Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

875

Grüner Zinnober - Grünhagen.

besteht aus rotem Fes mit blauer Quaste, umwunden mit einem grünen Tuch.

Grüner Zinnober, s. Chromgrün.

Grünes Gewölbe, s. Dresden, S. 142.

Grünes Vorgebirge (portug. Cabo verde), die westlichste Spitze Afrikas, unter 17° 30' westl. L. v. Gr. und 14° 53' nördl. Br., zwischen den Mündungen des Gambia und des Senegal, ein mit dünner Pflanzenschicht überzogenes Sand- und Felsengestade, das 1444 von dem Portugiesen Nuno Tristão entdeckt und benannt wurde.

Grünes Wachs (Grünspancerat, Ceratum aeruginis, C. viride, Emplastrum viride), eine durch Zusammenschmelzen erhaltene Mischung von 12 gelbem Wachs, 6 Fichtenharz, 4 Terpentin und 1 gepulvertem Grünspan, wird gegen Warzen und Hühneraugen benutzt.

Grunewald, ein fiskalisches, wildreiches Forstrevier im SW. von Berlin (s. Karte "Umgebung von Berlin"), zwischen Charlottenburg, Schmargendorf, Zehlendorf, dem Wannsee und der Havel, im N. an den Spandauer Forst grenzend, 4676 Hektar groß, wird von der Berlin-Wetzlarer Eisenbahn durchschnitten und ist von Berlin aus mit der Stadt- und Ringbahn (Stationen G. und Halensee), der Wannseebahn und einer Dampfstraßenbahn zu erreichen. Er ist wegen seiner wechselnden Wald-, See-, Berg- und Thalbilder für die Berliner Bevölkerung ein bevorzugtes Ziel sommerlicher Ausflüge geworden. Das königliche Jagdschloß am Grunewaldsee wurde 1542 unter Kurfürst Joachim II. in einfachem Stil erbaut und ist seitdem zum Rendezvous für die königlichen Jagdgesellschaften bestimmt. In der Nähe liegt der Vergnügungsort Paulsborn, südwestlich davon die "Alte" und "Neue Fischerhütte" am Schlachtensee, im nördlichen Teil Hundekehle und Halensee an zwei kleinen Seen.

Grünewald, Matthias, deutscher Maler, welcher am Ende des 15. und im ersten Viertel des 16. Jahrh. thätig war. Man weiß von seinen Lebensverhältnissen nur, daß er zu Aschaffenburg geboren war und sich meist in Mainz aufhielt. Auch sein künstlerisches Schaffen ist noch in Dunkel gehüllt. Nur so viel ist sicher, daß er ein bedeutender, reichbegabter Meister war, der nach großartiger Formenauffassung, breiter malerischer Behandlung und nach Licht- und Helldunkeleffekten strebte, wie sie gleichzeitig Correggio erreichte. G. wurde deshalb auch der "deutsche Correggio" genannt. Sein beglaubigtes Hauptwerk ist das zwischen 1493 und 1516 durch den Präzeptor Guido Guersi auf den Hochaltar der Antoniterpräzeptorei Isenheim im Oberelsaß gestiftete Altarwerk, auf dessen Tafeln (jetzt im Museum zu Kolmar) G. die Gestalten des heil. Antonius und des heil. Sebastian, die Einsiedler Antonius und Paulus in einer wilden, phantastischen Landschaft, die Versuchung des heil. Antonius und die Madonna in einer reichen Landschaft mit singenden und musizierenden Engeln darstellte. Ein zweites bedeutendes Werk von G. ist die Unterredung der Heiligen Erasmus und Mauritius in der Pinakothek zu München, das Mittelbild eines Altarwerkes, welches sich ehedem im Dom zu Halle befand, aber auf Albrechts von Brandenburg Befehl zur Zeit der Reformation in die Stiftskirche zu Aschaffenburg übergeführt wurde. Durch Sandrart beglaubigt sind noch zwei grau in grau gemalte Altarflügel mit den Heiligen Laurentius und Cyriakus in Frankfurt a. M. (Städelsches Museum). G., der vielfach mit Cranach verwechselt worden ist, war bis gegen 1530 thätig.

Grünfärben, s. Färberei, S. 42.

Grünfäule, eine Fäulniserscheinung an Baumstümpfen, besonders der Birken und Eichen, bei welcher das mürbe werdende Holz eine lebhaft spangrüne Färbung annimmt. Der Farbstoff (Xylindein) befindet sich in den Wänden der Holz- und Markstrahlzellen, die er gleichmäßig durchdringt; er ist in Phenol löslich und kristallisierbar. Das die G. zeigende Holz wird von grün gefärbten Myceliumfäden der Peziza aeruginosa Pers. durchzogen.

Grünfink (Grünling, Schwunsch, Rappfink, Grinzling, Fringilla [Chlorospiza] chloris L.), Sperlingsvogel aus der Gattung Fink, 12,5 cm lang, 26 cm breit, mit kräftigem, gedrungenem Körper, starkem Kopf, starkem, kegelförmigem, spitzem Schnabel, mittellangen Flügeln, kurzem Schwanz und kurzen, kräftigen Füßen, ist vorherrschend olivengelbgrün, an der Kehle mehr gelb, im Nacken, auf dem Bürzel und den Oberschwanzdecken aschgrau verwaschen, unterseits und am Flügelrand lebhaft gelb. Schnabel und Füße sind blaß fleischbräunlich, das Auge dunkelbraun. Das Weibchen ist minder lebhaft gefärbt. Der G. verbreitet sich über Europa, Nordwestafrika und Kleinasien, bevorzugt fruchtbare Gegenden und die Nähe bewohnter Gebäude; die mittel- und nordeuropäischen wandern bis Südeuropa, während die hier einheimischen nicht wandern. Die bei uns überwinternden entstammen wohl dem Norden. Er lebt paar- oder familienweise, schlägt sich aber zur Wanderung mit verwandten Vögeln in zahlreiche Flüge zusammen. Er ist munter und gewandt, vorsichtig, nährt sich besonders von öligen Sämereien, nistet im April, Juni, auch wohl noch im August auf Bäumen oder in hohen Hecken und legt 4-6 bläulichweiße, bleichrot gefleckte und punktierte Eier. Sein Gesang ist unbedeutend; er ist leicht zähmbar, hält sich gut im Käfig und pflanzt sich leicht darin fort.

Grünhagen, Kolmar, Geschichtsforscher, geb. 2. April 1828 zu Trebnitz bei Breslau, studierte in Jena in Berlin unter Ranke und in Breslau, erwarb 1850 in Halle mit einer Arbeit über Papst Urban II. die Doktorwürde, ward 1853 am Friedrichs-Gymnasium in Breslau als Lehrer angestellt und habilitierte sich 1855 zugleich als Dozent der Geschichte an der Universität auf Grund einer Abhandlung über Otfried und Heliand. 1863 ward er Vorstand des Breslauer Staatsarchivs, übernahm gleichzeitig die Redaktion der "Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Altertum Schlesiens" und ward 1871 zum Vorsitzenden dieses Vereins, der unter seiner Leitung einen bedeutenden Aufschwung nahm, und 1878 auch zum Präses des Vereins für das Museum schlesischer Altertümer gewählt. 1866 wurde er zum außerordentlichen Professor der Geschichte an der Universität und 1886 zum Geheimen Archivrat ernannt. Er schrieb: "Erzbischof Adalbert von Hamburg und die Idee eines nordischen Patriarchats" (Leipz. 1855); "Breslau unter den Piasten als deutsches Gemeinwesen" (Bresl. 1862); "Friedrich der Große und die Breslauer 1740-1741" (das. 1864); "Die Hussitenkriege der Schlesien" (das. 1872); "Geschichte des ersten Schlesischen Kriegs" (Gotha 1881, 2 Bde.) und "Geschichte Schlesiens" (das. 1884-86, 2 Bde.). Auch gab er (im "Codex diplomaticus Silesiae") heraus: "Geschichtsquellen Breslaus im 14. Jahrhundert" (Bresl. 1860), "Regesten zur schlesischen Geschichte bis 1290" (2. Aufl., das. 1876 bis 1884) und "Registrum S. Wenceslai" (mit Wattenbach, 1865); ferner "Geschichtsquellen der Hussitenkriege" (Bresl. 1871) und mit Markgraf: "Lehns- und Besitzurkunden Schlesiens und seiner Herzogtümer