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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gobryas; Goch; Gochsheim; Göckingk; Goczalkowitz; Godalming; Godan; Godard

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Gobryas - Godard.

trat 1811 als Ingenieuroffizier in die französische Armee und machte die Feldzüge in Spanien mit, in denen er zum Hauptmann avancierte. Nach Napoleons Sturz trat er in niederländische Dienste, focht bei Waterloo, ward später im Ingenieurkorps angestellt und leitete namentlich die Festungsbauten von Nieuport und Menin. Da er sich dem belgischen Aufstand von 1830 anschloß, ward er von der provisorischen Regierung zum Obersten und Generaldirektor des Geniekorps und bald darauf zum Generalkriegskommissar ernannt. 1831 wurde er Kriegsminister, dann Generalinspektor der Festungen und des Geniekorps, 1832 Minister des Auswärtigen. Er brachte die Konvention vom 21. Mai 1833 zu stande, die Belgien den für seine Industrie so segensreichen status quo sicherte. Am 25. Dez. 1833 aus dem Ministerium ausgeschieden, ging er als Gesandter nach Berlin und, da er hier nicht angenommen wurde, weil er seinem König den Eid gebrochen, nach Lissabon, wo er der Königin Maria II. in dem Aufstand von 1837 so wesentliche Dienste leistete, daß sie ihn zum Grafen von Alviella erhob. 1839 kehrte er nach Brüssel zurück und ward Staatsminister ohne Portefeuille. 1843 erhielt G. zum zweitenmal das Portefeuille des Auswärtigen, trat aber 1845 bei der Bildung des exklusiv katholischen Kabinetts de Theux zurück und widmete sich seitdem ausschließlich seinem militärischen Amt. Nachdem er 1854 seinen Abschied genommen, war er noch als liberaler Deputierter in der Kammer thätig. 1864 veröffentlichte er 2 Bände Memoiren. G. starb 5. Mai 1873 in Brüssel. Vgl. Juste, Le lieutenant-général G. (Brüssel 1872). - Sein Enkel Eugen, geb. 10. Aug. 1846, Professor der Religionsgeschichte an der Universität Brüssel und Redakteur der "Revue de Belgique", war bis 1884 liberaler Deputierter von Brüssel. Er bereiste 1872 die Sahara und begleitete 1875 den Prinzen von Wales auf dessen Reise nach Indien, worüber er mehrere Werke veröffentlichte ("Sahara et Laponie", 1876; "Inde et Himalaya", 1877). Auch schrieb er einen Roman: "Partie perdue" (1877), und das religiös-geschichtliche Werk "L'évolution religieuse contemporaine chez les Anglais, les Américains et les Hindous" (1884), das auch ins Englische übersetzt wurde.

Gobryas (pers. Gaubruva), einer der sieben Perser, die den falschen Smerdes stürzten; seine Entschlossenheit führte den Tod desselben herbei. Unter Dareios war er königlicher Bogenträger und zeichnete sich in dem Feldzug gegen die Skythen durch seine klugen Ratschläge aus: er deutete die symbolischen Geschenke derselben und riet zum raschen Rückzug. Sein Sohn war Mardonios, der Feldherr in den Perserkriegen.

Goch, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Kleve, an der Niers und der Linie Neuß-Zevenaar der Preußischen Staatsbahn und der niederländischen Nordbrabant-Deutschen Eisenbahn, hat ein Amtsgericht, eine evangelische, eine katholische und eine Mennonitenkirche, ein altes Schloß, 2 Waisenhäuser, Fabrikation von Bürsten, Pinseln, Plüschwaren, Zigarren, Leder etc., Ölmühlen und (1885) 5621 meist kath. Einwohner. G. erhielt zu Anfang des 13. Jahrh. vom Grafen von Geldern Stadtrechte und trieb im Mittelalter bedeutenden Leinwandhandel.

Goch, Johann von, eigentlich Johann Pupper, einer der namhaftern Vorläufer der Reformation, geboren zu Goch, gründete in Mecheln das Priorat Tabor der Kanonissinnen des heil. Augustin, dem er dann als Rektor vorstand, und starb 28. März 1475. Im Gegensatz zur Kirche seiner Zeit drang er in seinen Schriften (besonders "De libertate christiana" und "De quatuor erroribus circa legem evangelicam") auf eine mehr Augustinische Auffassung des Heils und auf biblische Studien. Vgl. Ullmann, Reformatoren vor der Reformation, Bd. 1 (Hamb. 1842).

Gochsheim, Stadt im bad. Kreis Karlsruhe, Amt Breiten, an der Kraich, hat ein Schloß, eine große Ölmühle und (1885) 1380 evang. Einwohner.

Göckingk, Leopold Friedrich Günther von, Dichter, geb. 13. Juli 1748 zu Groningen im Halberstädtischen, besuchte das Pädagogium zu Halle, wo er mit Bürger Freundschaft schloß, widmete sich sodann auf der Universität daselbst kameralistischen Studien, wurde Referendar bei der Kriegs- und Domänenkammer in Halberstadt, 1770 Kanzleidirektor zu Ellrich im Hohensteinischen, 1786 Kriegs- und Domänenrat bei der Kammer zu Magdeburg, 1788 Land- und Steuerrat zu Wernigerode, 1793 Geheimer Oberfinanzrat in Berlin. Im J. 1802 ging er auf den Wunsch des Prinzen von Oranien (spätern Königs der Niederlande) als Geheimrat nach Fulda, um eine neue Regierung für das Fürstentum, welches dem Haus Oranien als Entschädigung zugefallen war, einzurichten. Seit 1789 von Friedrich Wilhelm II. geadelt, schrieb er sich seitdem "G. auf Daldorf und Günthersdorf". Als nach dem Frieden von Tilsit (1807) das Generaldirektorium in Berlin aufgelöst wurde, nahm er seine Entlassung und wandte sich nun wieder der Poesie zu, die ihm seit langem fast fremd geworden war. Er hielt sich anfangs zu Berlin, dann bei seiner Tochter zu Wartenberg in Schlesien auf und starb 18. Febr. 1828 daselbst. G. trat zuerst mit "Sinngedichten" (Halberst. 1772; 2. Aufl., Leipz. 1778) auf, unter denen sich manche gelungene finden. Den "Liedern zweier Liebenden" (Leipz. 1777, 3. Aufl. 1819) ist Gewandtheit der Sprache nicht abzusprechen, doch bleiben sie bei aller Sinnlichkeit kalt und nüchtern. In den "Gedichten" (Leipz. 1779-82, 3 Bde.; 3. Aufl., Frankf. a. M. 1821, 4 Bde.) dürfen die poetischen Episteln als Göckingks beste Leistungen gelten. Man hat außerdem von ihm: "Prosaische Schriften" (Frankf. 1784); "Charaden und Logogryphen" (das. 1817); "Nicolais Leben und litterarischer Nachlaß" (das. 1820). Auch gab er Ramlers "Poetische Werke" (Berl. 1800, 2 Bde.) heraus und begründete 1784 das "Journal von und für Deutschland".

Goczalkowitz (spr. gotsch-), Badeort im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Pleß, an der Linie Emanuelsegen-Dzieditz der Preußischen Staatsbahn, hat 2 kath. Kirchen, ein Solbad (Marienquelle) und (1885) 1505 Einw. Die erbohrte Sole hat eine Temperatur von +16° C. und enthält in einem Liter 31,5488 g Chlornatrium, 5,2431 Chlorcalcium, 3,0287 g Chlormagnesium etc.

Godalming, Stadt in der engl. Grafschaft Surrey, 6 km oberhalb Guildford, am schiffbaren Wey, hat Strumpfweberei und (1881) 2505 Einw. Dabei die 1871 von London hierher verlegte Charterhouseschule, ein stattlicher Bau von Hardwicke.

Godan, s. v. w. Wodan.

Godard (spr. -dar), Benjamin, franz. Komponist, geb. 18. Aug. 1849 zu Paris, begann mit sieben Jahren das Studium des Violinspiels und spielte mit neun Jahren öffentlich im Quartett mit. Später wurde er Privatschüler von Reber (Komposition) und Vieuxtemps (Violine) und bereiste mit letzterm zweimal