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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gynäcismus - Gypsophila.

Gynäcismus (griech.), weibliches Wesen, Gebaren.

Gynäkeion (Gynäkonitis, griech.), im altgriech. Haus der Wohnraum für die Frauen.

Gynäkokratie (griech.), Weiberregiment, s. Weib.

Gynäkologie (griech.), die "Lehre von dem Weib", speziell von den Frauenkrankheiten. Die G. ist ein Teil der medizinischen Wissenschaft, welcher sich mit der Zeit aus Gründen der Zweckmäßigkeit von der übrigen Medizin abgeändert hat. Sie bildet ein ärztliches Spezialfach, sofern manche Ärzte sich vorzugsweise oder ausschließlich mit dem Studium und der Behandlung der Krankheiten des weiblichen Geschlechts befassen. Sie kann aber nur von solchen Männern kultiviert und betrieben werden, welche die medizinische Wissenschaft ihrem ganzen Umfang nach in sich aufgenommen haben. Die moderne G. ist im wesentlichen als ein Teil der Chirurgie anzusehen, sie arbeitet beinahe ausschließlich mit den Methoden und nach den Prinzipien der Chirurgie und hat wie diese selbst glänzende und vielfach geradezu erstaunliche Heilerfolge aufzuweisen. Nicht nur, daß heute große Eierstocksgeschwülste mit verhältnismäßig geringer Gefahr entfernt werden, es ist sogar bei krebsiger Erkrankung der Beckenorgane gelungen, dieselben mit Ausschluß von Blase und Mastdarm völlig zu eliminieren und so der weitern Verbreitung des sonst unheilbaren Übels ein Ziel zu setzen. Litteratur s. bei Frauenkrankheiten. - Gynäkologische Klinik, eine Anstalt, in welcher Frauenkrankheiten behandelt und gleichzeitig junge Ärzte über diese Krankheiten praktisch unterrichtet werden. Gewöhnlich sind solche Anstalten, welche jetzt in allen deutschen Universitätsstädten anzutreffen sind, mit den geburtshilflichen Instituten verbunden.

Gynäkomást (griech.), Mann mit weiberähnlicher Brust.

Gynäkomórphisch (griech.), wie ein Weib gestaltet.

Gynäkonom (griech.), Aufseher über Frauen, eine obrigkeitliche Person im alten Athen, welche die Luxusgesetze handhabte und die Aufsicht über den Putz der Frauen hatte; diese Behörde wurde wahrscheinlich von Demetrios Phalereus eingesetzt.

Gynäkophag (griech.), Weiberfresser.

Gynándrae (griech., "weibmännliche"), im natürlichen Pflanzensystem Ordnung der Monokotyledonen, charakterisiert durch zwei blumenkronenartige, regelmäßig oder zygomorph ausgebildete, dreigliederige Perigonkreise; oft ist das eine der innern Perigonblätter lippenartig (Labellum) ausgebildet. Von den typischen sechs Staubgefäßen ist meist nur ein äußeres, der Lippe gegenüberstehendes ausgebildet und gynandrisch, d. h. mit dem Griffel mehr oder weniger verwachsen; in andern Fällen sind zwei Staubgefäße fruchtbar, die andern unterdrückt oder rudimentär. Der Fruchtknoten ist unterständig, einfächerig, mit drei wandständigen Samenleisten versehen, die Frucht meist kapselartig; die Samen sind zahlreich und sehr klein, ohne Endosperm und Perisperm, mit einem kleinen Embryo, an welchem Stengelchen, Kotyledonen und Würzelchen noch nicht differenziert sind. Die Ordnung begreift die Familien der Orchideen und Apostasieen.

Gynandrus (griech.), weibmännlich, von Blüten, in welchen die Staubgefäße mit dem Griffel verwachsen sind; daher Gynandria, die 20. Klasse des Linnéschen Systems, Pflanzen mit Blüten von der angegebenen Beschaffenheit enthaltend.

Gynanthropos (griech., "Weibmann"), Zwitter.

Gynerium, Gattung aus der Familie der Gramineen, welche den Arundineen nahe verwandt ist. Man kennt 6 Arten, von denen 5 in Brasilien und Chile, eine in Neuseeland heimisch ist. G. argenteum Nees (Pampasgras), mit 2-3 m hohem Halm, 2-2,5 m langen, steifen, scharfrandigen Blättern und großer, silberglänzender Rispe, ist in Südamerika heimisch und wird als Dekorationspflanze in unsern Gärten kultiviert, auch zu Trockenbouketts benutzt.

Gynostemium (griech.), Befruchtungssäule, in der Botanik derjenige Körper, welchen in den gynandrischen Blüten die zusammengewachsenen Staubgefäße und Griffel bilden, wie bei den Orchideen und bei Aristolochia (vgl. Blüte, S. 70).

Gyoma (spr. djoma), Markt im ungar. Komitat Békés, Station der ungarischen Staatsbahnlinie Budapest-Arad, an der Körös, mit (1881) 10,160 ungar. Einwohnern, Weinbau, Dampfmühle und lebhaftem Handel.

Gyöngyös (spr. djönndjösch), Stadt im ungar. Komitat Heves, am Fuß des Mátragebirges, Endstation der Gyöngyöser Zweigbahn (Ungarische Staatsbahn), hat mehrere kath. Kirchen, ein Franziskanerkloster (seit 1400), Spital der Barmherzigen Schwestern, Gymnasium, (1881) 15,896 ungarische und meist kath. Einwohner, Wein- und Getreidebau, einige Industrie, ein Kupferwerk, Handel mit Getreide, Wein und Vieh und ein Bad, dessen Wasser Eisenvitriol und Alaun enthält.

Gyönk (spr. djönk), Dorf im ungar. Komitat Tolna, mit (1881) 3303 deutschen und ungar. Einwohnern, reformiertem Gymnasium und Stuhlrichteramt.

Györy (spr. djori), Wilhelm, ungar. Schriftsteller und Übersetzer, geb. 7. Jan. 1838 zu Raab, studierte in Pest und Berlin Theologie, ward 1862 evangelischer Pfarrer in Oroshaza, 1877 in Budapest, wo er 14. April 1885 starb. Er schrieb treffliche Erzählungen und Jugendschriften und erwarb sich eine hervorragende Stellung in der ungarischen Litteratur besonders durch seine formvollendeten Übersetzungen. 1867 gewann er mit seiner Übertragung der "Frithjofssage" einen Preis. Calderons "La vida es sueño" und Moretos "Desden con el desden" werden im Pester Nationaltheater in Györys Übersetzung aufgeführt. Zur Shakespeare-Ausgabe der Kisfaludy-Gesellschaft, deren Mitglied er war, lieferte er die Übersetzung von "Ende gut, alles gut", und im Auftrag ebendieser Gesellschaft übersetzte er Cervantes' "Don Quijote". Zuletzt gab er einen Band: "Aus schwedischen Dichtern" (1882), sowie spanische Romanzen u. a. heraus. G. war auch Mitglied der ungarischen Akademie.

Gypaetos, Bartgeier.

Gypogeranus, Stelzengeier; Gypogeranidae, Kranichgeier, Familie der Raubvögel (s. d.).

Gyps, s. Gips.

Gyps, s. Geier.

Gypsophila L. (Gipskraut), Gattung aus der Familie der Karyophyllaceen, einjährige und ausdauernde Kräuter und Halbsträucher, etwa 50 meist in Mittel- und Südeuropa und in Nordasien heimische Arten, worunter mehrere als Zier- und Arzneipflanzen bekannt sind. G. elegans Bieb., in Taurien, ist eine niedrige, einjährige, zierliche Pflanze mit lanzettförmigen, etwas fleischigen, glatten, bläulichgrünen Blättern und sehr zahlreichen weißrötlichen oder weißen Blüten an fadenförmigen Stielen. G. paniculata L., in Sizilien und Sibirien, ist eine schöne, ausdauernde Zierpflanze mit 1 m hohem, in sehr zahlreiche mit unzähligen kleinen, weißrötlichen, wohlriechenden Blümchen bedeckte Rispen zerteiltem Stengel. Man benutzt sie namentlich in der Boukettbin-^[folgende Seite]