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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Große Jury - Grosser.

dann kommensurabel, oder es existiert kein solches gemeinsames Maß, die Größen sind inkommensurabel. Im ersten Fall wird ihr Verhältnis durch rationale, im letztern durch irrationale Zahlen dargestellt. Die Umfänge eines gleichseitigen Dreiecks und eines Quadrats von gleicher Seitenlänge sind kommensurabel, sie verhalten sich wie 3:4; Durchmesser und Umfang eines Kreises aber sind inkommensurabel, sie verhalten sich wie 1:3,1415926... Indem die Arithmetik die verschiedenen Verbindungen der Zahlengrößen bildet, führt sie bei den sogen. indirekten Rechnungsoperationen auf neue Arten von Größen. So kommt man bei der Subtraktion auf den Gegensatz zwischen positiven und negativen Größen. Diesem Gegensatz entsprechen im gewöhnlichen Leben die Gegensätze zwischen Einnahme und Ausgabe, Vermögen und Schulden u. dgl., ohne daß aber alle Eigenschaften positiver und negativer Größen auf diese Art darstellbar sind. Beim Wurzelausziehen kommt man ferner auf den Gegensatz zwischen reellen und imaginären Größen. Ein andrer Gegensatz ist der zwischen endlichen und unendlich großen oder unendlich kleinen Größen. Unendlich groß heißt eine G., wenn sie größer ist als jede angebbare G.; eine Zahl n, die man ohne Aufhören wachsen läßt, wird also unendlich groß (∞). Dagegen ist ein Bruch, dessen Zähler eine endliche Zahl, z. B. die Einheit, und dessen Nenner unendlich groß ist, eine unendlich kleine Zahl, d. h. eine solche, welche sich der Null unbegrenzt nähert. In diesem Sinn schreibt man a / ∞ = 0 und umgekehrt a / 0 = ∞, wo a jede beliebige endliche Zahl sein kann. Mit den unendlich großen und unendlich kleinen Größen beschäftigt sich die Infinitesimalrechnung. In der Algebra unterscheidet man bekannte und unbekannte Größen; erstere werden gewöhnlich mit den ersten Buchstaben des Alphabets: a, b, c ..., letztere mit den letzten Buchstaben: x, y, z, u ..., bezeichnet. Auf dieselbe Weise bezeichnet man in der Analysis die festen oder konstanten Größen einesteils und die veränderlichen oder variabeln andernteils.

Große Jury, s. Anklagejury.

Großenehrich, Stadt in der Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen, hat eine schöne Kirche und (1885) 986 evang. Einwohner.

Großengottern, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Langensalza, unweit der Unstrut und an der Linie Gotha-Leinefelde der Preußischen Staatsbahn, hat 2 Pfarrkirchen, eine große Dampfziegelei, bedeutenden Handel mit Zwiebeln und sauren Gurken und (1885) 2314 evang. Einwohner.

Großenhain, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, 117 m ü. M., Knotenpunkt der Linien Berlin-Dresden und G.-Kottbus der Preußischen und Priestewitz-G. der Sächsischen Staatsbahn, ist Sitz einer Amtshauptmannschaft und eines Amtsgerichts, hat eine Kirche (die Frauenkirche von 1748), eine Realschule, ein neues Rathaus, eine Wasserkunst (seit 1492), eine Stadtbibliothek, einen schönen, 5 Hektar großen Stadtpark, bedeutende Tuch-, Buckskin- und Strumpfwarenfabrikation, Modegarnspinnerei, Kattundruckerei und Blechspulenfabrikation (in dem mit G. zusammenhängenden Dorf Naundorf), eine Wachstuchfabrik (in dem nahen Dorf Großwaschütz), Fabrikation von Webstühlen und Maschinen, ein Dampfsägewerk, 2 Dampfbrauereien, 3 Buchdruckereien, 2 Dampfziegeleien, Lohgerberei, Walkfett- und Seifenfabrikation, Lohstampferei, Feilenschleiferei, Kunst- und Handelsgärtnerei, bedeutende Gemüsegärtnerei, zahlreiche Spar-, Vorschuß- und Konsumvereine, stark besuchte Schweinemärkte und (1885) mit Garnison (1 Regiment Husaren Nr. 18) 11,544 meist evang. Einwohner. - G., eine Gründung der Sorben (um 900), gehörte ehedem zur Markgrafschaft Meißen und war häufig der Aufenthalt Friedrichs des Freidigen und Diezmanns, von welchen der erstere hier durch die Markgrafen Waldemar und Johann von Brandenburg 1312 eine Niederlage erlitt. Infolge derselben kam G. an Brandenburg, wurde aber schon 1316 an Meißen zurückgegeben. Am 16. Mai 1813 hier Gefecht zwischen den Franzosen und Russen.

Größenlehre, s. v. w. Mathematik.

Großenlüder, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda, an der Lüder und der Linie Gießen-Fulda der Oberhessischen Eisenbahn, hat ein Amtsgericht, eine kath. Kirche, eine Oberförsterei und (1885) 1574 Einw.

Größenwahn, ein krankhafter Komplex irriger Vorstellungen (Wahnideen), welcher sich in gehobenem Selbstbewußtsein, Überschätzung der persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten, in der Einbildung hoher Abkunft, reicher Schätze etc. äußert. Der G. tritt bei verschiedenen psychischen Prozessen, die man als "Geisteskrankheiten" zusammenfaßt, auf und zeigt gewöhnlich den Beginn derselben an. So wird die Verrücktheit gewöhnlich durch G. eingeleitet, der mit Sinnestäuschungen und andern Symptomen verbunden sein kann. Am reinsten und in auffälligstem Grad kommt der G. bei der paralytischen Geisteskrankheit zur Erscheinung. Die Kranken halten sich für vornehme Personen, Fürsten, Könige, für Heroen der Gegenwart oder Vergangenheit, für Propheten oder höhere, mit göttlicher Vollkommenheit ausgerüstete Wesen. Sie versichern, daß sie zu den unglaublichsten Leistungen auf allen Gebieten des Geistes und der Körperthätigkeit befähigt seien, daß sie ungeheure Schätze, Legionen von Soldaten etc. zu ihrer Verfügung haben, daß ihnen nichts unmöglich oder zu schwer zu erfüllen sei. Später gehen diese Wahnideen immer mehr ins Läppische über und enden unter körperlichen Lähmungserscheinungen schließlich mit ausgesprochenem unheilbaren Blödsinn.

Grosse pièce (franz., spr. gross' pjähs), in der kulinarischen Kunstsprache das Fleischgericht (relevée de boucherie), welches bei einem Diner gewöhnlich als viertes Gericht nach dem Fisch vorgesetzt wird. Es besteht in der Regel aus einem großen Stück Fleisch (Roastbeef, Hammelrücken, Wild, großes Geflügel, Schinken etc.) und wird auch pièce de résistance genannt, weil dadurch ein tüchtiger Grund im Magen gelegt werden soll. Bei dem französischen Service im alten Sinn, wo die Gerichte gleichzeitig auf den Tisch gesetzt wurden, wurden die grosses pièces in die Mitte und an die Ecken der Tafel gestellt. Sie waren gleichzeitig Schaustücke und beschränkten sich nicht auf Fleischgerichte. Namentlich kamen große Fische und Riesenpasteten viel zur Verwendung.

Grosser, Anna, geborne Rilke, Pianistin, geb. 29. April 1855 zu Melnik in Böhmen von deutschen Eltern, erhielt ihre musikalische Ausbildung am Leipziger Konservatorium, genoß dann noch den Unterricht Liszts in Weimar und verheiratete sich hier mit dem Maler Treuenfels, der schon nach wenigen Jahren in Rom, wohin das Paar übergesiedelt war, starb. G. ließ sich darauf in Berlin nieder, wo sie 1882 eine zweite Ehe mit dem Schriftsteller Julius Grosser, Vertreter des "New York Herald", schloß und bald zu den ersten Zierden der Konzertprogramme gehörte. Auch auf Kunstreisen, zuletzt (1884-85) in