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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Haï-Thao; Hainleite; Hainrecht; Hainsberg; Hainsimse; Haircords; Haiterbach; Haïti

1 ^[Original ohne Seitenzahl]

H.

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Hainleite (Hageleite), Bergkette im nördlichen Thüringen, schließt sich nordwestlich von Sondershausen an den östlichen Nordrand des Eichsfeldplateaus, den Dün, an, zieht sich 40 km in südöstlicher Richtung zwischen Wipper und Helbe meist durch schwarzburgisches Gebiet bis an die Unstrut und endet in dem 300 m hohen Rücken der Sachsenburg, welcher hier mit dem jenseit des Flusses sich fortsetzenden Zug der Schmücke die "Thüringische Pforte" oder "Sachsenlücke" bildet. Zwischen Sega und Günzerode wird der Zug von dem tiefen und romantischen Thal der Wipper durchbrochen, der nordwestliche Teil bildet ein nach der Wipper steil abfallendes, prächtig bewaldetes, nach der Helbe sanft abgedachtes Plateau, der südöstliche dagegen einen Bergkamm (Mittelhöhe 330 m), der sich nach beiden Seiten gleichmäßig abschrägt. Der höchste Punkt ist die 465 m hohe Wetternburg zwischen Immenrode und Wernrode, bekannter aber der aussichtsreiche Possen, 461 m hoch, südlich bei Sondershausen. S. Karte "Braunschweig".

Hainrecht, s. v. w. Baulebung.

Hainsberg, Dorf in der sächs. Kreis und Amtshauptmannschaft Dresden, am westlichen Ausgang des Plauenschen Grundes, am Zusammenfluß der Roten und Wilden Weißeritz, Knotenpunkt der Linien Dresden-Chemnitz und H.-Kipsdorf der Sächsischen Staatsbahn, hat bedeutende Papierfabrikation, Türkischrotfärberei, Schmelztiegel und Stuhlfabrikation, Kunsttischlerei und (1885) 946 evang. Einwohner.

Hainsimse, s. v. w. Hainbinse, s. Luzula.

Haircords (engl., spr. hehr-, "Haarstricke"), sehr feine weiße Baumwollgewebe, an welchen in Abständen durch stärkere farbige Kettenfäden erhabene Längsstreifen gebildet werden.

Haiterbach, Stadt im württemberg. Schwarzwaldkreis, Oberamt Nagold, 534 m ü. M., mit Pfarrkirche, Möbeltischlerei und Böttcherei und (1885) 1863 evang. Einwohnern.

Haï-Thao, s. v. w. Gelose.

Haïti (Hayti, mit dem spanischen, in der Handelswelt gebräuchlichen Namen San Domingo), eine der Großen Antillen Westindiens, nächst Cuba die größte, reichste und schönste Insel der Gruppe, liegt zwischen 17° 37' und 20° nördl. Br., hat 656 km größte Länge, 260 km größte Breite und enthält einschließlich der kleinen dazu gehörigen Nachbarinseln Tortuga, Gonave etc. 77,253 qkm (1403 QM.) mit 850,000 Einw. Im O. wird H. durch die 110 km breite Monapassage von Puerto Rico, im W. durch die 67 km breite Windwardpassage von Cuba getrennt. Die Insel H. kehrt nach O., gegen Puerto Rico, eine schmale Kante mit den Kaps Engano und Espada; nach W. hin verbreitert sie sich mehr und mehr und streckt zuletzt gegen die Nachbarinseln zwei Halbinseln aus. Die nach NW. gegen Cuba hin auslaufende kürzere (89 km lang) endigt mit dem Kap à Foux; die südliche längere Halbinsel (230 km lang), welche nach Jamaica weist, läuft in die Kaps Dame Marie und Tiburon aus. Zwischen beiden Halbinseln erstreckt sich die große Bucht von Gonave, nach einer darin liegenden Insel benannt. Die Küsten von H. sind überhaupt zerrissener als die der übrigen Antillen, daher eine Menge Buchten, Halbinseln und Vorgebirge. Das Innere der Insel wird von mehreren Gebirgszügen erfüllt. Man unterscheidet deutlich ein nordöstliches Küstengebirge, ein Gebirgsplateau in der Mitte mit aufgesetzten Bergzügen und ein südwestliches Küstengebirge in der langgestreckten Halbinsel. Zwischen dem Zentralgebirge, das vom Kap à Foux bis zum Kap Engaño zieht und im Pico del Yaqui 2955 m, im Loma Tina 3140 m Höhe erreicht, und dem nördlichen Küstengebirge (Sierra de Monte Cristi, 1220 m), das an der Halbinsel Samana plötzlich endigt, jenseit der sumpfigen Einsenkung in der Halbinsel wieder aufsteigt, dehnt sich die 220 km lange Vega Real hin, ein ungemein fruchtbarer Strich ebenen Landes, der vom Gran, Yaqui und Yuna bewässert wird. Die südliche Gebirgskette, welche von dem Zentralgebirge durch eine Einsenkung mit den Lagunas del Fonde und de Enriquillo getrennt wird, erreicht im Mont la Selle eine Höhe von 2715 m. Der Mineralreichtum der Insel ist nicht unbedeutend. Eisen, Silber, Gold, Zinn, Steinkohlen etc. sind gefunden und früher auch teilweise ausgebeutet worden; jetzt liegt das Bergwesen ganz danieder. Die geologische Bildung der Insel ist mannigfaltig. Im Innern haben vulkanische und andre eruptive Gesteine die Kreidebildung durchbrochen. Vulkane kennt man nicht; aber schon häufig ist H. von verheerenden Erdbeben heimgesucht worden, besonders 1564, 1684, 1691, 1751, 1770, 1842. Das Klima ist heiß und feucht, auf den Bergen im N. herrscht ein ewiger Früh-^[folgende Seite]