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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hämatit - Hambach.

enthält metallisches Kupfer, dessen Partikelchen so klein sind und so dicht nebeneinander liegen, daß sie eine gleichmäßig rote Färbung hervorbringen und das Glas vollständig undurchsichtig machen. Das H. läßt sich gießen und an der Glasmacherpfeife verarbeiten, auch schneiden und schleifen. Beim Umschmelzen geht die rote Farbe verloren und kann auf keine Weise wiederhergestellt werden. Wird bei der Darstellung des Hämatinons ein Teil der Kieselsäure durch Borsäure ersetzt, so erhält man eine dunkel schwarzrote Grundmasse mit prächtig funkelnden Kristallisationen. Dieser Astralit erinnert vielfach an das alte venezianische Aventuringlas (s. d.), welches man erhält, wenn man geschmolzenes H. mit so viel Eisenfeile mischt, daß etwa die Hälfte des darin enthaltenen Kupfers reduziert wird, und es dann längere Zeit im Zustand der Weichheit erhält.

Hämatit (Blutstein), s. Roteisenstein.

Haematocystis, s. Blutblase.

Hämatoglobin (Hämatoglobulin, Hämoglobin, Hämatokristallin), ein Eiweißkörper, der Hauptbestandteil der roten Blutkörperchen, besteht aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel, Eisen und Posphor ^[richtig: Phosphor] und wird erhalten, wenn man frisch gelassenes Blut durch Schlagen vom Fibrin befreit, mit Wasser und Alkohol mischt und stehen läßt. H. scheidet sich dann bei 0° in mikroskopischen, violettroten Kristallen abbildet, über Schwefelsäure getrocknet, ein hell ziegelrotes Pulver und löst sich in Wasser mit roter Farbe. Die sauerstoffhaltige Lösung ist hochrot, die sauerstofffreie dunkelrot, woraus sich zum Teil der Farbenunterschied zwischen arteriellem und venösem Blut erklärt. Leitet man Kohlenoxyd in die Lösung, so wird der Sauerstoff verdrängt, und auf Zusatz von Alkohol entstehen bläuliche Kristalle einer Verbindung von H. mit Kohlenoxyd, auf deren Bildung die schädliche Wirkung des Kohlenoxyds beruht. H. ist sehr leicht zersetzbar und zerfällt bei Behandlung mit Säuren und Alkalien in einen eisenhaltigen Farbstoff (Hämatin) und in einen eiweißartigen Körper. Das Hämatin (Hämin, Hämatosin, Blutfarbstoff) ist amorph, nach dem Trocknen blauschwarz, metallglänzend, unlöslich in Wasser, Alkohol und Äther, leicht löslich in Säuren und Alkalien und hinterläßt beim Verbrennen 12,8 Proz. Eisenoxyd. Behandelt man Blut oder H. mit Essigsäure und Kochsalzlösung in mäßiger Wärme, so scheiden sich aus der schwarzroten Lösung dunkelrote Kristalle (Häminkristalle, salzsaures Hämatin, Blutkristalle) aus, die für den Nachweis des Bluts in Flecken (s. Blutflecke) von Wichtigkeit sind. Behandelt man sie mit Kalilauge, so geben sie Chlorkalium und Hämatin.

Hämatoglobulin, s. v. w. Hämatoglobin.

Hämatokathártika (griech.), s. v. w. blutreinigende Mittel (s. d.).

Hämatokristallin, s. v. w. Hämatoglobin.

Hämatom (Blutgeschwulst), s. Blutung.

Hämatopoesis (griech.), Blutbereitung.

Haematopota, s. Bremsen.

Haematopus, Austerndieb.

Hämatosin, s. Hämatoglobin.

Hämatoxylin C16H14O6 ^[C_{16}H_{14}O_{6}] findet sich im Kampescheholz (Haematoxylon Campechianum) und wird erhalten, wenn man käufliches Kampescheholzextrakt mit wasserhaltigem Äther extrahiert, den Auszug verdampft, mit Wasser mischt und das kristallisierte, ausgewaschene H. aus Wasser, welches schweflige Säure enthält, umkristallisiert. Es bildet gelbe Kristalle mit 3 Molekülen Kristallwasser, schmeckt süßholzartig, löst sich in Wasser und Alkohol, schwer in Äther, ist nicht flüchtig, wird durch Spuren ätzender und kohlensaurer Alkalien und alkalischer Erde bei Zutritt der Luft veilchenblau, dann purpurrot und braun und durch Ammoniak rot. In der ammoniakalischen Lösung bildet sich durch Einwirkung des Sauerstoffs der Luft Hämateinammoniak C16H12O62NH3 ^[C_{16}H_{12}O_{6}2NH_{3}] in violetten Kristallen, welche mit Essigsäure reines Hämatein liefern. Letzteres bildet braunrote, dunkelgrün metallisch glänzende Kristalle, ist löslich in Wasser und Alkohol, mit blauvioletter Farbe in Kali und Ammoniak, gibt mit reduzierenden Mitteln leicht wieder H. Man benutzt H. als Reagens auf Alkalien und Ammoniak.

Haematoxylon L. (Blut- oder Blauholzbaum), Gattung aus der Familie der Cäsalpiniaceen, mit der einzigen Art H. Campechianum L., ein 10 bis 12 m hoher Baum mit meist krummem Stamm, runzeliger, schwarzbrauner Rinde und ausgebreiteten, vielfach hin- und hergebogenen, wehrlosen oder dornigen Ästen, paarig gefiederten Blättern, verkehrt herzförmigen Blättchen, kleinen, hochgelben Blüten in einzeln oder gebüschelt stehenden, axillaren Trauben und lanzettlicher, zusammengedrückter, meist einsamiger Hülse. Der Baum ist ursprünglich in Mittelamerika (vorzüglich Campechebai, Honduras) heimisch und wurde von hier 1715 nach Westindien verpflanzt; er liefert das Kampescheholz, welches meist von wild wachsenden Bäumen gewonnen wird. Erst in neuerer Zeit hat man angefangen, ihn zu kultivieren, und ihn z. B. auch in den niederländischen Kolonien in Indien angepflanzt. S. Tafel "Farbepflanzen".

Hämatozoen, im Blut lebende Parasiten. Seit dem Ende der 60er Jahre kennt man aus dem Blute des Menschen in den Tropengegenden kleine Nematoden, Filaria sanguinis hominis, welche als Jugendzustände erkannt worden sind, ohne daß es bisher gelungen wäre, den Entwickelungsgang und die reifen Formen zu beobachten. Auch aus dem Blut von Hunden, Ratten, Vögeln sind ähnliche Nematodenlarven bekannt geworden. Außerdem finden sich mikroskopisch kleine, wurmähnliche Organismen, welche man zu den Flagellaten zählen muß, im Blute der Fische und Frösche. Die Parasiten der Fische, Haematomonas, sind an beiden Enden zugespitzt und gewöhnlich am Vorderende mit einer Geißel versehen, während an der Seite eine undulierende Membran ansitzt. Ihre Länge beträgt 0,03-0,04 mm bei einem Dickendurchmesser von nur 0,001 mm. Derartige Parasiten wurden im Blute der Karausche, besonders aber beim Schlammbeißer (Cobitis fossilis), gefunden, wo sie von nahezu 100 Exemplaren nur einem einzigen fehlten, ohne daß das Blut im übrigen abnorme Erscheinungen darbot.

Hämaturie (lat.), s. Blutharnen.

Hamaxiki, bisheriger Name der Stadt Leukas auf der ionischen Insel Leukas (s. d.).

Hamaxobier (Hamaxobilen, griech., von hámaxa, "Wagen"), auf Wagen umherziehende Völker.

Hamba, tunes. berittene Polizisten, welche den Reisenden von der Regierung beigegeben werden und für deren Unterkunft und Sicherheit verantwortlich sind.

Hambach, Pfarrdorf im bayr. Regierungsbezirk Pfalz, südlich bei Neustadt, hat Weinbau und (1885) 2266 meist kath. Einwohner. Dabei auf der Hardt das Schloß Maxburg mit vortrefflicher Aussicht. An seiner Stelle standen vormals die Ruinen der (von Kaiser Heinrich II. erbauten, im Bauernkrieg zerstörten) Kastanienburg oder des Hambacher