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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Grün - Grund.

gelben, z. B. aus Berliner Blau und Chromgelb, zusammengesetzt, doch liefern viele Chromverbindungen (Chromoxyd, Chromhydroxyd) und Kupferverbindungen (Schweinfurter Grün, Schwedisches Grün, Malachit etc.), auch manche Pflanzen (Saftgrün, Lokao) sehr schöne grüne Farben. Ebenso hat man einige grüne Teerfarben dargestellt. G. ist die Farbe der Hoffnung. Es gilt aber auch im eigentlichen wie im übertragenen Sinn als Bezeichnung des Unreifen. - Französisches G., s. Grünerde.

Grün, 1) Karl, Publizist, geb. 30. Sept. 1817 zu Lüdenscheid in Westfalen, studierte zu Bonn und Berlin, wurde dann Lehrer des Deutschen am Kollegium in Kolmar und gründete 1842 in Mannheim die radikale "Mannheimer Abendzeitung". Aus Baden und Bayern ausgewiesen, wandte er sich nach Köln, wo er Vorlesungen über Litteratur- und Kunstgeschichte hielt und sein Werk "Friedrich Schiller als Mensch, Geschichtschreiber, Denker und Dichter" (Leipz. 1844) schrieb, wie in Paris, wohin er 1844 ging, das Buch "Die soziale Bewegung in Frankreich und Belgien" (Darmst. 1845) und "Über Goethe vom menschlichen Standpunkt" (das. 1846). Im J. 1848 nach Deutschland zurückgekehrt, ward er in die preußische Nationalversammlung (in der er zur äußersten Linken gehörte), 1849 auch in die preußische Zweite Kammer gewählt, nach deren Auflösung aber wegen "intellektueller" Beteiligung an dem Pfälzer Aufstand verhaftet und erst nach achtmonatlicher Haft freigesprochen. G. lebte seitdem schriftstellerisch thätig in Belgien, brachte ein Jahr (1861) in Italien zu, wurde nach seiner Rückkehr Lehrer an der Handels- und der höhern Gewerbeschule zu Frankfurt, hielt 1865-68 Vorlesungen in den rheinischen Städten und siedelte 1870 nach Wien über, wo er noch jetzt lebt. Er veröffentlichte noch: "Ludwig Napoleon Bonaparte, die Sphinx auf dem französischen Kaiserthron" (3. Aufl., Hamb. 1860); "Frankreich vor dem Richterstuhl Europas" (anonym, Trier 1860); "Italien im Frühjahr 1861" (Münch. 1861); "Fragmente aus Italien; Natur und Kunst" (das. 1862); "Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts" (Leipz. 1872); "Ludwig Feuerbach in seinem Briefwechsel und Nachlaß" (das. 1874, 2 Bde.); "Die Philosophie in der Gegenwart" (das. 1876); "Kulturgeschichte des 17. Jahrhunderts" (das. 1880, 2 Bde.) u. a.

2) (Grien) Maler, s. Baldung.

3) Anastasius, Pseudonym, s. Auersperg 1).

Grünauge (Chlorops Meig.), Insektengattung aus der Ordnung der Zweiflügler und der Familie der Fliegen (Muscariae), kleine und sehr kleine Insekten mit halbrundem, in die Quere gezogenem Kopf, stark zurückweichendem Untergesicht, sehr breiter, feinhaariger Stirn, schön grünen Augen, drei Nebenaugen auf schwarzem Scheiteldreieck und bisweilen verkümmerten Flügeln. Das bandfüßige G. (Kornfliege, C. taeniopus Meig., s. Tafel "Zweiflügler") ist 4 mm lang, gelb mit schwarzen Fühlern, schwarzem Scheiteldreieck und schwarzen Striemen auf dem Hinterkopf und Thorax, schwarzbraunen Querbinden auf dem Hinterleib und gelben Beinen, von welchen die schwarzen Fußglieder der vordersten beim Männchen einen gelben Mittelring besitzen. Die Flügel sind glashell. Das Weibchen legt die Eier zwischen die Blätter des Weizens und der Gerste, wenn die Ähre noch tief zwischen denselben verborgen ist; die Larve frißt einen braun werdenden Kanal vom letzten Knoten bis zur Ähre, infolgedessen der Halm im Innern sich verdickt und keine gesunde Ähre entwickelt (Gicht oder Podagra). Sie verpuppt sich nahe dem obersten Knoten zwischen Halm und Blattscheide oder in der Ähre. Die zweite Generation lebt wahrscheinlich in den Wintersaaten und tötet diese oft noch vor dem Winter. Auch das gestriegelte G. (C. strigula Fabr.), mit rußigbraunem Hinterleib, und das liniierte G. (C. lineata Fabr.), mit glänzend schwarzem Hinterleibsrücken und schwarzem dritten Fühlerglied, werden dem Getreide schädlich.

Grünbeeren, s. Rhamnus.

Grünberg (Grüneberg), 1) Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, an der Linie Breslau-Stettin der Preußischen Staatsbahn, ganz von Weinbergen umgeben, zwischen denen sich die Grünberger Höhe erhebt (mit hübscher Aussicht vom Belvedere), hat vier Vorstädte, eine evangelische und eine kathol. Kirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht, ein Realgymnasium, eine Musterwebschule, eine Reichsbanknebenstelle, bedeutende Tuch- und Wollwarenfabrikation, Zwirnerei, Fabriken für Brückenbau und Maschinen (zur Landwirtschaft und Textilindustrie), Dachpappe und künstliche Blumen, Schaumweinfabrikation, Bierbrauerei, ein Braunkohlenbergwerk, Obst- und sehr bedeutenden Weinbau und (1885) 14,396 meist evang. Einwohner. Der Weinbau, in der Umgegend auf mehr als 1100 Hektar gepflegt, liefert nicht allein eine große Menge von Trauben zur Ausfuhr, sondern in guten Jahren bis 30,000 hl Wein (Grünberger). Die Stadt gehörte ehemals zum Fürstentum Glogau. Der Weinbau besteht schon seit 1150. Vgl. Wolff, Geschichte der Stadt G. (Grünb. 1848). - 2) Stadt in der hess. Provinz Oberhessen, Kreis Gießen, an der Linie Gießen-Fulda der Oberhessischen Eisenbahn, hat eine hübsche Kirche, ein altes Schloß, ein Amtsgericht, ein Hospital, zwei Oberförstereien, Woll-, Leinen- und Baumwollwebereien und (1885) 2161 evang. Einwohner.

^[Abb.: Wappen von Grünberg.]

Grünberger Handschrift, eine böhmische, 1817 von dem Privatbeamten Joseph Kovar im Archiv des Schlosses Grünberg bei Nepomuk aufgefundene Handschrift, gegenwärtig im böhmischen Nationalmuseum zu Prag befindlich. Sie besteht aus vier Pergamentblättern, stammt angeblich aus dem 9. Jahrh. und enthält zwei epische Fragmente: "Der Landtag" und "Libusas Gericht". Ihre Echtheit wurde zuerst 1824 von Dobrovsky, dann von Kopitar, Büdinger u. a. angefochten, dagegen von Jungmann, Palacky, Schafarik, Tomek ("Die G. H.", Prag 1859) und J. ^[Joseph] Jireček verteidigt. In neuester Zeit (1886) haben auch die Prager Professoren Gebauer und Massaryk ernste Bedenken gegen die Echtheit der G. H. erhoben.

Grünbleierz, s. Pyromorphit.

Grünbücher, in Italien die offiziellen Sammlungen diplomatischer Aktenstücke, welche von der Regierung dem Parlament zur Einsichtnahme unterbreitet werden, entsprechend den englischen Blaubüchern (s. d.).

Grund, im logischen Sinn das, worauf ein Gedanke oder eine Gedankenreihe beruht, worauf sie sich gründet. In der Gedankenwelt redet man also insofern von Gründen, als man einen Gedanken für wahr hält, weil man den andern für wahr anerkannt hat, mithin einen Gedanken (Folge) von dem andern (G.) ableitet. In der folgerichtigen Ableitung der Gedanken voneinander, in der Zurückführung