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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Großwürdenträger; Großzimmern; Grot; Grote

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Großwürdenträger - Grote.

Großwürdenträger, die obersten Beamten eines Staats, welche der ersten Rangklasse angehören. Die G. der katholischen Kirche sind die höchsten Geistlichen, namentlich also Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe.

Großzimmern, Flecken in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg, an der Gersprenz, hat eine kath. Kirche, Streichholz- und Zünderfabriken, Töpferthongruben, starken Geflügelhandel und (1885) 2869 Einw.

Grot (Mehrzahl Groten), etymologisch gleichbedeutend mit Groschen (s. d.), frühere Silberscheide- und Rechnungsmünze in Bremen, den Niederlanden, Ostfriesland und Oldenburg; galt in Bremen 1/72 Thlr. in Gold, in Oldenburg 1/72 Thlr. Kurant und wurde hier wie dort in fünf Schwaren eingeteilt. In Hamburg war der G. oder Pfennig vlämisch = 1/12 Schilling vlämisch, eine Rechnungsmünze, die bei Preisstellungen angewendet wurde und 1/32 Bankmark oder ½ Schilling Bankvaluta bedeutete. In den Niederlanden war ein G. vlämisch = 1/40 Gulden holländisch Kurant = 2½ Cents. Ein G. in Bremen = 4,58 Pf., in Oldenburg = 4,166 Pf., in Hamburg = 4,73 Pf., in Holland = 4,25 Pf.

Grot, Jakob, russ. Sprachforscher, geb. 15. Dez. (a. St.) 1812 zu Petersburg, erhielt seine Bildung im Lyceum in Zarskoje Selo und trat 1832 als Beamter in die Kanzlei des Ministerkomitees, bald nachher in die des Reichsrats ein, wo er an dem bekannten Baron Korff (später Staatssekretär und Direktor der kaiserlichen Bibliothek) einen aufgeklärten Gönner fand. Die Neigung für litterarische und wissenschaftliche Thätigkeit veranlaßte ihn, 1839 diesen Dienst zu verlassen, und nachdem er sich das Schwedische gründlich angeeignet, ward er Professor der russischen Litteratur und Geschichte an der Alexanders-Universität in Helsingfors. Im J. 1853 wurde er nach Petersburg berufen als Professor der russischen Litteratur am kaiserlichen Lyceum und als Lehrer der jungen Großfürsten, des verewigten Thronfolgers Nikolai und seines Bruders, des jetzt regierenden Kaisers Alexander. Schon 1855 Mitglied der Akademie der Wissenschaften geworden, konnte er sich, mit dem Eintritt der Mündigkeit des Thronfolgers (1859), seiner Lehrstelle und nach Niederlegung derselben (1862) ausschließlich seinen Lieblingsstudien widmen. Unter die ersten seiner litterarischen Arbeiten gehört die metrische Übersetzung von Byrons "Mazeppa"; später folgte, im Versmaß des Originals, diejenige der "Frithjofssage" von Tegnér, die "Fahrten in Finnland", eine Reihe von Aufsätzen über die finnische und schwedische Litteratur und (in schwedischer Sprache) eine Geschichte Rußlands bis Peter d. Gr. ("Handbok i ryska rikets historia", Helsingfors 1850-51). Als Akademiker arbeitet G. hauptsächlich im Gebiet der russischen Philologie; seine hierher gehörigen Schriften: "Philologische Forschungen" (in russischer Sprache) erschienen gesammelt in dritter Auflage 1885. Seine Hauptarbeit für die Litteraturgeschichte bildet die kritische Herausgabe der sämtlichen Werke des Dichters Dershawin (1743-1816) mit Lebensbeschreibung in 9 Bänden. Im Auftrag der Historischen Gesellschaft gab G. die Papiere Katharinas II. heraus, worunter besonders ihr Briefwechsel mit Grimm hervorzuheben ist. Seine neueste Arbeit ist ein im Auftrag der Akademie ausgearbeitetes Handbuch der russischen Rechtschreibung.

Grote, 1) (spr. groht) George, engl. Geschichtschreiber und Staatsmann, geb. 17. Nov. 1794 aus einer ursprünglich deutschen Familie zu Clay Hill in der Grafschaft Kent, ward in der Charterhouseschule erzogen und trat, 16 Jahre alt, in das Bankiergeschäft seines Vaters ein, widmete sich aber daneben dem Studium der alten Klassiker und nahm regen Anteil an den politischen Bewegungen seiner Zeit. Im J. 1821 veröffentlichte er eine anonyme Flugschrift gegen Sir James Mackintoshs "Essay on parliamentary reform" und schrieb später ein kleines Werk: "On the essentials of parliamentary reform". Im Dezember 1832 für London ins Parlament gewählt, schloß er sich der radikalen Partei an und stellte sich besonders die Einführung der geheimen Abstimmung (Ballot) zur Aufgabe, die er alljährlich beantragte. Da es ihm indes nicht gelang, den Widerstand der Konservativen und eines großen Teils der Whigs zu besiegen, so legte er 1841 sein Mandat nieder und trat anderthalb Jahre später auch vom Bankgeschäft zurück, um sich lediglich mit der Ausarbeitung seiner "History of Greece" (Lond. 1846-56, 12 Bde. nebst 2 Bdn. Exkurse; 5. Aufl. 1883, 12 Bde.; deutsch, 2. Aufl., Berl. 1880, 4 Bde.; die Abschnitte "Mythologie und Antiquitäten" daraus besonders übersetzt von T. Fischer, Leipz. 1856-60, 4 Bde.) zu beschäftigen, die er schon 1823 begonnen, und die sich ebenso durch Gründlichkeit der Forschung wie durch Popularität und Schönheit der Darstellung auszeichnet. Sie umfaßt die ganze Zeit von den ersten Anfängen des Griechenvolkes bis zum Tod Alexanders d. Gr. Grotes republikanische Gesinnung macht sich in der günstigen Beurteilung der athenischen Demokratie bemerkbar. Daran schloß sich "Plato and the other companions of Socrates" (1864, 3 Bde.; 4. Aufl. 1885); ein ähnliches Werk über Aristoteles (hrsg. von Bain und Robertson, 1872, 2 Bde.; 2. Aufl. 1879) blieb unvollendet. Die Universität Oxford ernannte ihn 1853 zum Ehrendoktor; 1868 wurde er Vizekanzler der Universität London. Er starb 18. Juni 1871 und ward neben Gibbon in der Westminsterabtei beigesetzt. Aus seinem Nachlaß erschienen: "Minor works, with critical remarks" (1873); "Fragments on ethical subjects" (1876) und "Seven letters concerning the politics of Switzerland pending the outbreak of the civil war in 1847" (1876), eine trefflich geschriebene Untersuchung über den Sonderbundskrieg. - Seine an Geist und Bildung ihm ebenbürtige Gattin Harriet G. (gest. 29. Dez. 1878) gab nach seinem Tod seine Biographie heraus (deutsch von Seligmann, Leipz. 1874). Vgl. Lady Eastlake, Mrs. G. (Lond. 1881).

2) Hermann, Numismatiker und Heraldiker, geb. 28. Dez. 1802 zu Hannover, studierte die Rechte in Göttingen, promovierte daselbst und lebt seitdem meist in Hannover, wo er eine Zeitlang Konservator des königlichen Münzkabinetts war. G. hat sich durch Begründung und langjährige Redaktion der "Blätter für Münzkunde" (Leipz. 1834-39, Bd. 1-4), deren neue Folge u. d. T.: "Münzstudien" (das. 1855-1872, 8 Bde.) erschien, und eine große Anzahl in diesen Zeitschriften veröffentlichter, zum Teil sehr umfangreicher Arbeiten über deutsche Münzen des Mittelalters, über technische und staatsrechtliche Fragen der Münzkunde etc. hervorragende Verdienste erworben. Als Separatabdrücke erschienen davon: "Die Münsterschen Münzen des Mittelalters und das ältere Münz- und Geldwesen Westfalens" (1856); "Geschichte des königlich preußischen Wappens" (1861); "Geschichte der welfischen Stammwappen" (1863); "Osnabrückische Geld- und Münzgeschichte" (1864); "Die Geldlehre, insbesondere der Wiener Münzvertrag von 1857" (1867). Außerdem schrieb er: "Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover