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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Guhls; Guhr; Guhrau; Guhrauer; Guiāna; Guibert; Guicciardīni

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Guhls - Guicciardini.

der Akademie der bildenden Künste ernannt. Er veröffentlichte ferner: "Die neuere geschichtliche Malerei und die Akademie" (Stuttg. 1848); "Künstlerbriefe" (Berl. 1853-57, 2 Bde.; 2. Aufl. von A. Rosenberg, 1880) und "Die Frauen in der Kunstgeschichte" (das. 1858). Seine letzte große Arbeit war das in Gemeinschaft mit Koner verfaßte, vielverbreitete Werk "Leben der Griechen und Römer, nach antiken Bildwerken dargestellt" (Berl. 1860-64, 2 Bde.; 5. Aufl. 1882). G. starb 20. Aug. 1862 in Berlin. Nach seinem Tod erschienen noch "Vorträge und Reden kunsthistorischen Inhalts" (Berl. 1863).

Guhls, nach dem mohammedan. Volksglauben böse Dämonen, die eine Zeitlang auf Erden in Menschengestalt zu wandern haben. Sie bewohnen alte, verfallene Gebäude, von wo aus sie die Vorübergehenden anfallen, töten und ihr Fleisch verzehren sollen. Guhl Bijaban ist der böse Dämon der Steppe, der dem Wanderer das Trugbild fern liegender Seen und Flüsse vorspiegelt, ihn in gefährliche Moräste lockt und zu Grunde richtet.

Guhr, Karl Wilhelm Ferdinand, Violinspieler und Komponist, geb. 27. Okt. 1787 zu Militsch in Schlesien, war Schüler Schnabels (Violine) und Berners (Klavier) in Breslau, machte dann eine Zeitlang Kompositionsstudien beim Abt Vogler und ward 1807 Theatermusikdirektor in Nürnberg, von wo er 1813 in gleicher Eigenschaft nach Wiesbaden ging. Ein Jahr später wurde er als Hofkapellmeister nach Kassel und 1821 als Theaterkapellmeister nach Frankfurt a. M. berufen, wo er bis zu seinem Tod 23. Juli 1848 äußerst erfolgreich wirkte. G. war ein genialer Musiker, namentlich ein Operndirigent von ungewöhnlicher Tüchtigkeit. Er besaß eine außerordentliche Fertigkeit im Partiturlesen, ein feines musikalisches Ohr und ein seltenes Gedächtnis, mit Hilfe dessen es ihm unter anderm möglich wurde, die noch ungedruckten Kompositionen Paganinis nach dem Gehör aufzuschreiben und so die technischen Kunstgriffe dieses Meisters teilweise des Geheimnisses zu entkleiden, welches sie bei seinem ersten Erscheinen umgab. Außer einer von diesen Erfahrungen ausgehenden Schrift: "Paganinis Kunst, die Violine zu spielen" (1831), veröffentlichte G. mehrere Opern und Instrumentalwerke, die jedoch ihren Autor nicht überlebt haben. Vgl. Gollmick, Karl G., Nekrolog (Frankf. a. M. 1848).

Guhrau (wend. Gora, "der Berg"), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau, 5 km von der Bartsch und der Eisenbahn Breslau-G., hat eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, ein Amtsgericht, 2 Waisenhäuser, Dampfbrauereien, Molkerei, bedeutende Mehlfabrikation (40 Windmühlen), Orgelbauerei, Spargelbau und (1885) mit der Garnison (2 Eskadrons Kürassiere Nr. 5) 4414 Einw., darunter 998 Katholiken und 97 Juden. G. ward vom Herzog Heinrich I. von Breslau (1201-38) gegründet.

Guhrauer, Gottschalk Eduard, Litterarhistoriker, geb. 1809 zu Bojanowo im Posenschen, studierte zu Breslau und Berlin Philosophie und Philologie und ward hier 1837 Lehrer am Kölnischen Gymnasium. Schon während seiner Universitätsstudien (1831) bei Ausarbeitung einer gekrönten Preisschrift über Leibniz' Verdienste auf das Studium der Schriften desselben hingeleitet, begab er sich 1836 nach Hannover, um Leibniz' handschriftlichen Nachlaß zu einer kritischen Bearbeitung des Lebens und der Schriften des großen Gelehrten zu benutzen. Zu demselben Zweck hielt er sich 1838 und 1839 in Paris auf. Er wurde 1841 Kustos der königlichen und Universitäts-Bibliothek in Breslau, habilitierte sich 1842 als Privatdozent der Litteraturgeschichte daselbst, ward 1843 zum Professor ernannt und starb 5. Jan. 1854. Er schrieb: "Mémoire sur le projet de Leibniz relatif à l'expédition d'Égypte proposé à Louis XIV en 1672" (Par. 1839); "Kurmainz in der Epoche von 1672" (Hamb. 1839, 2 Bde.); "Lessings Erziehung des Menschengeschlechts, kritisch und philosophisch erläutert" (Berl. 1841); "Das Heptaplomeres des Jean Bodin" (das. 1841); "G. W. v. Leibniz, eine Biographie" (Bresl. 1842, 2 Bde.; Nachträge 1846); "Joachim Jungius und sein Zeitalter" (Stuttg. 1850). Auch gab er "Leibniz' deutsche Schriften" (Berl. 1838 bis 1840, 2 Bde.) sowie "Goethes Briefwechsel mit Knebel" (Leipz. 1851, 2 Bde.) heraus und lieferte seit 1835 zahlreiche litterarhistorische Beiträge für Zeitschriften und Sammelwerke. Endlich übernahm G. die Vollendung von Danzels Werk über Lessing (Leipz. 1853, Bd. 2).

Guiāna, Land, s. Guayana.

Guibert (spr. ghibär), 1) Jacques Antoine Hippolyte, Graf von, militär. Schriftsteller, geb. 12. Nov. 1743 zu Montauban, wohnte, 19 Jahre alt, im Regiment Auvergne drei Feldzügen in Deutschland bei und that sich 1766 auf Corsica hervor. Sein "Essai général de tactique" (Lond. 1772, 2 Bde.; neue Aufl., Par. 1804; deutsch, Dresd. 1774, 2 Bde.) fand allgemeinen Beifall; doch wegen der rücksichtslosen Sprache, die er darin geführt, verließ er Frankreich und fand in Preußen bei Friedrich d. Gr. ehrenvolle Aufnahme. 1775 nach Frankreich zurückgerufen, nahm er an der Reorganisation des Heers nach preußischem Muster teil, schrieb die "Défense du système de guerre moderne" (Neuchât. 1779, 2 Bde.), ward 1782 Brigadier, 1788 Maréchal de Camp, dann Inspekteur der Infanterie in der Provinz Artois. Er starb 6. Mai 1790. G. schrieb noch: "Traité de la force publique" (Par. 1790); "Œuvres militaires" (das. 1803, 5 Bde.) und die "Éloges" auf Catinat (1775), Michel de L'Hôpital (1777) und Friedrich d. Gr. (1787; deutsch von Bischof, Leipz. 1788).

2) Joseph Hippolyte, Kardinal und Erzbischof von Paris, geb. 13. Dez. 1802 zu Aix, trat in den geistlichen Stand, vollendete seine theologischen Studien in Rom, ward sehr früh Generalvikar in Ajaccio, 1842 Bischof von Viviers, 1857 Erzbischof von Tours, im Juli 1871 als Nachfolger Darboys Erzbischof von Paris sowie 22. Dez. 1873 Kardinal. Er stellte sich an die Spitze der ultramontanen Bewegung in Frankreich und begann den Bau einer dem besondern Kultus des Sacré cœur de Jésus geweihten großen Kirche auf dem Montmartre; auch spielte er den Vermittler bei den Verhandlungen der römischen Kurie mit der französischen Regierung und den Führern der klerikalen Reaktion, welche besonders 1877 sehr lebhaft waren, jedoch bekanntlich nicht zum gewünschten Ziel führten. Er starb 6. Juli 1886. G. ist auch Verfasser mehrerer weitverbreiteter theologischer Werke.

Guicciardīni (spr. gŭitschar-), Francesco, namhafter ital. Historiker, geb. 6. März 1482 zu Florenz, studierte in Padua, war erst in seiner Vaterstadt Rechtslehrer und Advokat, sodann Gesandter am Hofe Ferdinands des Katholischen. Später rief ihn Papst Leo X. an seinen Hof und vertraute ihm die Verwaltung von Modena und Reggio an, die G. auch unter Hadrian VI. behielt, unter Clemens VII. aber mit der der Romagna vertauschte. Vom Papst zum Generalleutnant ernannt, verteidigte er das von den Franzosen belagerte Parma und dämpfte einen Aufstand in Bologna. Später kehrte er in seine Vaterstadt zurück und begann hier 1534 sein großes Ge-^[folgende Seite]