Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Graphisch; Graphische Künste

623

Graphisch - Graphische Künste.

mit dünnem, meist unter der Rindenoberfläche ausgebreitetem, weißlich durchscheinendem Thallus, welcher durch die rot gefärbten, verästelte Zellenreihen bildenden, der Algengattung Chroolepus entsprechenden Gonidien ausgezeichnet ist, und mit schwarzen, strichförmigen, Schriftzügen ähnlichen Apothecien, welche aus dem Thallus und der Baumrinde hervorbrechen. Sehr häufig an glatten Rinden verschiedener Laubbäume ist die gemeine Schriftflechte (G. scripta Ach.).

Graphisch (griech.), zur Schreib- oder Zeichenkunst gehörig; daher graphische Zeichen, graphische Figuren, s. v. w. Schriftzeichen; graphische Methode, Wiedergabe irgend eines komplizierten Vorganges durch Linien oder Figuren, z. B. die Darstellung der Ab- und Zunahme der Cholera in einem bestimmten Distrikt durch entsprechende Kurven (s. Diagramm). Am häufigsten bedient sich die Statistik dieser Methode (s. Statistische Darstellungsmethoden).

Graphische Künste, zunächst Schreiben, Zeichnen und Malen, dann auch diejenigen Künste, mit deren Hilfe man das einmal Gezeichnete oder Geschriebene zu vervielfältigen suchte. Die erste Erfindung auf dem Gebiet der neuern graphischen Künste war die Xylographie oder Holzschneidekunst (s. d.). Stempel, Patronen u. dgl. sind sicher schon in sehr alten Zeiten in Holz geschnitten worden; der eigentliche Figurenholzschnitt aber stammt aus dem Mittelalter, und bereits aus dem 14. Jahrh. sind Holzschnitte unzweifelhaft nachgewiesen. Eigne Formschneider und Briefdrucker traten auf. Offenbar hat diese Bilddruckerei den Anstoß zu Gutenbergs Erfindung der Typographie oder Buchdruckerkunst (s. d.) gegeben (1440), denn ihre ersten Erzeugnisse deuten auf dieselben Hilfsmittel hin. Man suchte den zeitraubenden Schnitt ganzer Tafeln für bestimmte Arbeiten derart zu vereinfachen, daß mit den einmal geschnittenen Figuren jeder beliebige Text hergestellt werden konnte, und so führten die der neuen Erfindung noch anhängenden Mängel zu weitern Erfindungen. Der mehrmalige Schnitt einer und derselben Type rief die Polytypie, die Vervielfältigung durch Guß, hervor, und es entstand die Schriftgießerei und Stempelschneidekunst (s. d.), mit deren Hilfe die Buchdruckerkunst erst zu einem Abschluß gedieh. Aus der Goldschmiedekunst ging um 1440 die Erfindung der Chalkographie oder Kupferstecherkunst (s. d.) hervor, und zwar scheint man zuerst in Südwestdeutschland in Metallplatten zum Zweck der Vervielfältigung durch Papierabdruck gestochen zu haben. Im Gegensatz zu dem Holzschnitt, dessen im Druck sichtbare Linien beim Schneiden erhaben stehen bleiben, führt der Kupferstecher sein Bild mit Stichel, Nadel oder durch Ätzung vertieft in Kupfer aus, und diese vertieften, mit Schwärze ausgefüllten Linien geben hier den Abdruck.

Der Holzschnitt ward gar bald eine unentbehrliche Beigabe zum Buchdruck und erreichte zu Albrecht Dürers und Hans Holbeins Zeit (um 1500-1530) seine erste Blüte; Meister wie Hans Schäuffelein, Hans Burgkmair, H. Lützelburger brachten ihn in Deutschland, Ugo da Carpi in Italien zu hoher Vollkommenheit. Später jedoch ging es damit rückwärts, obwohl die zweite Hälfte des 16. Jahrh. noch eine reiche Produktion aufweist. Das 17. Jahrh. sah den Verfall in immer gesteigertem Maß, bis der Holzschnitt im 18. Jahrh. auf der untersten Stufe angelangt war. Unterdessen hatte aber die Kupferstecherkunst in ihren verschiedenen Manieren eine weit universellere Ausbildung erlangt, denn während der Holzschnitt seine großen Meister hauptsächlich in Deutschland fand, bemächtigten sich die ersten Künstler und Maler aller Nationen des Kupferstichs teils zur direkten Wiedergabe ihrer Kartons, teils zur Nachbildung ihrer Gemälde. Der Umstand, daß Zeichner und Maler ihre Werke leichter in Kupfer vertieft und mit aller möglichen Feinheit als in Holz erhaben wiedergeben konnten, und daß der Abdruck größerer Kunstwerke weit treuer vom Kupferstich als vom Holzschnitt zu erzielen war, rechtfertigt diese Bevorzugung. Wir finden deshalb die eigentlichen Prachtwerke seit dem Ende des 16. Jahrh. schon häufiger mit Kupferstichen illustriert, und im 17. Jahrh. erreichte in den niederländischen Radierern, den niederländischen und französischen Kupferstechern sowohl die originale Erfindung als die nachbildende Thätigkeit ihren Höhepunkt. Das 18. Jahrh. läßt auch hierin einen starken Verfall erkennen. Erst in unserm Jahrhundert nahmen auch die graphischen Künste erneuten Aufschwung, und den ersten Anstoß hierzu gab die Erfindung der Lithographie (s. d.) oder des Steindrucks durch Senefelder (1796). Die Lithographie bot jedem Zeichner das Mittel, seine Arbeit ohne schwierige Vorstudien unmittelbar auf den Stein zu bringen, der sich auch leichter als Holz oder Metall behandeln läßt. Der einfache Über- oder Umdruck vorhandener Abdrücke sowie die Übertragung der mit besonderer Tinte auf Papier geschriebenen oder gezeichneten Objekte durch die sogen. Autographie (s. d.) erhöhten die geschäftliche Bedeutung der Lithographie, und diese hat sich seit der Erfindung der lithographischen Schnellpresse ganz besonders auch der Buchdruckerkunst gegenüber geltend gemacht. Aber auch in künstlerischer Hinsicht gewann sie sehr bald Freunde und weiteste Verbreitung, so daß der Kupferstich eine Menge Arbeiten an die billiger produzierende Rivalin abtreten mußte, während für die feinern, in kleinerm Maßstab gehaltenen Illustrationen abermals eine neue Erfindung, die Siderographie oder Stahlstecherkunst (s. Stahlstich), als vollberechtigte Mitbewerberin auftrat (1820).

Die Buchdruckerkunst hatte im großen und ganzen wenig Verbesserungen, welche durchgreifende Umgestaltungen ihrer selbst bedingt hätten, erfahren; die Kunst des Stempelschnittes und die Schriftgießerei waren im 18. Jahrh. zurückgegangen, von mittels des Holzschnittes illustrierten Werken konnte bei dem gleichzeitigen Verfall desselben keine Rede sein, aber es gehörten nur ein paar Jahrzehnte dazu, um das verlorne Terrain wiederzuerobern. Franzosen und Engländer gingen voran im Erzeugen neuer Stempel und Verzierungen aller Art; was in England erfunden und vervollkommt wurde, führten Franzosen mit Geschick und Geschmack in die Buchdruckerwelt ein; Deutschland folgte und stellte den Erfinder der Schnellpresse, Friedrich König (1810). Nun war der Kampf zwischen den graphischen Künsten zu gunsten der Buchdruckerkunst entschieden. Die Holzschneidekunst erwachte überdies nach langer Ruhe zu neuem Leben; Bewick in London, Gubitz in Berlin und Höfel in Wien gelangten wieder zur Meisterschaft auf diesem Gebiet; namentlich war es die Einführung des Schnittes in Hirnholz durch Bewick statt des bis dahin gebräuchlichen Langholzes, welche mächtig fördernd wirkte auf die Entwickelung der künstlerischen Xylographie. Aus den mit Holzschnitten verzierten Werken bildeten sich alsbald die Anfänge der illustrierten Zeitschriften (die Pfennig- und Hellermagazine) heraus, welche rasch eine große Verbreitung