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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hanság; Hansard; Hanseaten; Hansegrafen; Hänseln; Hansemann

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Hanság - Hansemann.

ihren Wechseltischen durch Statut von 1412. Schiffe durften nicht an Nichthanseaten verkauft werden. Die hanseatische Flagge verführte auch in der Regel keine fremden Güter.

Obgleich von Haus aus nur eine Handelsgesellschaft, war die H. eine politische Macht ersten Ranges geworden als die einzige Trägerin der deutschen Handelspolitik, und wenn sie sich darin auch von der Zeit überflügeln ließ, so waren selbst ihre Trümmer noch dem Gedeihen des deutschen Handels förderlich. Die nordischen Länder haben ihr Emporkommen und ihre Kultur fast allein dem Einfluß des Handels mit den Hansestädten zu verdanken; die hanseatischen Seefahrer wurden für die Küsten des Baltischen Meers, was im hohen Altertum die Phöniker dem Mittelmeer gewesen waren. Und als gegen das Ende des 15. Jahrh. der Einfluß des Bundes erlosch, hatten sich zwischen dem Norden und Süden Europas bereits mannigfache Verbindungen befestigt, welche eine bleibende fördernde Rückwirkung der geistigen und materiellen Bestrebungen des letztern auf den erstern sicherten. Durch Verfolgung der Seeräuberei brachte es die H. dahin, daß sowohl auf dem Deutschen Meer (der Nordsee) als auf dem Baltischen der Handel mit ziemlicher Sicherheit betrieben werden konnte, und außer den Vorteilen, welche sie dadurch allen anliegenden Ländern gewährte, bemühte sie sich auch, das harte, grausame Verfahren zu beseitigen, denen damals der unglückliche Schiffbrüchige ausgesetzt zu sein pflegte, und suchte dem in Verlust Geratenen wieder zu seinem Eigentum zu verhelfen. Auch dadurch hat der Bund nicht wenig zum Fortschritt der Zivilisation beigetragen. Die H. war aber ein Kind ihrer Zeit und mußte untergehen, als diese Zeit vorbei war. Gemeinsamer Vorteil hatte die Mitglieder zusammengeführt, und diese trennten sich daher wieder, als die Mitgliedschaft zur Erreichung neuen Gewinnes Opfer erheischte. Der Hauptmangel des Bundes war seine Stabilität. Er mochte seine alten Einrichtungen nicht ändern, obwohl die Zeit, für welche sie sich als trefflich erwiesen, längst vergangen war. Ein Zweck der H. fiel schon weg, als die Land- und Seestraßen nicht mehr unsicher waren und die Errichtung des Landfriedens hinlängliche Bürgschaft für die öffentliche Sicherheit gewährte. Dann führte die Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Indien eine gänzliche Umwälzung im Handel herbei und machte namentlich den Stapel ungeeignet; die H. verkannte aber diese Thatsache. Der Stapel war die Hauptquelle des Reichtums des Bundes gewesen, die Väter hatten vom Stapel und nach den alten Handelsgildegebräuchen gelebt, und die Söhne konnten sich nicht entschließen, daran etwas zu ändern, wenn sie auch darüber zu Grunde gingen. Der Bund versäumte den rechten Augenblick, sich zu einer großen Handelsrepublik nach neuerm Zuschnitt zu gestalten. Einzelne Bundesglieder, die das veränderte Bedürfnis begriffen, wie die Niederländer, sonderten sich vom Bund ab; andre ließen sich von den Fürsten losreißen, von deren zeitgemäßerer Handelspolitik sie sich größere Vorteile versprachen. Der Bund selbst erstarb, ein Bild alles Stabilen, das Auge und Ohr hartnäckig den Anforderungen der Zeit verschließt und nicht begreift, daß heute ins Grab führt, was gestern noch heilsam und segenbringend war.

Vgl. Sartorius, Geschichte des hanseatischen Bundes (Götting. 1802-1808); Sartorius-Lappenberg, Urkundliche Geschichte des Ursprunges der deutschen Hanse (Hamb. 1830, 2 Bde.); Barthold, Geschichte der deutschen H. (Leipz. 1862); Winkler, Die deutsche H. in Rußland (Berl. 1886), und das im Auftrag der Historischen Kommission zu München von Koppmann, v. d. Ropp und Schäfer herausgegebene große Urkundenwerk "Hanserezesse" (seit 1256), von dem bis jetzt 11 Bände (Leipz. 1873-86) erschienen sind; ferner "Hansesches Urkundenbuch" (hrsg. von Höhlbaum, Halle 1879-82, Bd. 1-3).

Hanság (spr. -schag, "schwimmender Rasen", Wasen), großer Sumpf in Ungarn, am Südostufer des Neusiedler Sees, umfaßt etwa 330 qkm (6 QM.) und enthält mehrere kleinere Seen, unter denen der Königssee (Királytó) der merkwürdigste ist. Fischerei und Jagd auf Federwild sind beträchtlich; außerdem gewährt der H. eine große Ausbeute an Schilf, Heu und Holz. Dessen teilweise Urbarmachung ist das Werk der Fürsten Esterházy, die 1777-79 auch einen langen Damm als Fahrstraße durch den Sumpf aufführen ließen. Den Abfluß desselben bildet die Rabnitz.

Hansard (spr. hannsserd), Luke, engl. Buchdrucker, geb. 1752 zu Norwich, erlernte daselbst die Buchdruckerkunst, trat 1772 beim Parlamentsdrucker Hughes in London als Setzer ein, ward 1799 dessen Kompagnon und übernahm 1800 das ganze Geschäft. Er starb 29. Okt. 1828. - Sein ältester Sohn, Thomas Curson (geb. 1776, gest. 14. Mai 1833), seit 1805 Besitzer einer eignen Buchdruckerei, schrieb die noch heute in England hochgeschätzte "Typographia, an historical sketch of the origin and progress of printing" (Lond. 1825). Dieselbe ist dem sogen. Andreäschen "Handbuch der Buchdruckerkunst" (Frankf. a. M. 1827) zu Grunde gelegt.

Hanseaten, die Genossen der Hansa (s. d.); Einwohner einer Hansestadt.

Hansegrafen, ehedem in Bremen die Vorsitzenden in den sogen. Hansgerichten, vor welchen Grenzstreitigkeiten entschieden wurden.

Hänseln, s. v. w. necken (vgl. Hansa, S. 142).

Hansemann, David Justus Ludwig, preuß. Staatsmann, geb. 12. Juli 1790 zu Finkenwerder bei Hamburg als der Sohn eines Predigers, erlernte den Kaufmannsstand zu Rheda in Westfalen und führte die Geschäfte einer Handlung in Elberfeld, bis er sich 1817 mit geringen Mitteln zu Aachen als Wollhändler etablierte. Er gründete hier 1824 die Aachener Feuerversicherungsgesellschaft, die unter seiner Leitung bald eins der geachtetsten Institute Deutschlands wurde, und stiftete 1834 den Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit unter den ärmern Volksklassen; das namhafteste Verdienst erwarb er sich aber durch die Aufmerksamkeit, die er dem Eisenbahnwesen zuwendete. Nicht nur durch seine Schriften: "Die Eisenbahnen und deren Aktionäre in ihrem Verhältnis zum Staat" (Leipz. u. Halle 1837) und "Preußens wichtigste Eisenbahnfrage" (das. 1837), denen er später eine "Kritik des preußischen Eisenbahngesetzes von 1838" (Aach. 1841) und die Schrift "Über die Ausführung des preußischen Eisenbahnsystems" (Berl. 1843) folgen ließ, sondern auch durch persönliche Vermittelung beförderte er den Bau der Eisenbahn von Köln über Aachen an die belgische Grenze, worauf er 1838 zum Handelsgerichtspräsidenten ernannt wurde. Um sich ungeteilt den öffentlichen Angelegenheiten widmen zu können, gab er sein Handelsgeschäft auf und trat 1845 als Abgeordneter in den rheinischen Provinziallandtag, nachdem seine frühere Wahl wegen zweier gegen die preußische Staatsverfassung und Verwaltung gerichteter Schriften nicht bestätigt worden war. Auf dem Vereinigten Landtag (1847) war H. einer der hervorragendsten Führer der freisinnigen Opposition, zeichnete sich als Redner durch