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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Grippe der Pferde; Gripsholm; Griqualand; Gris; Grisaille; Grisebach

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Grippe der Pferde - Grisebach.

dern oft die vortrefflichste Wirkung äußert. Die Verbreitung der G. bietet das interessante Phänomen dar, daß sie bis zum Ende des 16. Jahrh., soweit wir dieses aus den vorhandenen Nachrichten zu schließen im stande sind, ihren Gang von Westen nach Osten nahm; von den Epidemien der Jahre 1387, 1510, 1557, 1580 und 1593 läßt sich wenigstens diese Richtung mit Bestimmtheit nachweisen. Vom Ende des 16. Jahrh. ab aber nehmen alle Epidemien der Influenza die umgekehrte Richtung, von Osten nach Westen. Die erste sicher konstatierte Epidemie der G. fällt in das Jahr 1387; seitdem haben zahlreiche G.-Epidemien, zum Teil von einer fast über Erdteile sich erstreckenden Verbreitung, geherrscht. In dem gegenwärtigen Jahrhundert waren die Jahre 1800-1803, dann 1830-37 und endlich 1857 und 1858 durch große G.-Epidemien heimgesucht.

Grippe der Pferde, s. Influenza.

Gripsholm, altes Schloß der schwed. Könige, unweit Mariefred, auf einer Insel des Mälarsees, von Gustav I. seit 1537 auf den Ruinen eines ältern Schlosses aufgeführt, war Lieblingsaufenthalt Gustavs III., der ein schönes Theater anlegen ließ, und besitzt mancherlei historische Merkwürdigkeiten, namentlich eine interessante historische Porträtsammlung. Hier saßen Johann III. (1563-67) und Erich XIV. (1571-73) gefangen und 1809 Gustav IV. Adolf, welcher hier dem schwedischen Thron entsagen mußte.

Griqualand, Name von zwei Distrikten der brit. Kapkolonie, benannt nach den Griqua, Mischlingen von Hottentoten und Holländern wie auch den von letztern importierten Sklaven aus dem Nordwesten Afrikas und den Inseln des Indischen Ozeans, deren Sprache ein mit den verschiedensten fremden Elementen versetztes Holländisch ist. Die Griqua wohnten im Anfang des letzten Jahrhunderts auf dem Roggeveld, nordöstlich von der Kapstadt, wurden aber 1875 durch die Ankunft der englischen Kolonisten über den Oranjefluß hinausgetrieben, wo sich ein Teil in dem jetzt Westgriqualand genannten Gebiet niederließ, während die andern zuerst in den jetzigen Distrikten Fauresmith und Smithfield des Oranjefreistaats wohnten, 1852 aber, durch die Buren beunruhigt, über die Drakenberge in den jetzt Ostgriqualand genannten Teil von Kaffraria wanderten. Westgriqualand, nördlich vom Oranjefluß, in den hier der Vaal mit Hart und Modder fließt, gehörte früher zum Teil dem Oranjefreistaat und der Transvaalrepublik, wurde aber 1871 der Kapkolonie als Provinz einverleibt, umfaßt die Divisionen Hay, Barkly und Kimberley und hat ein Areal von 45,300 qkm (822,7 QM.) mit (1881) 49,101 Einw., wovon ein Viertel Weiße, meist holländische Buren. Besonders wichtig ist das Gebiet geworden durch die 1868 im östlichen Teil am untern Vaal und bei Kimberley (s. d.) entdeckten Diamantenfelder. Ostgriqualand, der nordöstliche Teil von Nomansland in Kaffraria, im O. der Drakenberge, von Natal durch den Umzimkulu, von dem übrigen Nomansland durch den Ginichafluß getrennt, umfaßt 7533 qkm (137 QM.) mit (1881) 78,352 Einwohnern (zumeist Kaffern, dann Basuto, Fingo, Griqua), die hauptsächlich Viehzucht treiben; 1875 besaßen sie 160,000 Rinder, 6000 Pferde und 950 Karren. Doch ist das gut bewässerte Land für Ackerbau wohl geeignet, auch reich an Holz und Kupfer. Hauptort ist Kokstad mit 2000 Einw. Ostgriqualand (Gebiet Adam Koks) wurde 1874 mit der Kapkolonie vereinigt, nachdem schon 1861 der Pondohäuptling Faku die Hilfe Englands gegen die Zulu nachgesucht hatte. S. Karte bei "Kapland".

Gris, bei botan. Namen für A. Gris, Botaniker in Paris (Flora Neukaledoniens).

Grisaille (franz., spr. -sai), s. Kamaieu. Grisailles heißen auch leichte, aus weißem und schwarzem oder dunklem Garn feingitterig gewebte Seidenstoffe.

Grisebach, 1) August Heinrich Rudolf, Botaniker, geb. 17. April 1814 zu Hannover, studierte 1832-35 in Göttingen und bis 1837 in Berlin Medizin und Botanik und habilitierte sich 1837 an ersterer Universität als Privatdozent. 1839 unternahm er eine Reise durch die Türkei, auf welcher er namentlich Bithynien, Thrakien, Makedonien und Albanien in naturhistorischer Beziehung durchforschte, sodann 1842 eine andre durch Norwegen, 1850 durch die Pyrenäen, 1852 nach Siebenbürgen. Schon 1841 war er zum außerordentlichen, 1847 zum ordentlichen Professor an der Universität ernannt worden, und 1875 erhielt er die Direktion des botanischen Gartens. Er starb 9. Mai 1879 in Göttingen. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Observationes quaedam de familiae Gentianearum characteribus" (Berl. 1836); "Genera et species Gentianearum" (Stuttg. u. Tübing. 1839); "Smilaceae, Dioscoreae und Malpighiaceae" in Martius' "Flora brasiliensis"; "Erläuterungen ausgewählter Pflanzen des tropischen Amerika" (Götting. 1860); "Grundriß der systematischen Botanik für akademische Vorlesungen" (das. 1854); auch bearbeitete er die Gentianeen in De Candolles "Prodromus". Hauptsächlich aber beschäftigte sich G. mit Pflanzengeographie, welche durch ihn die wesentlichste Förderung erfuhr. Er gab Jahresberichte über die Fortschritte der geographischen Botanik im "Archiv für Naturgeschichte" 1840-53 und seit 1866 in Behms "Geographischem Jahrbuch", eine zusammenfassende Darstellung aber in dem Werk "Die Vegetation der Erde nach ihrer klimatischen Anordnung" (Leipz. 1872, 2 Bde.; 2. Aufl. 1885). Außerdem schrieb er: "Reise durch Rumelien und nach Brussa im Jahr 1839" (Götting. 1841, 2 Bde.); "Spicilegium florae rumelicae" (Braunschw. 1843-1846, 2 Bde.); "Über die Bildung des Torfs in den Emsmooren" (Götting. 1846); "Die Vegetationslinien des nordwestlichen Deutschland" (das. 1846); "Die geographische Verbreitung der Hieracien" (das. 1852); "Systematische Untersuchungen über die Vegetation der Karaiben" (das. 1857); "Systematische Bemerkungen über die Pflanzensammlungen Philippis und Lechlers im südlichen Chile und an der Magellansstraße" (das. 1854); "Flora of the British Westindian islands" (Lond. 1859-64, 2 Bde.); "Die geographische Verbreitung der Pflanzen Westindiens" (Götting. 1865); "Catalogus plantarum cubensium" (Leipz. 1866); "Plantae Lorentzianae; Bearbeitung argentinischer Pflanzen" (Götting. 1874); "Symbolae ad floram argentinam" (das. 1879). Auch bearbeitete er die Pflanzengeographie für Bruhns' Biographie Humboldts. Nach seinem Tod erschienen: "Gesammelte Abhandlungen und kleinere Schriften zur Pflanzengeographie" (Leipz. 1880).

2) Eduard, Schriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 9. Okt. 1845 zu Göttingen, studierte die Rechte in seiner Vaterstadt und widmete sich dann der diplomatischen Laufbahn, auf der er zuerst bei den deutschen Botschaften in Rom und Konstantinopel, dann als Kanzler des deutschen Konsulats in Smyrna und 1876 als Vizekonsul in Jassy angestellt ward. Im J. 1880 wurde er als Konsul nach Bukarest, 1881 als solcher nach Petersburg, Ende 1883 nach Mailand