Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Goerzke; Gorup-Besanez; Goryn; Görz; Gorze; Görzke; Górzno; Gös

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Gorup-Besanez - Gös.

dienst, ward Rat in der Ministerialabteilung für Finanzen, 1876 Wirklicher Geheimer Rat und Mitglied des Ministeriums und 1883 nach Schulz' Rücktritt Staatsminister. Als 18. Okt. 1884 der braunschweigische Thron durch den Tod des Herzogs Wilhelm erledigt wurde, trat G. als Präsident an die Spitze des Regentschaftsrats und übernahm nach der Einsetzung des Prinzen Albrecht von Preußen als Regenten wieder den Vorsitz im Staatsministerium.

Gorup-Besanez, Eugen, Freiherr von, Chemiker, geb. 15. Jan. 1817, bezog die Universität Graz, widmete sich dann dem Studium der Medizin zu Wien und Padua, wanderte 1839 nach Deutschland aus und setzte seine Studien in München fort. Er promovierte daselbst 1842, studierte dann Chemie in München und Göttingen, habilitierte sich 1849 in Erlangen, ward 1849 außerordentlicher, 1855 ordentlicher Professor der Chemie daselbst und Direktor des Laboratoriums der Universität. Er starb 24. Nov. 1878 in Erlangen. G. lieferte zahlreiche wichtige Untersuchungen im Gebiet der organischen und physiologischen Chemie und gilt als der bedeutendste Förderer der zoochemischen Analyse. Seine "Anleitung zur qualitativen und quantitativen zoochemischen Analyse" (Braunschw. 1850, 3. Aufl. 1871) wurde, wie sein "Lehrbuch der Chemie" (das., Bd. 1: "Anorganische Chemie", 7. Aufl., 1885; Bd. 2: "Organische Chemie", 6. Aufl. 1881; Bd. 3: "Physiologische Chemie", 4. Aufl. 1878 ff.), mehrfach übersetzt.

Goryn, Fluß in Westrußland, entspringt an der galizischen Grenze, mündet nach 780 km langem Lauf in zwei Armen rechts in den Pripet und ist bis auf 570 km von der Mündung schiffbar.

Görz (ital. Gorizia, slowenisch Gorica), seit 1849 mit Gradisca ein selbständiges Kronland der österreichischen Monarchie, das den Titel "gefürstete Grafschaft G. und Gradisca" führt und mit dem Gebiet von Triest und der Markgrafschaft Istrien ein gemeinsames Verwaltungsgebiet, das österreichisch-illyrische Küstenland (s. d.), bildet. Die Landschaft gehörte in frühster Zeit zu Illyricum, später zum Herzogtum Friaul und hatte mit diesen Ländern gleiches Schicksal, bis sie im 11. Jahrh. zu einer besondern Grafschaft erhoben ward, welche in der Familie der Eppensteiner und seit dem 12. Jahrh. in der der Lurngauer Grafen von G., einer Linie der Grafen von Pusterthal, erblich war. Im J. 1500, nach dem Aussterben der Grafen von G., fiel das Land an Österreich, mit dem es bis auf eine kurze Unterbrechung zur Zeit der französischen Okkupation 1809-14 vereinigt blieb. Von den (1880) 205,953 Einw. waren 129,857 Slowenen, 52,567 Friauler, 20,858 Italiener, 2659 Deutsche.

Die gleichnamige Hauptstadt liegt (86 m ü. M.) reizend in einer fruchtbaren, im S. vom Karst, im O. vom Tarnovaner Wald, im N. vom Monte Santo begrenzten Weinebene unweit des Isonzo und an der Südbahn und hat, von drei Seiten durch Gebirge beschützt, gegen S. dem Meer zugewendet offen, ein italienisches Klima. Unter den Gebäuden sind bemerkenswert: das auf einem isolierten Hügel sich erhebende Schloß der alten Grafen von G. in der obern oder alten Stadt (jetzt Kaserne), die Domkirche mit einem schönen Sakrarium, die ehemalige Jesuitenkirche und das Jesuitenkollegium (jetzt Kaserne), das Landtagsgebäude, das Munizipalgebäude, der Bischofshof, das Theater etc., auch mehrere Paläste und zahlreiche Villen, G. hat (1880) mit den Vorstädten und dem Militär (1512 Mann) 20,920 Einw. (der Sprache nach 13,517 Italiener, 3411 Slowenen und 2149 Deutsche). Die Haupterwerbsquellen der Bewohner bestehen in bedeutendem Obst- und Weinbau und sehr lebhaftem Handel. Die Industrie ist durch den großartigen Ritterschen Fabrikkomplex für Mahlprodukte, Baumwollspinnerei und -Weberei, Florettseidenspinnerei und Papierfabrikation am Isonzo, ferner durch die Erzeugung von Leder, Seife, Zündhölzchen und durch Färberei vertreten. Die Stadt ist Sitz eines Fürsterzbischofs sowie des Landtags für G. und Gradisca, einer Bezirkshauptmannschaft und eines Stadtmagistrats, eines Kreisgerichts, einer Forst- und Domänendirektion, eines Hauptzollamts, einer Handelskammer, einer Ackerbaugesellschaft, hat ein Obergymnasium, eine Oberrealschule, ein Zentralseminar mit theologischem Studium und Knabenseminar, eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Zeichen- und Modellierschule, eine Landes-Ackerbauschule, eine Studienbibliothek, ein Damenstift und mehrere Klöster, eine Taubstummenanstalt, eine Seiden- u. Weinbau-Versuchsstation, eine Sparkasse, eine Volksbank, eine Gasanstalt etc. Unweit G., auf der Höhe oberhalb der Stadt, befindet sich das Franziskanerkloster Castagnavizza mit den Gräbern des vertriebenen Königs von Frankreich, Karl X. (gest. 1836), seines Sohns, des Herzogs von Angoulême (gest. 1844), und dessen Gemahlin (gest. 1851), welche sich (seit 1836) in G. aufhielten, sowie des Grafen Heinrich von Chambord (gest. 1883). Neuerdings ist G. als klimatischer Kurort in Ruf gekommen (mittlere Jahrestemperatur 12,95°, mittlere Wintertemperatur 3,47° C.). Vgl. v. Czoernig, Das Land G. und Gradisca (Wien 1873); Derselbe, Die Stadt G. als klimatischer Kurort (das. 1874); Schatzmayer, Der klimatische Kurort G. (das. 1886).

Gorze (spr. gors'), Stadt und Kantonshauptort im deutschen Bezirk Lothringen, Landkreis Metz, nahe der französischen Grenze, hat ein Amtsgericht und (1885) 1126 kath. Einwohner. In der Umgegend von G. wurden 16. und 18. Aug. 1870 die Schlachten bei Vionville und Gravelotte geschlagen. Berühmt ist das vom Bischof Chrodegang 745 gegründete Kloster von G., welches im Mittelalter eine förmliche Souveränität über das Moselthal bis Metz und Pont à Mousson hin ausübte. Die Abtei ward damals in eine stark befestigte Burg verwandelt und 1543 vom Herzog von Guise nebst der Stadt für Frankreich in Besitz genommen. 1580 wurde das Kloster säkularisiert, jedoch blieb ein Kapitel bis 1752 bestehen. Vgl. Nimsgern, Histoire de la ville et du pays de G. (Metz 1853).

Görzke, Flecken mit Stadtrechten im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Jerichow I, hat Fabrikation von Steinkrügen u. (1885) 1695 evang. Einw.

Goerzke, Joachim Ernst von, brandenburg. General, geb. 11. April 1611 zu Bollersdorf in der Kurmark, trat 1623 als Page in die Dienste Gustav Adolfs, wurde 1632 bei Lützen schwer verwundet, blieb aber trotz der Verkürzung seines Beins im schwedischen Heer und war zuletzt Oberst eines Kavallerieregiments, lebte 1648-56 auf seinen Gütern, trat jedoch 1658 als Generalmajor in brandenburgische Dienste, nahm 1672-74 an den Feldzügen am Rhein teil, zeichnete sich 1675 bei Fehrbellin aus und starb 27. März 1682 als Gouverneur von Küstrin.

Górzno (Gurschno), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Marienwerder, Kreis Strasburg, an der polnischen Grenze, hat eine evangelische und eine kath. Kirche und (1885) 1614 Einwohner, darunter 500 Protestanten.

Gös, Längenmaß, s. Göß.