Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hanle; Hanley; Hann; Hannaken; Hannay; Hanne; Hannemann; Hannibal

127

Hanle - Hannibal.

Mongolei nach Sibirien (Kiachta). Der Verkehr seewärts wird durch die Dampfer der erwähnten Gesellschaften, besonders aber der chinesischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft, sowie durch zahlreiche Fahrzeuge von mehr oder weniger chinesischem Typus vermittelt, die unter fremdländischer Führung und Flagge segeln. Die Zahl der 1885 ein- und ausgelaufenen Schiffe war 1232 mit 848,972 Ton., davon 21 deutsche mit 5470 T. Der Gesamtwert der Ein- und Ausfuhr betrug 1885: 37,7 Mill. Mk. Neuerdings werden die ersten Theeladungen direkt von H. aus verschifft, ohne Schanghai zu berühren. Bei Beginn der Theesaison entsteht unter den ersten ausgehenden Dampfern ein von der kaufmännischen Welt mit größtem Interesse verfolgtes Wettfahren, und es werden von diesen in Bauart wie Handhabung auf Eile berechneten Schiffen unglaublich schnelle Reisen zurückgelegt. Von den übrigen Ausfuhrartikeln sind für den europäischen Konsum von Bedeutung: Rindshäute, Moschus, Galläpfel und Rhabarber.

Hanle, kleiner Ort in der Landschaft Ladak des Reichs Kaschmir, 4595 m ü. M. und somit einer der höchsten dauernd bewohnten Plätze der Erde, besteht aus einigen Häusern, welche ein buddhistisches Kloster umgeben. In dem 12 km langen Thal, das einen dem Örtchen nahen, 4438 m hoch gelegenen See einschließt, wird noch etwas Gerste gebaut.

Hanley (spr. hännli), schmutzige Stadt in dem "Potteries" genannten Bezirk von Staffordshire (England), hat neben Porzellanfabriken, Töpfereien und Glashütten auch große Eisenwerke und (1881) 48,354 Einw. Dabei Etruria mit der von Wedgwood (s. d.) gegründeten Porzellanfabrik.

Hann, Julius, Meteorolog, geb. 23. März 1839 im Schloß Haus bei Linz, studierte in Wien Mathematik und Physik, wurde 1865 Lehrer in Wien und dann in Linz, 1867 Hilfsarbeiter an der meteorologischen Zentralanstalt zu Wien, habilitierte sich 1868 als Privatdozent für Meteorologie an der Universität, wurde 1869 Adjunkt an der meteorologischen Zentralanstalt, 1873 außerordentlicher Professor für physikalische Geographie und 1877 Nachfolger Jelineks und ordentlicher Professor. Seine Hauptthätigkeit konzentriert sich in der Redaktion der 1866 mit Jelinek gegründeten "Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie", deren Redaktion er seit 1877 allein führt. Die Zeitschrift enthält zahlreiche Abhandlungen von ihm, von denen die über den Föhn und über das Klima der verschiedensten Länder der Erde am bekanntesten geworden sind. In der neuesten Zeit wandte er sich mehr der physikalischen Meteorologie zu und lieferte Arbeiten über die Theorie der Stürme, die Temperaturabnahme mit der Höhe, die Verteilung des Wasserdampfes, die Entstehung der Niederschläge desselben und die Veränderungen im Gang der magnetischen Deklination etc. In der mit Hochstetter und Pokorny herausgegebenen "Allgemeinen Erdkunde" (4. Aufl., Prag 1886; bedeutend erweiterte Ausg. 1885) bearbeitete er den Teil, welcher die Erde als Weltkörper, ihre Atmosphäre und Hydrosphäre behandelt. Außerdem schrieb er "Handbuch der Klimatologie" (Stuttg. 1883); "Die Temperaturverhältnisse der österreichischen Alpenländer" (Wien 1885).

Hannaken, tschech. Volksstamm in Mähren, welcher in der sogen. Hanna, einer ungefähr 1550 qkm (28 QM.) großen, sehr fruchtbaren, vom Flüßchen Hanna durchzogenen Ebene zwischen Olmütz, Kremsier und Wischau, ansässig ist. Die H. sind ein kräftiger Menschenschlag; sie reden einen eignen Dialekt, haben in Sitte und Tracht noch viel Eigentümliches bewahrt und zeichnen sich auch durch Arbeitsamkeit und Betriebsamkeit vor ihren Nachbarn aus, mit denen sie nicht leicht eheliche Verbindungen eingehen. Sie sind leidenschaftliche Liebhaber von Musik und Tanz.

Hannay (spr. hanneh), James, engl. Schriftsteller, geb. 1827 zu Dumfries, trat mit 13 Jahren in die Marine, nahm aber 1845 seinen Abschied, um sich der Litteratur zu widmen. Außer Beiträgen zu Zeitschriften, besonders zum "Punch", veröffentlichte er: "Biscuits and grog, personal reminiscences and sketches by Percival Plug" (1848), fortgesetzt in "A claret-cup" (1848). Daran schlossen sich: "Hearts are trumps" (1849, neue Ausg. 1873); "King Dobbs, sketches in ultramarine" (1849, neue Ausg. 1856); der Roman "Singleton Fonteney" (1850, neue Ausg. 1873); die aus einer Reihe von Vorträgen hervorgegangene Schrift "Satire and satirists" (1854); ferner: "Sand and shells" (1854); der Roman "Eustace Conyers" (1855, deutsch 1856); "Essays from the Quarterly Review" (1861); "A memoir of the late Mr. Thackeray" (1864), dem später die "Studies on Thackeray" (1869) folgten; "Characters and criticisms" (1865); "A course of English literature" (1866) und die Familiengeschichte "Three hundred years of Norman house" (1867). Von 1860 bis 1864 gab H. den "Edinburgh Courant" heraus; 1868 ward er zum englischen Konsul in Barcelona ernannt, wo er 9. Jan. 1873 starb.

Hanne, Johann Wilhelm, protestant. Theolog, geb. 19. Dez. 1813 zu Harber im Lüneburgischen, studierte in Göttingen, Halle und Berlin, privatisierte 1837-40 in Wolfenbüttel, hielt dann bis 1850 in Braunschweig Vorlesungen, wurde 1851 Prediger im Hannöverschen und 1861 als Professor der Theologie und Pastor an St. Jakobi nach Greifswald berufen. Unter seinen zahlreichen Schriften sind besonders hervorzuheben: "Vorhöfe zum Glauben" (Jena 1851); "Bekenntnisse, oder drei Bücher vom Glauben" (Hannov. 1858, 2. Aufl. 1865); "Die Idee der absoluten Persönlichkeit" (das. 1861-62, 2 Bde.; 2. Aufl. 1865); "Anti-Hengstenberg" (Elberf. 1867); "Geist des Christentums" (das. 1867); "Die Kirche im neuen Reich" (Berl. 1871). Wegen seiner Beteiligung am Protestantenverein hatte er allerlei Anfechtungen zu erleiden; ebenso sein Sohn Johannes, seit 1874 Pastor in Waltershausen, seit 1878 in Hamburg, welcher 1871 vom preußischen Kirchenregiment und infolgedessen auch vom sächsischen Kultusministerium für unfähig erklärt wurde, ein Predigtamt zu bekleiden.

Hannemann, Spottname für Däne.

Hannibal (spr. hännibal), Hauptstadt der Grafschaft Marion im nordamerikan. Staat Missouri, am Mississippi, 216 km oberhalb St. Louis, mit (1880) 11,074 Einw., hat Tabaksfabriken, Gießereien, Sägemühlen, Schweineschlächterei, Bau von Wagen etc. und lebhaften Holzhandel. Eine Brücke verbindet es mit East-H. in Illinois. In der Nähe sind Kohlengruben.

Hannibal, 1) Befehlshaber einer karthagischen Flotte bei der Insel Lipara, 269 v. Chr., bewirkte zwar, daß die Mamertiner die Stadt Messana nicht an Hieron von Syrakus übergaben, bemühte sich aber vergeblich, jenen wichtigen Platz den Karthagern in die Hände zu spielen. Nach Anfang des ersten Punischen Kriegs 262 hielt er in Agrigent, dem Waffenplatz der Karthager, eine siebenmonatliche Belagerung aus und wußte sich, nachdem das von Hanno zum Entsatz herbeigeführte Heer eine Niederlage erlitten, noch mit dem größten Teil seiner Mannschaft zu ret-^[folgende Seite]