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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Harn

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Harn (normale Eigenschaften).

(Kiel 1808) und "Sommerpostille" (das. 1815; von beiden 6. Aufl., Leipz. 1846); "Neue Winterpostille" (Altona 1826) und "Neue Sommerpostille" (das. 1827); "Pastoraltheologie" (das. 1830-34; 3. Aufl. 1878, 3 Bde.); aus seinem Nachlaß erschien eine Sammlung Predigten ("Des Christen Glauben und Leben", Hamb. 1869). Vgl. "H.' Lebensbeschreibung, verfaßt von ihm selbst" (2. Aufl., Kiel 1851); Baumgarten, Ein Denkmal für K. H. (Braunschw. 1855); Kaftan, K. H. (Basel 1875); Lüdemann, Erinnerung an Klaus H. und seine Zeit (Kiel 1878).

2) Ludwig, luther. Theolog, geb. 5. Mai 1808 zu Walsrode im Regierungsbezirk Lüneburg, wurde 1844 Gehilfe seines Vaters und 1849 dessen Nachfolger im Amt eines Predigers von Hermannsburg in Hannover. Daselbst errichtete er 1849 eine im streng konfessionellen Geist geleitete Missionsanstalt, deren Sendlinge es, im Vertrauen auf die Taufgnade, auf möglichst rasche Bekehrung ganzer Völker sowie auf Errichtung von ganzen Missionskolonien abgesehen hatten. Ein eignes Missionsschiff (Candace) vermittelte seit 1853 den Verkehr zwischen der Anstalt und den Stationen in Südafrika. Unter seinen Predigtsammlungen sind die berühmtesten die "Evangelienpredigten" (8. Aufl., Hermannsb. 1877) und die "Epistelpredigten" (2. Aufl., das. 1875). Sein Leben beschrieb sein Bruder Theodor H. (4. Aufl., Hermannsb. 1874). Dieser wurde, als Ludwig H. 14. Nov. 1865 starb, sein Nachfolger; weil er aber die Zivilehe nicht als Ehe anerkennen wollte, ward er 1877 entsetzt und gründete nun die separierte lutherische Kirche Hannovers, worauf das Konsistorium 1878 die bisher übliche Kollekte für die Hermannsburger Mission untersagte. Er starb 16. Febr. 1885.

3) Friedrich, philosophischer Schriftsteller, geb. 24. Okt. 1819 zu Kiel, studierte Medizin und unter Ritter und Chalybäus, von welchen der erstere nachhaltigen Einfluß auf ihn übte, Philosophie, habilitierte sich 1842 als Privatdozent zu Kiel, wurde 1848 zum außerordentlichen, 1858 zum ordentlichen Professor an der philosophischen Fakultät daselbst ernannt und 1867 als ordentlicher Professor der Philosophie nach Berlin berufen, wo er (seit 1873 auch Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften) 5. April 1880 starb. Von seinen philosophischen Arbeiten seien hier hervorgehoben: "Der Anthropologismus in der Entwickelung der Philosophie seit Kant" (Leipz. 1845); "Prolegomena zur Philosophie" (Braunschw. 1852), worin H. eine neue Grundlegung der Philosophie aus dem Begriff des Wissens zu geben versuchte; "J. G. Fichte" (Kiel 1862) und "Die Philosophie Fichtes nach ihrer geschichtlichen Stellung und ihrer Bedeutung" (das. 1862), worin er den ethischen und nicht den subjektiven Idealismus als das einheitliche Wesen der Philosophie Fichtes darstellte; "Abhandlungen zur systematischen Philosophie" (Berl. 1868); "Zur Erinnerung an Hegels 100jährigen Geburtstag" (das. 1871); "A. Schopenhauers Philosophie" (das. 1874); "Über den Begriff der Psychologie" und "Zur Reform der Logik" (das. 1874); "Über die Lehre von F. H. Jacobi" (das. 1876); "Über den Begriff der Wahrheit" (das. 1877); "Die Philosophie seit Kant" (das. 1877); "Geschichte der Psychologie" (das. 1878); "Die Formen der Ethik" (das. 1878); "Geschichte der Logik" (das. 1880). Aus seinem Nachlaß gab Wiese heraus: "Metaphysik" (Bresl. 1885); "Methode des akademischen Studiums" (Leipz. 1885) und "Logik" (das. 1886).

Harn (Urin, Urina, Lotium), die von den Nieren abgesonderte Flüssigkeit, besitzt eine höchst verwickelte Zusammensetzung und zeigt bei den verschiedenen Organismen ein sehr verschiedenes Verhalten. Diese Differenzen sind hauptsächlich von den Ernährungsverhältnissen abhängig, und im allgemeinen zeigt der H. von Organismen mit ähnlicher Nahrung eine ähnliche chemische Zusammensetzung. Der H. der Fleischfresser gleicht dem menschlichen; er ist klar, hellgelb, von saurer Reaktion, besitzt einen unangenehmen Geruch und ist sehr reich an Harnstoff. Bei den Pflanzenfressern ist er trübe, von alkalischer Reaktion, sehr reich an kohlensauren Alkalien und alkalischen Erden, und der Harnstoff tritt gegen die Hippursäure zurück. Neben Kristallen von kohlensaurem Kalk enthält der Pflanzenfresserharn auch solche von oxalsaurem Kalk. In keinem Sekret kommt der jeweilige Ernährungszustand so scharf zum Ausdruck wie im H. Zwingt man Pflanzenfresser zur Aufnahme von Fleisch, oder läßt man sie kurze Zeit hungern (beim Hungern lebt der Pflanzenfresser vom Fleisch und Fett seines Leibes), so nimmt der H. schnell den Charakter des Fleischfresserharns an; das Umgekehrte ist der Fall, sobald man Fleischfresser ausschließlich mit vegetabilischer Kost füttert. Der normale menschliche H. ist bernsteingelb, vollkommen klar und durchsichtig und besitzt frisch gelassen einen schwach aromatischen Geruch. Er reagiert in der Regel sauer, rötet also blaues Lackmuspapier. Die saure Reaktion wird hauptsächlich durch die Gegenwart von sauren phosphorsauren Salzen bedingt; unter Umständen kann aber der H. auch freie Säuren, z. B. Hippursäure, enthalten. Sein spezifisches Gewicht ist starken Schwankungen, etwa von 1,005-1,030, unterworfen, beträgt aber im Mittel etwa 1,016-1,020. Bei Abschluß der Luft läßt sich der H. lange Zeit unzersetzt aufbewahren, während er bei unbeschränktem Luftzutritt erhebliche Veränderungen erleidet. Man faßt diese zusammen mit dem Namen der sauren und der alkalischen Gärung. Bei ruhigem Stehen des Harns an der Luft pflegt sich zunächst ein kleines Schleimwölkchen abzusetzen, in welchem man mikroskopisch Pflasterepithelzellen der Harnwege, Schleimkörperchen und feinkörnige Massen beobachten kann. Während einiger Tage nimmt jetzt die saure Reaktion an Stärke zu, und die Wände des Gefäßes sowohl als der Boden desselben zeigen einen kristallinischen, meist gefärbten Niederschlag. Auf die saure Gärung folgt bei jedem H. regelmäßig die alkalische Gärung. Letztere tritt zuweilen schon unmittelbar nach der Entleerung ein. Mit Beginn der alkalischen Gärung verbreitet der H. einen widerlich ammoniakalischen Geruch und trübt sich stark; das rötliche Sediment von Harnsäure und harnsaurem Natron verschwindet allmählich, an seiner Stelle bildet sich ein reichlicher Niederschlag von weißer Farbe, welcher aus Kristallen von phosphorsaurer Ammoniakmagnesia (Tripelphosphat) besteht, und die Oberfläche der Flüssigkeit bedeckt sich mit einer weißlichen, irisierenden Haut. Bei dieser Gärung wird der Harnstoff in Ammoniumcarbonat umgewandelt. Diese Zersetzung wird durch organische Keime eingeleitet, welche sich mikroskopisch als kleine, runde Kügelchen von 0,0015 mm Durchmesser repräsentieren und in der Regel in Häufchen zusammengeordnet liegen. Bei Abschluß dieser Keime läßt sich normaler H. beliebig lange unzersetzt aufbewahren.

Als normale organische Bestandteile des Harns sind zu bezeichnen: Harnstoff, Hippursäure, Harnsäure, Oxalursäure, Kreatin, Xanthin, Farb- und Extraktivstoffe. Von regelmäßigen anorganischen Bestandteilen kennt man: Wasser, Kalium, Natrium, Ammonium, Calcium, Ma-^[folgende Seite]