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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: G-Schlüssel; Gryphosis; Grzymalow; Gschelj; Gsell-Fels

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Gryphosis - Gsell Fels.

den größten bis dahin für Bibeldruck gebrauchten Typen ausgeführt wurde, und sein "Thesaurus linguae sanctae" von Sanctès Pagnin (1529) gelten. Von G. datiert in Lyon das Wiederaufleben der daselbst sehr in Verfall geratenen Buchdruckerkunst. Sein Sohn Antoine setzte anfänglich das Geschäft des Vaters in einer dessen würdigen Weise fort, vernachlässigte es aber später. - Sebastians Bruder Franz erwarb sich in Paris einen Namen als tüchtiger Meister in seinem Beruf. Ein "Lexicon graeco-latinum" in Quart gilt als einer seiner hervorragendsten und zugleich als sein einziger griechischer Druck. Er soll um 1540 seine Thätigkeit als Drucker eingestellt haben.

2) (Gryph, eigentlich Greif) Andreas, deutscher Dichter, geb. 11. Okt. 1616 zu Großglogau in Schlesien, erhielt seine erste Bildung auf den Schulen zu Görlitz, Glogau und Fraustadt und besuchte seit 1634 das Gymnasium zu Danzig. Im J. 1636 erhielt er eine Hauslehrerstelle bei dem kaiserlichen Pfalzgrafen Georg von Schönborn, der ihn 1637 zum Dichter krönte und ihm ein Adelsdiplom verlieh, von welchem er jedoch nie Gebrauch machte. Der Tod seines Mäcens und einige freie Äußerungen nötigten ihn, 1638 seine Heimat zu verlassen. Er ging zuerst nach Amsterdam und von da nach Leiden, wo er erst Vorlesungen hörte und später selbst solche hielt, bereiste sodann die Niederlande, Frankreich und Italien und ließ sich nach seiner Rückkehr ins Vaterland 1647 zu Fraustadt nieder. 1650 ward er, nachdem er einen Ruf als Professor nach Frankfurt und einen andern nach Upsala abgelehnt, zum Landsyndikus des Fürstentums Glogau ernannt. Er starb, vom Schlage getroffen, in der Sitzung der Stände zu Glogau 16. Juli 1664. Als Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft (seit 1662) hieß er der "Unsterbliche". G. hat von früher Jugend an viel mit widrigen Schicksalen zu kämpfen gehabt, und die dadurch erzeugte bittere Stimmung wurde noch gesteigert durch den schmerzlichen Anteil, den er an den zerrütteten und verwilderten Verhältnissen des deutschen Vaterlandes nahm. Die Schwermut und Bitterkeit, die sein Gemüt erfüllten, spiegeln sich auch in seinen Dichtungen wider; doch zeichnen sich dieselben fast sämtlich durch Schwung und Ernst der Gesinnung vor allen Erzeugnissen des Jahrhunderts aus. Das Sonett scheint seinem sinnigen Gemüt besonders zugesagt zu haben. In seinen Epigrammen geißelte er mutig die Schwächen und Thorheiten seiner Zeit, doch entbehren dieselben oft des satirischen Stachels; dagegen wird er in seinen geistlichen Oden wieder von wenigen seiner Zeitgenossen erreicht. Sein Dichterruhm gründet sich indes hauptsächlich auf seine dramatischen Leistungen, die ihn zum "Vater des neuern deutschen Dramas" machen. Seine Tragödien: "Leo Arminius" (1646), "Katharina von Georgien" (1647), "Cardenio und Celinde" (1647), "Die ermordete Majestät oder Carolus Stuardus" (1649), "Papinianus" (1659) sind zwar teilweise Nachahmungen Senecas und des Niederländers Vondel und mit Abenteuerlichkeiten überladen, aber nichtsdestoweniger Dichtungen voll Phantasie und Schwung der Sprache und von einem wahrhaft tragischen Element beseelt. Sein "Carolus Stuardus" ist ein beachtenswerter Versuch, ein noch frisches historisches Faktum zu dramatisieren. Durch glückliche Satire und echt komische Laune ausgezeichnet sind seine Lustspiele: "Peter Squenz", das eine Episode aus Shakespeares "Sommernachtstraum" behandelt, und "Horribilicribrifax", beide, was höhere Anlage der Fabel, treffende Charakteristik der Personen und gewandte Sprache betrifft, zu den ausgezeichneten Dichtungen jener Zeit gehörend. Unbedeutender sind seine Singspiele: "Majuma" und "Das verliebte Gespenst" (mit dem eingelegten, im schlesischen Dialekt geschriebenen Scherzspiel "Die geliebte Dornrose") sowie seine Bearbeitungen holländischer, italienischer und französischer Stücke. Seinen Zeitgenossen galt G. als ein Wunder der Gelehrsamkeit, denn er verstand elf Sprachen, hielt über Logik, Anatomie, Geographie, Geschichte, Mathematik, Astronomie und römische Altertümer Vorlesungen und beschäftigte sich auch mit Chiromantik. Die besten und relativ vollständigsten Ausgaben seiner Werke sind die zu Breslau 1657 und 1663 erschienenen und die von seinem Sohn besorgte (Bresl. u. Leipz. 1698, 2 Tle.). In den "Publikationen des Litterarischen Vereins in Stuttgart" erschienen die "Lustspiele" (Bd. 138, 1879), die "Trauerspiele" (Bd. 162, 1883) und die "Lyrischen Gedichte" (Bd. 171, 1885), herausgegeben von Palm, der auch eine Auswahl der dramatischen Dichtungen nebst Gedichten (in "Kürschners Deutscher Nationallitteratur", Bd. 29, Stuttg. 1883) veröffentlichte; Tittmann gab eine Auswahl aus den dramatischen Dichtungen (Leipz. 1870) und die "Lyrischen Gedichte" (das. 1880) heraus. Vgl. Herrmann, Über A. G. (Leipz. 1851); Klopp, A. G. als Dramatiker (Osnabr. 1852).

3) Christian, deutscher Dichter und Schriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 29. Sept. 1649 zu Fraustadt, ward 1686 Rektor, 1699 zugleich Bibliothekar am Magdalenengymnasium zu Breslau, wo er 6. März 1706 starb. Er ist als lyrischer Dichter nicht ohne Verdienst, steht aber seinem Vater weit nach. Seine dichterischen Arbeiten erschienen unter dem Titel: "Poetische Wälder" (Frankf. 1698; 3. Aufl., Bresl. u. Leipz. 1718). Er schrieb auch: "Kurze Beschreibung der geistlichen und weltlichen Ritterorden" (Leipz. 1697, Bresl. 1709) u. a.

Gryphosis, s. Nagelverkrümmung.

Grzymalow (spr. grschi-), Marktflecken in Galizien, Bezirkshauptmannschaft Skalat, hat (1880) 4329 Einw. (darunter 2931 Juden), eine Dampfmühle, Zuckerfabrik, Mehl- und Eisenhandel und ein Bezirksgericht.

Gschelj, Dorf im russ. Gouvernement Moskau, Kreis Bronnizy, mit 913 Einw.; hier und in der Umgegend sind 120 Porzellanfabriken, welche ihre Waren (Geschirr) nach allen Städten Rußlands, nach Persien und dem Kaukasus versenden.

G-Schlüssel, s. Schlüssel und "G".

Gsell-Fels, Theodor, Kunstschriftsteller und Reiseführer, geb. 1819 zu St. Gallen, studierte in Basel Theologie und Philologie und widmete sich dann in Berlin unter Hotho und Kugler der Kunstgeschichte. Nach einer Fußreise durch ganz Italien trieb er 1845-1848 in Paris naturwissenschaftliche und medizinische Studien, wirkte dann als Staatsarchivar vier Jahre in seiner Heimat, um darauf in Würzburg, Wien und Berlin sich abermals mit der Medizin weiter zu befassen. Nachdem er an verschiedenen Orten, zuletzt in Zürich, die ärztliche Praxis ausgeübt hatte, ließ er sich 1870 in Basel nieder, wo er zum Großrat und Schulinspektor gewählt wurde und an der Universität über italienische Kunstgeschichte las. Seit 1880 hat er seinen Wohnsitz in München. Als Schriftsteller haben ihm vor allem seine Reisehandbücher über Italien, zu denen er durch gründliche Kenntnis des Landes, seiner Geschichte und Kunstschätze in außergewöhnlicher Weise berufen ist, einen weithin geachteten Namen gemacht. Dieselben erschienen in wiederholten Auflagen in "Meyers Reisebüchern" (6 Bde.: