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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gortschakow

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Gortschakow.

major ernannt. Im J. 1799 befand er sich unter Suworows Fahnen in Italien und der Schweiz und nahm teil an den Schlachten bei Tortona, an der Trebbia, bei Novi und am St. Gotthard. In den Jahren 1812-1814 befehligte er nacheinander mehrere Armeekorps, wohnte den Schlachten von Smolensk, beim Kloster von Kolot, bei Borodino und auf deutschem Boden bei Dresden, wo er den Übergang des Feindes über die Elbe verhinderte, und Leipzig bei. Er starb 11. (23.) Febr. 1855 in Moskau.

4) Peter, General, Sohn von G. 2), geb. 1790, machte die Feldzüge in Rußland und Deutschland mit, focht dann im Kaukasus unter Jermolow und ward 1826 Generalquartiermeister der Wittgensteinschen Armee. 1829 befehligte er gegen die Türken eine Infanteriedivision, siegte bei Aidos und schloß die Präliminarien des Vertrags von Adrianopel ab. Hierauf zum Generalleutnant befördert, ward er 1839 Generalgouverneur des westlichen Sibirien und 1843 General der Infanterie. Im Januar 1851 nahm er seine Entlassung, trat aber im Krimkrieg wieder in die Armee ein und befehligte das 6. Armeekorps in den Schlachten an der Alma und bei Inkjerman. Er schied 1855 zum zweitenmal aus dem Dienst und starb 18. März 1868 in Moskau.

5) Michael, Fürst, Bruder des vorigen, geb. 1795, trat 1807 bei der Gardeartillerie ein und ward 1809 zum grusinischen Korps, der jetzigen kaukasischen Armee, kommandiert, wo er als Adjutant des Generalmajors Paulucci am Kriege gegen Persien teilnahm. Nachdem er sich in den Feldzügen von 1812 bis 1814 durch Tapferkeit ausgezeichnet, wurde er 1817 als Oberst in den Generalstab versetzt und 1820 zum Chef des Stabes des 3. Infanteriekorps ernannt. In dieser Eigenschaft und mit dem Rang eines Generalmajors machte er den türkischen Feldzug von 1828 bis 1829 mit, wo er der Einnahme von Silistria, der Blockade von Schumna und vielen Treffen in der Nähe dieser Festungen beiwohnte. Zum Generaladjutanten und zum Chef des Stabes des 1. Infanteriekorps ernannt, kämpfte er 1831 in Polen mit und nahm an vielen Treffen der Avantgarde sowie an den Schlachten bei Grochow und Ostrolenka und an der Erstürmung Warschaus teil. 1846 ward er zum Generalgouverneur von Warschau ernannt. An dem ungarischen Krieg nahm er 1849 hervorragenden Anteil, ward sodann Generaladjutant des Kaisers und Stabschef der aktiven Armee, leitete als erstes Mitglied des Administrationsrats des Königreichs Polen die Zivilverwaltung desselben und war mehrmals Stellvertreter des Fürsten Paskewitsch. Beim Beginn des Krimkriegs war er Oberbefehlshaber der russischen Okkupationstruppen in der Walachei, bewies aber hier nicht die von ihm erwartete Energie. Er blieb unthätig an der Donau stehen und erlitt sogar von Omer Pascha einige Schlappen. Im März 1854 überschritt er zwar endlich die Donau, betrieb aber die Belagerung von Silistria sehr matt und legte erst beim Rückzug über die Donau große Umsicht an den Tag. Nachdem er noch eine Zeitlang in Bessarabien kommandiert hatte, erhielt er im März 1855 an der Stelle des Fürsten Menschikow den Oberbefehl in der Krim und über die gesamten in Südrußland befindlichen Streitkräfte. In dieser Stellung bewies G. zwar abermals wenig Unternehmungsgeist und wenig Neigung, durch offensive Operationen die Fortschritte der Verbündeten zu hemmen, und sein einziger Ausfall aus Sebastopol auf die rechte Flanke der Belagerungsarmee 16. Aug. endete mit der Niederlage an der Tschernaja; dagegen erwarb er sich durch ungemeine Standhaftigkeit während der Belagerung und durch bei der Räumung der Südseite der Festung 8. Sept. bewiesene Besonnenheit und Geschicklichkeit hohen Ruhm. Nach dem Krimkrieg war der im Februar 1856 als Paskewitsch' Nachfolger Statthalter von Polen, in welcher Stellung er sich bei aller Festigkeit mild und human bewies. Er starb 30. Mai 1861 in Warschau. Seine Leiche wurde auf seinen Wunsch in Sebastopol beigesetzt.

6) Alexander Michailowitsch, Vetter des vorigen, geb. 16. Juli 1798, erhielt seine Bildung im Lyceum von Zarskoje Selo, widmete sich dem diplomatischen Fach, wohnte als Attaché des Grafen Nesselrode den Kongressen von Laibach und Verona bei, ward 1824 Legationssekretär in London, 1829 Geschäftsträger in Florenz, 1832 Botschaftsrat in Wien, 1841 Gesandter in Stuttgart, wo er die Vermählung der Großfürstin Olga mit dem Kronprinzen von Württemberg einleitete, und Anfang 1850 mit Beibehaltung seines bisherigen Postens russischer Bevollmächtigter am deutschen Bundestag. Seit 1854 russischer Gesandter in Wien, wirkte er mit solcher Geschicklichkeit und Energie für die Sache Rußlands, daß ihn Kaiser Alexander im April 1856 zum Minister des Auswärtigen erhob. Als solcher ließ er keine Gelegenheit unbenutzt, um einen entschiedenen Gegensatz wider Österreich, dessen zweideutige Politik während des Krimkriegs er mit ganz Rußland für die gröbste Undankbarkeit hielt, hervorzukehren. Seinem Einfluß war es überhaupt beizumessen, daß sich Alexanders II. Regierung völlig freimachte von der frühern traditionellen Politik und ganz neue politische Verbindungen suchte. So wurden denn Annäherungsversuche an Frankreich, wie die Stuttgarter Begegnung des Zaren mit Napoleon, und Sympathien für Italien erkennbar, welche dem letztern 1859 gute Früchte trugen. G. vereitelte sodann weiter 1860 die Absicht des Kaisers Franz Joseph, sich Rußland wieder zu nähern. Doch hielt sich Rußland im ganzen sehr zurück, denn, wie G. sagte, "es grollt zwar nicht, aber es sammelt sich" ("La Russie ne boude pas, elle se recueille"). Erst der polnische Aufstand 1863 bot G. die Veranlassung, in einem Notenwechsel mit den interventionslustigen Westmächten eine Bestimmtheit und Energie zu entwickeln, welche ihn bei dem ganzen Volk außerordentlich populär machten. 1866 ward er zum Kanzler des russischen Reichs ernannt. Während des deutsch-französischen Kriegs forderte er, im Vertrauen auf Frankreichs Schwäche, Englands unbedingte Friedensliebe und Deutschlands dankbare Unterstützung, in einer Note an die Großmächte 31. Okt. 1870 die Aufhebung der Bestimmung des Pariser Friedens von 1856, welche Rußland die Haltung einer Kriegsflotte im Schwarzen Meer untersagte, Die Londoner Konferenz (Januar bis März 1871) gestand diese Forderung auch zu. Nach dem Frankfurter Frieden war er für Erhaltung des Friedens bemüht, und die Versöhnung mit Österreich wurde auf der Dreikaiser-Zusammenkunft in Berlin im September 1872, der G. anwohnte, besiegelt. Geschickt benutzte er die Spannung zwischen Deutschland und Frankreich, um Rußlands Einfluß in Europa zu vermehren und seiner eignen Eitelkeit Befriedigung zu verschaffen. So trat er 1875 in höchst anmaßlicher Weise als Friedensstifter zwischen Deutschland und Frankreich auf. Daneben suchte er die orientalische Politik Rußlands zu einem entscheidenden Erfolg zu führen, indem er die Türkei unter den herrschenden Einfluß Rußlands brachte. Da dies nicht auf friedlichem