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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Halbgötter - Halbmond.

Stiefgeschwister genannt; denn solche sind die aus verschiedenen Ehen zusammengebrachten Geschwister, deren Vater und Mutter einander erst nach der Geburt dieser Kinder geheiratet haben. Nach dem römischen. Recht stehen die H. in der Erbfolge den vollbürtigen nach und werden durch diese davon ausgeschlossen, aber nur in nähern Verwandtschaftsgraden. Partikularrechte, wie namentlich das preußische Landrecht, haben dagegen den vollbürtigen und halbbürtigen Geschwistern ein gleiches Erbrecht eingeräumt. Das französische und österreichische Recht teilen die Verlassenschaft sehr zweckmäßig in zwei Hälften, in eine auf die Seite des Vaters und in eine auf die Seite der Mutter fallende, wonach die Vollgeburt in Erbrecht auf beiden Seiten, die Halbgeburt aber nur ein solches auf der einen Seite hat.

Halbgötter (lat. Semidei), vergötterte, unter die Götter erhobene Menschen; dann auch die Heroen, d. h. diejenigen, welche einen Gott zum Vater und eine Sterbliche zur Mutter (oder umgekehrt) haben.

Halbgräser, s. Cyperaceen.

Halbhüfner, s. Bauer, S. 463.

Halbieren, eine Größe in zwei gleiche Teile teilen. Als mathematische Operation gedacht, läßt sich das H. bis ins Unendliche fortsetzen. Es entsteht dann eine abnehmende Progression: 1/2, 1/4, 1/8, 1/16, 1/32 etc. Geometrisch halbiert man eine gerade Linie AB, wenn man von ihren Endpunkten A und B aus mit gleicher Öffnung des Zirkels ober- und unterhalb derselben Bogen beschreibt und deren Schnittpunkte C und D durch eine gerade Linie verbindet; der Schnittpunkt O der letztern mit AB ist der Halbierungspunkt von AB (s. Figur).

^[Abb.: Halbieren.]

Halbierzirkel, Zirkel mit Doppelschenkeln, welcher durch die Weite der Spitzen seiner kurzen Schenkel genau die halbe Weite der Spitzen seiner langen Schenkel angibt. Wenn man daher die Spitzen der letztern in den Endpunkten einer geraden Linie, welche halbiert werden soll, genau einstellt, so ist die Weite der kurzen Schenkel gleich der gesuchten Hälfte dieser geraden Linie.

Halbig, Johann, Bildhauer, geb. 13. Juli 1814 zu Donnersdorf (Unterfranken), besuchte die Akademie der bildenden Künste in München und wurde 1845 Professor der Bildhauerei an der polytechnischen Schule daselbst. König Ludwig I. wandte ihm zahlreiche Aufträge zu. So modellierte er 1835 die Löwen an der Pinakothek, 1840 die Statuen der Roma und Minerva am Hofgarten, 1841-43 in Klenzes Auftrag das Modell eines Atlanten und 12 Modellskizzen für die kolossalen Figuren Raffaels, Tizians, Rubens' etc. am kaiserlichen Museum in Petersburg. Ferner lieferte er das Viergespann mit den kolossalen Löwen für das Siegesthor in München (1847), ein Kruzifix in Bronze für den südlichen Friedhof daselbst (1850), ein andres für die dortige Frauenkirche, zwei kolossale Löwen und ein Relief im Wittelsbacher Palast (1848), die Modelle zu den 18 Figuren der Hauptprovinzen Deutschlands an der Befreiungshalle zu Kelheim, die Statue des Königs Maximilian II. von Bayern im Hubertuskostüm zu Lindau (1854), den riesigen Löwen auf dem Hafendamm daselbst, das Platendenkmal für Ansbach (1858), die Statue Fraunhofers für München (1866), eine Emanzipationsgruppe für New York (1868), die Statue des Palatins Joseph in Pest (1869), viele Grabmonumente etc. Seine letzte Hauptarbeit war die im Auftrag Ludwigs II. von Bayern ausgeführte kolossale Passionsgruppe für Oberammergau (1875). Er zeigte nicht nur einen tüchtigen dekorativen Sinn, sondern auch häufig feine Empfindung und sorgfältige Durchführung. Unter den hervorragenden Münchener Bildhauern war er der erste, der sich zu einer mehr realistischen Auffassung der Natur hinneigte. Er starb 29. Aug. 1882 in München.

Halbinsel, ein zum größern Teil vom Meer umgebenes Stück des Festlandes, z. B. die Skandinavische, Iberische, Italische H., die Krim, Jütland etc.; ist dasselbe lang und schmal, so heißt es Landzunge.

Halbinstrumente, s. Ganzinstrumente.

Halbkammgarn, aus kurzer Kammwolle oder Kämmlingen gesponnenes Garn, bei dem die Vorbereitung nicht durch Kämmen, sondern durch Kratzen erfolgt.

Halbkreis, s. Kreis.

Halbkristall, s. Glas, S. 384 u. 390.

Halbkugel (Hemisphäre), astronomische und geograph. Bezeichnung der Hälften der Erd- oder Himmelskugel, die durch Einlegung von Ebenen durch den Mittelpunkt entstehen. So teilt die Ebene des Äquators die Erd- und Himmelskugel in eine nördliche und eine südliche H., ein jeder Meridian aber in eine östliche und eine westliche H. Über H. im mathematischem Sinn s. Kugel.

Halblaken, s. Leinwand.

Halbleinen, s. Leinwand.

Halbleute, s. Halbpacht.

Halbmeier, s. Bauer, S. 463.

Halbmesser, s. Radius.

Halbmetalle, frühere Bezeichnung der nicht hämmerbaren Metalle, wie Antimon, Arsenik etc. Da die Grenzen dieser Sprödigkeit sehr unbestimmt sind, so ist diese Bezeichnung außer Gebrauch gekommen.

Halbmittag, in einigen Gegenden Tirols das zweite Frühstück, das in andern Voarmarende, im Unter-Innthal Umål und in Obersteiermark Vorjause genannt wird.

Halbmond, Wahrzeichen des türkischen Reichs auf Minarets, Flaggen, Feldzeichen u. a., das nicht, wie man früher annahm, bei der Eroberung Konstantinopels von den Griechen, denen der H. ursprünglich Attribut der Artemis und Wahrzeichen von Ephesos gewesen war, auf die Türken überging; letztere hatten vielmehr den H. bereits seit Jahrhunderten geführt. Das Zeichen des Halbmondes scheint altaischer Abstammung zu sein, wie denn schon Dschengis-Chans mit neun weißen Roßschweifen verzierte Tatarenfahne bei Erstürmung der Chinesischen Mauer 1209 einen H. trug. Sultan Mohammed Tekesch von Chwaresm (1192-1200) schmückte die Spitze seines Zeltes mit einem H., und Orchan (1326-60) heftete an die rote Fahne, welche er den Janitscharen verlieh, einen silbernen H. Die Erzählung, wonach die Türken den H. als Erinnerung an den in der Nacht der Einnahme von Konstantinopel zur Hälfte verdunkelten Mond zu ihrem Wahrzeichen gemacht haben sollen, entbehrt daher der Begründung. Die heutigen Türken erklären den Ursprung ihres Flaggenzeichens aus einem Wunder des Propheten, der, um einige Skeptiker zum Schweigen zu bringen, den Vollmond in zwei Stücke geschnitten und eins derselben in seinen Rockärmel versteckt habe. Der H. mit einem Stern, den die türkischen Banner jetzt tragen, war das alte Wappen Illyricums, wie Münzen aus den Zeiten Hadrians, des Septimius Severus u. a. beweisen; er findet sich auch auf vielen alten Grabsteinen im Drinathal. Diese Zusammenstellung ist daher keine ursprünglich islamitische.