 6 Leinen-, 2 Papier- und Papierdeckel-, 10 Geschäftsbücher-, 4 Strick- und Strumpfwaren- und 4 Dampfkesselarmaturfabriken, 6 Ringofenziegeleien, 10 Bierbrauereien. Die Zahl der Fabrikarbeiter betrug im Herbst 1884: 9751; im ganzen sind 208 Dampfkessel im Betrieb. An Versicherungsgesellschaften haben in G. ihren Sitz: die Gladbacher Feuerversicherung, die Gladbacher Rückversicherung, die Rheinisch-Westfälische Transportversicherungs- (Lloyd) und die Rheinisch-Westfälische Rückversicherungsgesellschaft. Die Reichsbanknebenstelle hatte 1883 einen Umsatz von 18 Mill. Mk. Gemeinnützigen Zwecken dienen: eine Pferdebahn, zugleich als Verbindung mit dem benachbarten Rheydt, eine Wasserleitung, ein Schlachthaus und ein Verein zur Überwachung von Dampfkesseln und zur Verhütung von Unfällen in Fabriken. An Schulen und sonstigen Anstalten besitzt G. ein Gymnasium mit Realparallelklassen, eine Heil- und Pfleganstalt ("Hephata") für blödsinnige Kinder, 2 konfessionelle Krankenhäuser, eine Pfleganstalt für Geisteskranke (Alexianerstift) und eine Pfennigsparkasse mit einem Reservefonds von etwa ½ Mill. Mk. Außer der städtischen Verwaltung befinden sich in G.: ein Amtsgericht mit Gewerbegericht und einer Kammer für Handelssachen u. eine Handelskammer. - In Verbindung mit der 793 gegründeten Benediktinerabtei wird die Villa Gladebach häufig genannt;